Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

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Atheisius
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Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

Ungelesener Beitrag von Atheisius »

Autor: Peter Gorenflos

© Bereitgestellt von der Berliner Zeitung https://www.berliner-zeitung.de/open-so ... -li.201009

Sollte man in einer säkularen Zeitung, einem säkularen Land, ein religiöses Thema besprechen? Nun, die Bundesrepublik ist weniger säkular, als sie vorgibt, die Verquickung von Staat und Kirche ist viel enger als zum Beispiel in Frankreich oder den USA.

Auch das Reichskonkordat von 1933 lebt im Grundgesetz verklausuliert in Artikel 123.2 fort, der Staat bezahlt die Gehälter von Religionslehrern und Bischöfen, zieht die Kirchensteuer ein – seit 1934 per Nazierlass als Quellensteuer – und zahlt groteske Entschädigungen wegen des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803, alles in allem viele Milliarden Euro jedes Jahr aus allgemeinen Steuermitteln.

Es gibt aber noch einen anderen wichtigen Grund, Religion, gerade aus einer säkularen Position, zu thematisieren.

Der Antisemitismus, den viele nach den Schrecken des Holocaust und Hitlers Kriegsniederlage für überwunden hielten, flammt weltweit wieder auf. Weltweit? Nicht wirklich, denn man findet ihn in Hindu-Indien, China oder Japan kaum. Antisemitismus tritt insbesondere in Gesellschaften mit christlichem oder muslimischem Hintergrund auf.

Der Versuch, dem jüdisch-christlichen Konflikt wissenschaftlich auf den Grund zu gehen, beginnt im Mittelalter durch jüdische Gelehrte, wird im 18. Jahrhundert durch englische und deutsche Deisten fortgesetzt und erlebt im 19. Jahrhundert seine Weiterentwicklung. Die grundlegende Erkenntnis war, dass Jesus und seine frühesten Anhänger höchst jüdische Persönlichkeiten waren, dass Jesus kein Christ gewesen sein konnte.

Es war das Verdienst der „Tübinger Schule“, einen Bruch zwischen der „Urkirche“ und der christlich-paulinischen Kirche aufgedeckt zu haben, der durch die Evangelien verschleiert werden sollte.

Als Reaktion darauf entwickelte Rudolf Bultmann im 20. Jahrhundert die „Formkritik“, die den historischen Jesus für unbedeutend hielt und stattdessen einen mythischen Jesus als Grundlage für die christliche Religion deklarierte. So konnte man den tektonischen Riss zwischen einem christlichen und einem jüdischen Jesus zuschütten.

Eine andere Historikerschule, genannt „die Sicht auf den Juden Jesus“, nutzte diese Entwicklung zu einer neuen, unbefangenen, historischen Betrachtung und wendete als „Faktencheck“ die Tendenzmethode an. Mit ihr und ihrem prominenten Vertreter, Hyam Maccoby, befasst sich dieser Artikel. Hier werden innere Widersprüche im Text aufgespürt, die der Absicht des Erzählers widersprechen. Die Isolation solcher Textstellen verweist auf eine ältere Schicht, denn sie können ja nach erfolgter Verfestigung einer bestimmten Tendenz nicht mehr neu hinzugekommen sein.

Die Pharisäer zum Beispiel, die Autoritäten und geistigen Anführer der Bevölkerung Judäas, werden im Neuen Testament verächtlich gemacht, als Heuchler dargestellt, mit denen Jesus angeblich in Konflikt geraten sei. Andererseits kokettiert Paulus förmlich damit, ein Pharisäer gewesen zu sein, um sich beim Missionieren Autorität zu verschaffen. Jesus lässt sich von seinen Brüdern beraten, obwohl er doch mit seiner Familie gebrochen haben soll.

