Freiheit, Weisheit

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Ga-chen
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Freiheit, Weisheit

Ungelesener Beitrag von Ga-chen » Freitag 10. November 2017, 19:49

Heute etwas sehr Nachdenkenswertes gehört:

So lange man sich in festgesetzten Grenzen bewegt und diese akzeptiert, ist man frei.

Wenn man die Grenzen nicht mehr akzeptiert ist man unfrei und muss ein anderes System aufsuchen.

....

So geht es ja vielen Zeugen! Ex-Zeugen konnten demnach die Grenzen nicht mehr akzeptieren und suchten sich drum was Neues....da ist echt was dran. Ich blieb dort gar nicht erst, weil die Grenzen für mich nicht annehmbar waren...

Vl geht es Atheisten ja ähnlich, nicht innerhalb Gottes Grenzen leben zu wollen, weil sie sich damit unfrei fühlen, das würde so einiges erklären....wobei sich die Frage erhebt, ob das Erlebte wirklich Gottes Grenzen waren oder von Menschen vorgegebene....ähnlich wie die der Pharisäer, die Jesus verurteilte als solche, due den Menschen unnötige schwere Lasten auferlegten....

Sind wir eigentlich wirklich frei oder können wir uns nur jeweils für oder gegen etwas entscheiden?

Aus einer Gemeinschaft kann man rausgehen, einen Ort, eine Stadt, ein Land verlassen, aber wie sieht's mit der Erde aus?


Oh, da merke ich grade, wie frei ich in Christus bin 😊
Liebe Grüße von Ga-chen

Augustinus suchte nach Gott und grübelte und grübelte und ging an einen Strand. Dort traf er einen Jungen, der mit einem Löffel Wasser aus dem Meer auf den Strand goss. Auf die Frage, was er da mache, antwortete der Junge: "Ich löffel das Meer aus!" In dem Moment sprach Gott zu Augustinus: "Genau das machst du!"

Christel
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Re: Freiheit, Weisheit

Ungelesener Beitrag von Christel » Samstag 11. November 2017, 19:45

Ga-chen hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 19:49
Heute etwas sehr Nachdenkenswertes gehört:

So lange man sich in festgesetzten Grenzen bewegt und diese akzeptiert, ist man frei.
Spantan fiel mir da ein: „Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit“
Dieser Ausspruch findet sich in Friedrich Engels' Schrift »Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft« ausdem Jahr 1878 (dem so genannten »Anti-Dühring«). Es geht darin um das dialektische Verhältnis von Freiheit undNotwendigkeit. Einsicht in die Notwendigkeit einer Sache bewirkt die Freiheit ihr gegenüber, weil sie dann nicht mehrals äußerlicher Zwang, sondern als inneres Bedürfnis empfunden wird.
http://universal_lexikon.deacademic.com/239820/Freiheit_ist_Einsicht_in_die_Notwendigkeit
Ich habs nie wirklich akzeptiert. Hier wird Freiheit mit einem Gefühl gleichgesetzt.
Demnach könnte man gefesselt im Kerker liegen, wenn man sich dabei frei fühlt, wär man frei. Das kann es nicht sein.

Freisein hat für mich mit einer tatsächlichen Wahlfreiheit zu tun!

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Ga-chen
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Re: Freiheit, Weisheit

Ungelesener Beitrag von Ga-chen » Sonntag 12. November 2017, 01:13

Nun ja, bei den ersten Christen soll es so gewesen sein....im Kerker! Freiheit in Christus ist unabhängig von Umständen, scheint's.....
Liebe Grüße von Ga-chen

Augustinus suchte nach Gott und grübelte und grübelte und ging an einen Strand. Dort traf er einen Jungen, der mit einem Löffel Wasser aus dem Meer auf den Strand goss. Auf die Frage, was er da mache, antwortete der Junge: "Ich löffel das Meer aus!" In dem Moment sprach Gott zu Augustinus: "Genau das machst du!"

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Re: Freiheit, Weisheit

Ungelesener Beitrag von Ga-chen » Sonntag 12. November 2017, 01:25

Zitat Christel
Freisein hat für mich mit einer tatsächlichen Wahlfreiheit zu tun!
......