In der Barabbas-Episode fordern die Juden die Kreuzigung Jesu. Weshalb wurde er dann kurz vorher von der Jerusalemer Bevölkerung frenetisch bejubelt? Weshalb gibt es in den Paulusbriefen – vor dem Jüdischen Krieg geschrieben – noch keinen Verräter Judas Ischariot, der in den Evangelien – danach geschrieben – eine so prominente Rolle einnimmt? Weshalb treten die Römer im Neuen Testament kaum auf, obwohl sie doch historisch unbestritten Judäa unter grausamer Besatzung hielten? Das ist so, als würde man bei einer Geschichte des besetzten Frankreichs die deutsche Besatzungsmacht vergessen.

Durch die Rückverfolgung dieser Widersprüche rekonstruiert Maccoby die historischen Ereignisse, soweit es die Quellenlage zulässt. Jesus war selbst Pharisäer und stand nicht in Opposition zum Judentum. Seine Forderungen nach Nächstenliebe waren genuines Gedankengut der Pharisäer. Jesus war kein Reformator seiner Religion, sondern ihr toratreuer Anhänger. Er hatte einen messianischen Anspruch, wollte die Unabhängigkeit und eine jüdische Monarchie. Dabei geriet er in Konflikt mit den römischen Besatzern und deren lokalen Kollaborateuren, den Sadduzäern und dem Hohepriester, eine Art Polizeichef in römischen Diensten. Für die Römer war der Ruf nach jüdischer Unabhängigkeit Hochverrat und wurde mit der Kreuzigung bestraft.

Der eigentliche „Erfinder“ des Christentums war Paulus, der Jesus nie persönlich kennenlernte. Seine Begegnung mit ihm beruhte auf einer Vision auf dem Weg nach Damaskus. Maccoby weist nach, dass Paulus kein Pharisäer sein konnte. Er war ein Abenteurer aus dem griechischen Tarsus, der nur oberflächlich mit dem Judentum vertraut war.

Zunächst suchte er vergeblich den Anschluss an die von ihm bewunderten jüdischen Autoritäten, wurde aber – wohl enttäuscht von der Zurückweisung – Polizeispitzel des Hohepriesters, in dessen Auftrag er die Anhänger Jesu, die Nazarener, verfolgte, die auch nach seiner Kreuzigung für ihre Bewegung missionierten. Sie hofften auf seine Auferstehung von den Toten durch ein göttliches Wunder, wie bei Lazarus.

Das Bild eines gekreuzigten und wiederauferstehenden Jesus begann Paulus an die Mysterien-Götter seiner Kindheit zu erinnern, die symbolisch zu Opferzwecken getötet wurden, um dann wiederaufzuerstehen und Erlösung und ewiges Leben zu bringen.

Im Kopfe dieser innerlich zerrissenen Person fusionierten diese Mysterienkulte mit dem historischen Ereignis der Kreuzigung.

Eine Opferung – vor allem die eines imaginären Gottes – löst bei den Gläubigen Schuldgefühle aus, die auf einen Sündenbock übertragen werden, eine Rolle, die im Laufe der Entwicklung des Christentums den Juden aufoktroyiert wurde. Die Jesusvision auf dem Weg nach Damaskus war das Schlüsselerlebnis bei der Gründung einer neuen Religion, in der Jesus in einen hellenistischen Mysterien-Gott verwandelt wurde, der die Tora – das Gesetz – überflüssig machen sollte. Nach Damaskus suchte Paulus Anschluss an die Jesusanhänger, stieß zunächst auf Akzeptanz und erhielt die Berechtigung zur Heidenmission.
Nachdem aber klar wurde, dass er ein völlig neues religiöses Konzept verfolgte, kam es zum Bruch zwischen ihm und der Jerusalemer „Kirche“.

Durch den Jüdischen Krieg erlitten die Juden eine katastrophale Niederlage, die im Laufe der folgenden Jahrzehnte auch zur Auflösung der jüdischen Jesusbewegung führte. Aber die paulinische Jesusbewegung – das Christentum – mit dem neuen Konzept eines vergöttlichten Jesus und dem neuen Zentrum in Rom triumphierte, sah in der jüdischen Niederlage eine Bestrafung derer, die Jesus nicht als Gründer einer neuen Religion, eines „Neuen Bundes“, akzeptieren wollten.

Erst nach der Zerstörung des Tempels (70 n. u. Z.) wurden die Evangelien geschrieben, die dem christlichen Antisemitismus, der bei Paulus beginnt, eine neue Dimension verleihen und „die Juden“ direkt für Jesus’ Tod verantwortlich machen.

Durch die Schriften der Kirchenväter der Spätantike, wie denen des heiligen Origenes, Augustinus („Contra Judaeos“) und Chrysostomos, dessen antijüdische Hetztiraden nur noch von denen Hitlers übertroffen wurden, wurde das zunehmend christianisierte Europa weiter indoktriniert.

Was lange Zeit religiöse Phantasie der Christen war – der Mythos vom jüdischen Übel –, wurde durch die zunehmende Macht der Kirche ab dem 11. Jahrhundert soziale Realität.
Der jüdische Albtraum, der nun unter christlicher Herrschaft begann, beinhaltete ihren Ausschluss aus den Gilden und das Verbot, angesehene Berufe auszuüben. Sie hatten aber die Erlaubnis zum verpönten Geldverleih gegen Zinsen, was ihnen den Ruf von Wucherern einbrachte und den Judas-Mythos vom geldgierigen Verräter Christi anfeuerte.

In England begann eine andere Form des Albtraums: die Blutbeschuldigung. Der erste Fall war der Wilhelms von Norwich im Jahr 1144. Man behauptete, Juden hätten vor dem Osterfest ein Christenkind gekauft, gefoltert und am Karfreitag aus Hass gegen Jesus Christus gekreuzigt. Der Fall hatte vor Gericht keinen Bestand, aber die Geschichte breitete sich epidemisch aus.
„Geständnisse“ wurden unter Folter erpresst, jüdische Bürger wurden hingerichtet und ganze Gemeinden ausgelöscht. Diese angeblichen Ritualmorde wurden Juden durch das gesamte Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert vorgeworfen und haben wesentlich zu ihrer Dämonisierung beigetragen.

Es war der Niedergang des Christentums, der die Juden aus ihrer mittelalterlichen Unterdrückung herausführte. Die Französische Revolution brachte 1791 den Durchbruch, dem andere europäische Länder folgten. Die kirchliche Hierarchie übte starken Gegendruck aus und wollte den Status der jüdischen Bevölkerung als „verfluchte Nation“ mit allen Mitteln aufrechterhalten. Eine neue tolerante, aber herablassende Haltung den Juden gegenüber kippte sehr schnell in Missgunst, als sie durch ihren schnellen Erfolg alle üblen Vorhersagen widerlegten.

Missgunst und Neid standen am Anfang des modernen Antisemitismus. Die neue Debatte drehte sich um Assimilierbarkeit und aus den Christusmördern des Mittelalters wurden „die Fremden“ schlechthin. Für die einen wurden sie zum Urheber des Kapitalismus, wobei das Bild vom mittelalterlichen Wucherer und der Judas-Mythos wiederauflebten. Für die anderen waren sie die Speerspitze von Verschwörung und Revolution.
Die pseudowissenschaftliche Rassentheorie, die in Deutschland entstand, löste den christlichen Mythos von den jüdischen Gottesmördern nur pro forma ab. Alfred Dreyfus war wohl das prominenteste Opfer antisemitischer Verleumdungen jener Zeit.

In Deutschland wurde nach der Kriegsniederlage im Ersten Weltkrieg, dem Versailler Vertrag, der Wirtschaftskrise und der Inflation wieder einmal ein Sündenbock gesucht. Viele gesellschaftliche Gruppierungen setzten auf die antisemitische Karte, aber keiner tat es so kompromisslos wie Hitler.