Nun ja, haben wir das wirklich? Und müssen wir uns nicht alle innerhalb gewisser Grenzen bewegen? Gesellschaftliche, soziale, politische, gesetzliche, familiäre, Länderspezifische....und ja, auch religiöse, ob frei gewählt oder hinein geboren, Umweltbedingungen und nicht zuletzt göttliche?
Die Hirnwissenschaftlerin Caroline Leaf hat herausgefunden, dass wir auf jeden Fall wählen konnen, was wir denken, Gutes oder Schlechtes....und dass dies uns wesentlich beeinflusst, bis hin zu toxischen Gedanken, die das Gehirn krank machen....also doch Entscheidungsfreiheit?

Sie spricht auch davon, dass jeder so intelligent sein kann, wie er möchte, indem er über Dinge intensiv nachsinnt und sich so, ich nenne es mal Gedankenbäumchen bilden.
Auswirkungen toxischer Gedanken könnten rückgängig gemacht werden....

Grad einen Film gesehen: Das Gehirn heilt sich selbst...krass...

Einmal drauf aufmerksam geworden fällt auf, dass auch andere von toxischen Gedanken und auch Giften reden, die unser Gehirn nachteilig beeinflussen.....
Liebe Grüße von Ga-chen

Augustinus suchte nach Gott und grübelte und grübelte und ging an einen Strand. Dort traf er einen Jungen, der mit einem Löffel Wasser aus dem Meer auf den Strand goss. Auf die Frage, was er da mache, antwortete der Junge: "Ich löffel das Meer aus!" In dem Moment sprach Gott zu Augustinus: "Genau das machst du!"

Christel
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Re: Freiheit, Weisheit

Ungelesener Beitrag von Christel » Sonntag 12. November 2017, 15:42

Hallo Ga-chen,

Freiheit ist ein Wert!
Allerdings wird auch Freiheit, wie jeder Wert, wenn man überzieht zum Unwert. Wer nur seine Freiheit im Blick hat, wird kaum mit anderen Menschen kooperieren können, ist nicht teamfähig …
Maximale Freiheit hat der, der bestimmen kann, der Macht hat… oder der, der völlig allein ist.

Ich sagte:
Christel hat geschrieben:
Samstag 11. November 2017, 19:45
Freisein hat für mich mit einer tatsächlichen Wahlfreiheit zu tun!
So gesehen hast Du Recht. Selbst im Kerker gibt es noch eine Wahlfreiheit, nämlich die Freiheit wie ich mit der Situation umgehe.
Erinnern möchte ich an dieser Stelle an Viktor Emil Frankl. https://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_Frankl
Er ist der Begründer der Logotherapie: https://de.wikipedia.org/wiki/Logothera ... enzanalyse
Als Juden wurden er, seine Frau und seine Eltern am 25. September 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Sein Vater starb dort 1943, seine Mutter wurde in der Gaskammer von Auschwitz ermordet, seine Frau starb im KZ Bergen-Belsen. Frankl wurde am 19. Oktober 1944 von Theresienstadt nach Auschwitz gebracht[2] und einige Tage später in das KZ-Kommando Kaufering VI (Türkheim), ein Außenlager des KZ Dachau, transportiert. Am 27. April 1945 wurde er in Türkheim von der US-Armee befreit.
Seine Eindrücke und Erfahrungen in den Konzentrationslagern verarbeitete er in dem Buch "... trotzdem Ja zum Leben sagen (Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager)". http://www.sasserlone.de/autor/91/viktor.frankl/
Schaut man nur auf einen einzelnen Wert, dann kommt man irgendwie nicht weiter. Ich glaube, wir treffen unsere Entscheidungen immer innerhalb eines Wertesystems. Auch Treue, Zuverlässigkeit, Liebe … sind Werte. Werte, die man weder bekommt, noch genügen kann, wenn man den Wert Freiheit absolut setzt.

Ich bin in der DDR aufgewachsen. Das hatte ich mir nicht gewählt. Ich konnte dort nicht weg. Meine Wahlfreiheit war eingeschränkt durch eine stark bewachte und verminte Mauer. - Wieso hätte ich mir einreden lassen sollten, dass ich schon frei werde, wenn ich die Notwenigkeit der Mauer einsehe oder wenn ich die festgelegten Grenzen wenigstens akzeptiere?

Innerhalb dieser Grenze gab es jedoch eine Vielzahl an Wahlmöglichkeiten.

Andere haben mir gegenüber diese Grenze verteidigt z.B. mein Gartennachbar. Er sagte, er habe nie das Bedürfnis gehabt in den Westen zu reisen. Das stimmte vermutlich auch. Er hatte Einsicht in die Notwendigkeit.

Du hattest geschrieben:
Ga-chen hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 19:49
Heute etwas sehr Nachdenkenswertes gehört:
So lange man sich in festgesetzten Grenzen bewegt und diese akzeptiert, ist man frei So lange man sich in festgesetzten Grenzen bewegt und diese akzeptiert, ist man frei.
Ich würde präzisieren:
„So lange man sich in festgesetzten Grenzen bewegt und diese akzeptiert, fühlt man frei."

Aber, ob‘s das schon ist?
Kurz nach Grenzöffnung „erwischte“ ich meinen Gartennachbarn auf dem Bahnhof. Er sagte mir, „eimal nach Österreich, das wäre schon immer sein Traum gewesen“. – [Aha, nicht der Westen, sondern Österrreich!]

In Wahrheit gehen wir mit unseren Werten immer Kompromisse ein. Daher nehmen wir sie mal mehr und mal weniger wahr.

----
Weshalb nanntest Du das Thema eigentlich "Freiheit, Weisheit"?

Gerdy
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Re: Freiheit, Weisheit

Ungelesener Beitrag von Gerdy » Sonntag 12. November 2017, 16:32

Christel: „So lange man sich in festgesetzten Grenzen bewegt und diese akzeptiert, fühlt man frei."

Aber, ob‘s das schon ist?
Kurz nach Grenzöffnung „erwischte“ ich meinen Gartennachbarn auf dem Bahnhof. Er sagte mir, „eimal nach Österreich, das wäre schon immer sein Traum gewesen“. – [Aha, nicht der Westen, sondern Österrreich!]


Ich kannte 26 Jahre lang wie es ist frei und unfrei zu sein, nur was die Regime betrifft. Trotzdem hatte ich, nur mit einem Stück Papier in der Tasche, fast immer die Freiheit aus der hermetischen Grenze auszureisen. Das ist das Papier, beachtet das Datum: 1989, es war meine letzte Geschäftsreise in die Unfreiheit. Die ich gefühlsmäßig und im Dialog mit den "Gebundenen" genau empfindungsmäßig mitbekam -

Bild

Auch mein Ziel war Österreich (zwei r genügen - hihi) :mrgreen:

Ein Gespräch mit einem DDR-Funktionär ist mir noch in Erinnerung. Passt zur Parabel "Wenn ein Blinder die Farbe definiert" - den Bericht suche ich noch raus und bringe ihn später

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Re: Freiheit, Weisheit

Ungelesener Beitrag von Gerdy » Sonntag 12. November 2017, 16:51

Spaziergang eines Ösi-Wessis in der Hauptstadt der DDR. Westberlin, dieses Wort hatte ich mir schon viele Jahre davor, abgewöhnt :idea:

Bild

Wie da der "Palast der Republik" noch gülden leuchtete. Asbest sieht man ja nicht so gut 8O

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Ga-chen
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Re: Freiheit, Weisheit

Ungelesener Beitrag von Ga-chen » Sonntag 12. November 2017, 23:37

Das wusste ich ja gar nicht Gerd!

Ist Freiheit nur ein Gefühl? Hm....weiß nicht...ist es ein Wert?

Ich gebe dir Recht, die persönliche Freiheit muss da aufhören, wo die des anderen beginnt!
Kulte halten sich nicht daran und beschneiden die Freiheit ihrer Mitglieder. Seltsamerweise halten sie sie dadurch in den eigenen Reihen.
Bei mir hat es nicht funktioniert. Ich ordne meine Freiheit nicht anderen Menschen unter. Den Anderen höher achten als sich selbst bedeutet für mich etwas anderes, es hat mit Liebe und Respekt zu tun....
Liebe Grüße von Ga-chen

Augustinus suchte nach Gott und grübelte und grübelte und ging an einen Strand. Dort traf er einen Jungen, der mit einem Löffel Wasser aus dem Meer auf den Strand goss. Auf die Frage, was er da mache, antwortete der Junge: "Ich löffel das Meer aus!" In dem Moment sprach Gott zu Augustinus: "Genau das machst du!"