Weshalb aber war eine kultivierte Nation so anfällig für das politische Programm eines Psychopathen? Es war die Welt des Mittelalters, die das Reservoir an Judenhass und -verachtung lieferte, welches es den Nazis ermöglichte, ihre Vernichtungsstrategie umzusetzen.

Hitler konnte bei seiner antisemitischen Politik auf sämtliche Stereotype des Mittelalters zurückgreifen. Selbst sein Konzept der Endlösung und die Terminologie des Tausendjährigen Reichs hatten einen christlichen Vorläufer mit der religiösen Vorstellung der Endzeit und des Antichristen, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des christlichen Denkens ziehen.

Die Phantasien einer jüdischen Weltverschwörung gingen auf die mittelalterliche Legende der Blutbeschuldigungen zurück, die unterstellte, dass Juden geheime Versammlungen auf internationaler Ebene abhielten, auf denen sie beschlössen, wo und wann das nächste Kindesopfer stattfinden solle.
Die Bilder vom mittelalterlichen Wucherer und dem habgierigen Verräter Judas lebten ebenfalls in den Hasstiraden und Karikaturen der Nazis weiter.

Hyam Maccoby, als prominentester Vertreter der Historikerschule „Sicht auf den Juden Jesus“ belegt die Kontinuität zwischen dem mittelalterlichen religiösen und dem modernen „rassistischen“ Antisemitismus.

In Anbetracht all dessen stellt sich die Frage, ob die im Grundgesetz vorgesehene weltanschauliche Neutralitätspflicht des Staates – eine klare Trennung von Staat und Kirche – nicht endlich umgesetzt werden sollte. Dabei könnte u. a. der staatliche Religionsunterricht durch eine vergleichende Religionskunde abgelöst werden, mit der Konsequenz, dass irrationale und schädliche Dogmen und Mythen – die Wurzeln des Antisemitismus – neutralisiert würden.

Der Autor ist Herausgeber des Werkes von Hyam Maccoby beim Verlag Hentrich & Hentrich.
Fragt man sich doch überhaupt, warum der Herr nur seinen Jüngern erschien und nicht auch seinen Anklägern und Richtern, vor denen er den Glauben an seine Auferstehung ja viel wirksamer hätte begründen können.
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Re: Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

Ungelesener Beitrag von Christel »

Viele dieser Fragen stellen sich nur, wenn man das Neue Testament als einen einheitlichen literarischen Text ansieht.

Sieht man das Neue Testament als eine Zusammenstellung von „Textschnippseln“, die zudem von unterschiedlichen Verfassern stammen und nicht als einen einheitlichen Text, dann stellen sich diese Fragen nicht.

Bedenkt man, dass darin von unterschiedlichen Personen erzählt wird, mit ihrer eigenen Lebensgeschichte, ihrem eigenen Charakter, dann stellen sich diese Fragen noch weniger.
Im Neuen Testament spricht die christliche Gemeinschaft.

Ich kommentiere mal die Fragen, die Atheisius aus der Berliner Zeitung zitiert ein wenig:
Atheisius hat geschrieben: Freitag 24. Dezember 2021, 18:13 Die Pharisäer zum Beispiel, die Autoritäten und geistigen Anführer der Bevölkerung Judäas, werden im Neuen Testament verächtlich gemacht, als Heuchler dargestellt, mit denen Jesus angeblich in Konflikt geraten sei. Andererseits kokettiert Paulus förmlich damit, ein Pharisäer gewesen zu sein, um sich beim Missionieren Autorität zu verschaffen. Jesus lässt sich von seinen Brüdern beraten, obwohl er doch mit seiner Familie gebrochen haben soll.
Dazu sagt uns Paulus selbst etwas. Der Brief des Paulus an die Philipper aus dem ich zitiere, gilt in der Forschung übereinstimmend als echter Paulusbrief.
Wenn ein anderer meint, er könne auf irdische Vorzüge vertrauen, so könnte ich es noch mehr. Ich wurde am achten Tag beschnitten, bin aus Israels Geschlecht, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, nach dem Gesetz ein Pharisäer;
ich verfolgte voll Eifer die Kirche und war untadelig gemessen an der Gerechtigkeit, die im Gesetz gefordert ist.