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Re: Freiheit, Weisheit

Ungelesener Beitrag von Gerdy » Montag 13. November 2017, 08:08

Klar Gachen,

wer in eine Diktatur aus freiheitlichen Ländern reist, der spürt förmlich den Unterschied. Die drinnen leben, merken den Unterschied kaum, denn sie wissen, oder spüren, nicht genau den Unterschied. Mein angekündigtes Erlebnis, als ich noch bei den Zeugen Jehovas war, Kopie:

Während die DDR noch auf ihre Wende wartete, für uns rückte sie immer näher. Gerade Funktionäre der Einheitspartei in Ostdeutschland, förderten unbewußt mein Mißtrauen gegen Gleichmacherei und Unterdrückung, wo auch immer diese praktiziert wurde. Ich hatte eine kurze Ausbildung zum Kameramann absolviert und reiste dann in verschiedene Länder, um unsere Gleisbaumaschinen zu filmen. In den Ostländern gab es besondere Einschränkungen, so durften u.a. keine Brücken oder Gleisanlagen abgelichtet werden. Eine Maschine sollte auf den Gleisanlagen des Kohlereviers „Schwarze Pumpe“ gefilmt werden. Dazu mußte ich ein Kamerateam aus Ostberlin engagieren, das mir vom Ministerium für Verkehr zugewiesen wurde. Dieses bestand aus sechs Personen. Es gab einen Riesenaufwand mit Regisseur und Assistent. Die Gespräche mit diesen, waren aber recht freundschaftlich. Abends saßen wir oft noch gemütlich beisammen. An einem dieser Abende, bat mich der Regisseur um ein vertrauliches Gespräch. Er nannte auch gleich den Grund. Als führendes Mitglied der SED gehört es zu seinen Aufgaben, durch Befragungen herauszufinden, wie Menschen aus dem westlichen Ausland die DDR beurteilen. Er versicherte glaubhaft, daß ich nichts zu befürchten hätte. Die Ergebnisse solcher Befragung werden Donnerstag Abend, in der Parteisitzung, ausgewertet. Ich hatte Vertrauen zu dem Mann und war froh, endlich über meinen Frust erzählen zu können. Die „Unfreiheit“ stellte ich in den Mittelpunkt meiner Beschwerden. Die Antworten dieses Funktionärs kamen mir bald bekannt vor, weil ich im Predigtdienst oft in ähnlicher Weise antwortete. Natürlich mit etwas anderen Vorgaben. Hier war nämlich der bullige SED-Mann mein Opfer, den ich genüßlich „zerlegen“ konnte. Im Felddienst machen dies die Leute mit mir. Auch er gab einstudierte Antworten und versuchte, unangenehmen Tatsachen auszuweichen. Siehe da, die gleiche Taktik wie bei unserer theokratischen Schulung, so ging es mir durch den Sinn. Dazu ein Beispiel:
Im Predigtdienst kommt häufig die Frage: „Warum glaubt Ihre Sekte eigentlich, nur sie allein sei von Gott gebraucht und nur ihre Leute würden von Gott gerettet werden?“. Dann kommt die stereotype Antwort, etwa so: „Wir können nicht wissen, wie Jehova dies beurteilt, die Errettung der Menschen liegt nicht bei uns, sondern nur in seiner Hand“. Das klingt vordergründig einleuchtend und der Gesprächspartner mag denken, das ist eine vernünftige Einstellung. Darin spiegelt sich die doppelzüngige Sprache der WTG wider: für Außenstehende wird häufig direkt das Gegenteil von dem ausgedrückt, was intern als „Gesetz“ gilt. Dem darf man nicht ungestraft widersprechen. Die WT-Organisation vermittelt die Überzeugung: nur sie allein wird von Gott gebraucht und geleitet. Es gibt nur eine Einbahnstraße ins künftige Paradies. Dieses Ziel kann nur der erreichen, der sich dem geeinten „Volk Gottes“ anschließt und gehorsam dem von Christus eingesetzten Sklaven folgt. Es wird auch immer betont, dieses Volk befinde sich bereits in einem „geistigen Paradies“, sie sind anderen Christen weit voraus.
Auch die Funktionäre in der DDR hatten das Gefühl, in einem Arbeiter- und Bauernparadies zu leben und glücklichen Zeiten entgegen zu gehen.

Ich riß den Herrn Regisseur aus seinen politischen Träumereien. So kam ich auch auf die unangenehmen Formalitäten an der Grenze zu sprechen. Er hatte kaum eine Ahnung davon, was sich dort abspielt. Ich geriet ins Schwärmen, über die angenehmen Zustände im freien Österreich. Wie sich doch die Bilder gleichen. Hier der Genosse Regisseur auf der einen, da der Bruder Zeuge, auf der anderen Seite. Zwei „Apparatschiks“. Hier die alleinbeglückende Partei, dort die alleinrettende Organisation. Ohne rot zu werden, wird gelogen und die Wahrheit gebogen. Wer die Partei oder die Organisation angreift, greift direkt in deren Augapfel. Auch die „Bestrafung“ hat Ähnlichkeiten. Wer sich nicht anpassen will, wird schnell unbequem. Wer eigene Entscheidungen trifft und nicht den Anweisungen der Oberen folgt, erfüllt nicht die erwarteten Normen. Das kostet oft die Stelle, den Posten, zumindest den guten Ruf. Oder theokratische Dienstämter.
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Das war damals meine empfangene Lektion

Christel
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Re: Freiheit, Weisheit

Ungelesener Beitrag von Christel » Montag 13. November 2017, 20:02

Wir können sehen, hören, riechen, schmecken, tasten. Wir fühlen Wärme und Kälte, Schmerzen, wir haben einen Gleichsgewichtssinn…
Wir fühlen aber auch Ärger, Freude, Trauer, Liebe …
Diese Gefühle sind Teil unserer Wahrnehmung!

Wenn wir uns allein fühlen, wenn wir uns unfrei oder frei fühlen, damit nehmen wir Wirklichkeit wahr.
Nein, Freiheit ist nicht nur ein Gefühl, entweder ist man frei oder man ist es nicht. Das Beispiel der innerdeutschen Grenze, welches Gerd so schön illustriert hat, zeigt es deutlich.

Allerdings ist niemand völlig frei. Wir leben immer im sowohl als auch, in der Bindung, die Freiheit begrenzt und in Teilen in denen wir frei entscheiden.
Ga-chen hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 19:49
Oh, da merke ich grade, wie frei ich in Christus bin 😊
Das ist erklärungsbedürftig!

Wir dürfen nicht unterschlagen, dass Christsein zuallererst Bindung bedeutet, konkret Bindung an Jesus Christus.
„Und sagte zu ihnen Jesus: Kommt her! Nach mir! Und ich werde bewirken, ihr werdet Fischer von Menschen.“ (Mk 1,17, in sehr wörtlicher Übersetzung)
Bildlich, es geht vorwärts im Gänsemarsch immer Jesus hinterher, er zeigt was zu tun ist und wie es geht.

Gerdy
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Re: Freiheit, Weisheit

Ungelesener Beitrag von Gerdy » Montag 13. November 2017, 20:16

Noch was aus dem Jahr 1985 herum - Januarabend, ich fühlte mich beklemmt und alleine! Ich sah oft um mich, ob mir wer folgt - weit und breit kein Mensch.
Heute vorstellbar?

Bild

beachtet rechts hinten die extra weiß getünchte Mauer - sie wirkt nicht so grausam und abstoßend:

Bild

Und ich dachte: ein Mauerfall noch in meinem Leben?: unmöglich

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Re: Freiheit, Weisheit

Ungelesener Beitrag von Gerdy » Dienstag 14. November 2017, 11:03

Zugabe:

Bild

Noch ein Besuch beim "Brandenburger Tor" - triiiest...