Doch was mir ein Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust gehalten. Ja noch mehr: Ich halte dafür, dass alles Verlust ist, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles überragt. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm erfunden zu werden. (Philipper 3,4-9)
Der Text erklärt alles. Paulus war Pharisäer und von diesem Standpunkt aus hielt er die Lehre Jesu für falsch. Deshalb verfolgte er die Anhänger Jesu.
Sein eigenes Bekehrungserlebnis änderte das!
Daher ist davon auszugehen, dass Jesus tatsächlich mit den Pharisäern aneckte. Eben so wie mit Paulus.
Atheisius hat geschrieben: Freitag 24. Dezember 2021, 18:13 In der Barabbas-Episode fordern die Juden die Kreuzigung Jesu. Weshalb wurde er dann kurz vorher von der Jerusalemer Bevölkerung frenetisch bejubelt?
Es war ganz sicher nicht die gesamte Jerusalemer Bevölkerung. Jesus hatte Anhänger und Gegner.
Atheisius hat geschrieben: Freitag 24. Dezember 2021, 18:13 Weshalb gibt es in den Paulusbriefen – vor dem Jüdischen Krieg geschrieben – noch keinen Verräter Judas Ischariot, der in den Evangelien – danach geschrieben – eine so prominente Rolle einnimmt?
Paulus hat nie eine Geschichte Jesus verfasst. Er hat auch nicht aufgeschrieben, was er selbst gepredigt hat. Erhalten sind uns Briefe, die der Apostel Paulus vor allem schrieb, um Fragen und Schwierigkeiten in den Gemeinden zu begegnen. Es sind Anlassschreiben.
Eine Art "Kirchengeschichte" des Anfangs ist uns nur mit der Apostelgeschichte des Lukas überliefert.
Atheisius hat geschrieben: Freitag 24. Dezember 2021, 18:13Weshalb treten die Römer im Neuen Testament kaum auf, obwohl sie doch historisch unbestritten Judäa unter grausamer Besatzung hielten? Das ist so, als würde man bei einer Geschichte des besetzten Frankreichs die deutsche Besatzungsmacht vergessen.
Weil das Neue Testament kein Geschichtswerk ist!
Es geht darin immer nur um diesen Jesus und um den „neuen Weg“ aufgrund des Glaubens an Jesus Christus. Es sind die Texte der christlichen Gemeinden.

Außerdem gab es viele gute Gründe sich nicht mit der Besatzungsmacht anzulegen.
Durch die Rückverfolgung dieser Widersprüche rekonstruiert Maccoby die historischen Ereignisse, soweit es die Quellenlage zulässt.
So funktioniert es aber nicht!
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Re: Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

Ungelesener Beitrag von Christel »

Ich bleibe bei der Bibel und den Zitaten von Atheisius aus der Berliner Zeitung:
Atheisius hat geschrieben: Freitag 24. Dezember 2021, 18:13 Es war das Verdienst der „Tübinger Schule“, einen Bruch zwischen der „Urkirche“ und der christlich-paulinischen Kirche aufgedeckt zu haben, der durch die Evangelien verschleiert werden sollte.
Bezüglich der „Tübinger Schule“ musste ich erst einmal nachlesen.
Es scheint sich um eine Anspielung auf diese Thesen evangelischen Theologen Ferdinand Christian Baur zu handeln, der die „Tübinger Schule“ gegründet hat:
Mit Vorliebe wandte er sich der Urgeschichte des Christentums zu. Er widersprach der Überzeugung, dass im apostolischen Zeitalter nur Frieden und Einheit geherrscht hätten, und suchte den Kampf zweier einander entgegengesetzter Richtungen nachzuweisen, eines jüdisch-gesetzlichen Messiasglaubens und des von Paulus eingeführten Prinzips der gesetzesfreien Weltreligion. https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Christian_Baur
Liest man die Briefe des Apostels Paulus, vor allem den Galaterbrief, sowie die Apostelgeschichte, dann sieht man, dass es Konflikte innerhalb der „Urkirche“ gab.