Darunter: Blick vom Hotel ("Merkur" [?] von den Schweden gebaut) zum Bahnhof Friedrichstraße. Es war irgend ein Feiertag mit Aufmarsch. Beim Bahnhof sah ich dann die Rentner mit Koffern, die man gerne los hatte :evil:

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Re: Freiheit, Weisheit

Ungelesener Beitrag von Christel » Mittwoch 15. November 2017, 21:09

Ga-chen hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 19:49
Heute etwas sehr Nachdenkenswertes gehört:
So lange man sich in festgesetzten Grenzen bewegt und diese akzeptiert, ist man frei.
Nein! Grenzen begrenzen immer die Freiheit, ob man das wahrnimmt oder nicht.
Ga-chen hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 19:49
Wenn man die Grenzen nicht mehr akzeptiert ist man unfrei und muss ein anderes System aufsuchen.
Nein, erst dann fühlt man sich unfrei. Tatsächlich war man es schon vorher.

„ein anderes System aufsuchen“?
Das haben die Grenzen verhindert!

Ich durfte im Sommer 1989 zum 70. Geburtstag der Tante meines Mannes fahren. Mein Mann durfte nicht. – Ich fuhr zurück, ich hatte ja Familie. Auch das ist ein Wert. Ich habe damals freiwillig die westliche Freiheit (obwohl ich mich danach sehnte) gegen die familiäre Bindung eingetauscht.

Damals im Sommer 1989 rechnete ich nicht mit einer Grenzöffnung. Diese kam am 9.November völlig überraschend. – Ich hatte es nicht geglaubt. Ich weiß noch heute genau, wo ich war und was ich tat als mich die Nachricht erreichte. Und ich weiß, es geht vielen anderen, die das erlebten, ebenso.

Gerdy
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Re: Freiheit, Weisheit

Ungelesener Beitrag von Gerdy » Donnerstag 16. November 2017, 06:46

Damals im Sommer 1989 rechnete ich nicht mit einer Grenzöffnung. Diese kam am 9.November völlig überraschend. – Ich hatte es nicht geglaubt.
Das gilt es zu bewahren. Denn ein Ausbruch muss geplant sein:

Bild

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Re: Freiheit, Weisheit

Ungelesener Beitrag von Ga-chen » Donnerstag 16. November 2017, 16:23

Hallo Christel, ich denke schon, dass wir immer innerhalb von Grenzen leben, wir sind auch hier in unserem Land Gesetzen unterworfen, vl. ist der Unterschied nur, ob man mehr oder weniger frei ist. Viele ehemalige DDRler wünschen sich die Zeit zurück, es war überschaubar, alles geregelt, man hatte sein Einkommen und Auskommen und die Kinderbetreuung war geregelt. Etliche hatten es sich relativ gut eingerichtet.....Das meine ich mit...man kann auch innerhalb von Grenzen relativ frei sein. Wer damit nicht leben konnte, versuchte auszubrechen, wobei er wiederum unter einem Gesetz stand, dem Preis, sein Leben zu verlieren....wie es auch viele Geflüchtete derzeit in Kauf nehmen. Wenn der Leidensdruck zu groß wird, nimmt man es anscheinend in Kauf.

Die Definition von Freiheit auf Wikipedia bestätigt, dass sie immer nur innerhalb von Grenzen möglich ist, sonst gibt es für den Einzelnen keinen Schutz. Wir sehen doch, was in rechtsfreien Räumen abgeht....

Frei sein in Christus....ja, hat mit einer Bindung an ihn zu zu, aber nur in ihm ist man wirklich frei. Hört sich wie ein totaler Widerspruch an und für das Denken der Welt ist es ja auch wirklich so!

Freiheit in Christus bedeutet frei sein von den Meinungen anderer, ich bin nicht, was ich habe, ich bin nicht, was andere über mich sagen, ich bin ein geliebtes Kind Gottes, gerecht gemacht in Christus, frei vom Gesetz der Sünde, das Bse hat keine Macht mehr über mich, selbst der Tod nicht, weil er nur ein Übergang in ein herrlicheres Zuhause ist....nicht nur geistlich mit Christus verbunden wie es jetzt ist, sondern von Angesicht zu Angesicht 😊
Liebe Grüße von Ga-chen

Augustinus suchte nach Gott und grübelte und grübelte und ging an einen Strand. Dort traf er einen Jungen, der mit einem Löffel Wasser aus dem Meer auf den Strand goss. Auf die Frage, was er da mache, antwortete der Junge: "Ich löffel das Meer aus!" In dem Moment sprach Gott zu Augustinus: "Genau das machst du!"

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