Wieso die Evangelien versucht haben sollten dies zu verschleiern ist mir unklar. Ich gehe davon aus, dass derjenige, der diese These aufgestellt hat, meinte auf diese Weise die Evangelien für unwahr/unrichtig erklären zu können. Anscheinend widersprechen sie seinen eigenen Thesen.
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Re: Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

Ungelesener Beitrag von Atheisius »

Der Artikel in der Berliner Zeitung bezieht sich auf das Buch von Hyam Maccoby: „Der Mythenschmied – Paulus und die Erfindung des Christentums“

Es heißt hier:
Durch den Jüdischen Krieg erlitten die Juden eine katastrophale Niederlage, die im Laufe der folgenden Jahrzehnte auch zur Auflösung der jüdischen Jesusbewegung führte.

Aber die paulinische Jesusbewegung – das Christentum – mit dem neuen Konzept eines vergöttlichten Jesus und dem neuen Zentrum in Rom triumphierte, sah in der jüdischen Niederlage eine Bestrafung derer, die Jesus nicht als Gründer einer neuen Religion, eines „Neuen Bundes“, akzeptieren wollten.

Erst nach der Zerstörung des Tempels (70 n.u.Z) wurden die Evangelien geschrieben, die dem christlichen Antisemitismus, der bei Paulus beginnt, eine neue Dimension verleihen und „die Juden“ direkt für Jesu‘ Tod verantwortlich machen.

Durch die Schriften der Kirchenväter der Spätantike, wie der heilige Origenes, Augustinus („Contra Judaeos“) und Chrysostomos, dessen antijüdische Hetztiraden nur noch von denen Hitlers übertroffen wurden, wurde das zunehmend christianisierte Europa weiter indoktriniert. Was lange Zeit religiöse Phantasie der Christen war – der Mythos vom jüdischen Übel - wurde durch die zunehmende Macht der Kirche ab dem 11. Jahrhundert soziale Realität.
Wenn in dem Artikel steht:
„Es war das Verdienst der „Tübinger Schule“, einen Bruch zwischen der „Urkirche“ und der christlich-paulinischen Kirche aufgedeckt zu haben, der durch die Evangelien verschleiert werden sollte.“

bezieht sich dies darauf.
Fragt man sich doch überhaupt, warum der Herr nur seinen Jüngern erschien und nicht auch seinen Anklägern und Richtern, vor denen er den Glauben an seine Auferstehung ja viel wirksamer hätte begründen können.
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Re: Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

Ungelesener Beitrag von Christel »

Ich denke nicht, dass man so weit gehen kann, um von zwei Jesusbewegungen zu sprechen. Außerdem war auch Paulus Jude.

Es gab Konflikte, dies wird vom Neuen Testament bezeugt. Daher ging Paulus nach Jerusalem um den Aposteln seine Lehre darzulegen. Das Treffen war das Apostelkonzil im Jahr 48. Dort hat man sich geeinigt: „Und sie erkannten die mir zuteil gewordene Gnade, Jakobus und Kephas und Johannes, die als Säulen gelten, und gaben mir und Barnabas den Handschlag der Gemeinschaft, wir sollten unter den Heiden, sie aber unter den Beschnittenen predigen“ (Gal 2,9 JER).
"Doch nicht einmal mein Begleiter Titus, der Grieche ist, wurde gezwungen, sich beschneiden zu lassen." (Gal 2,3)

Nun war es nicht so, dass die Jerusalemer christliche Gemeinde in Ruhe lebte, weil sie weniger auffiel.
Über Herodes Agrippa wird gesagt, dass er zwar „nach außen hin den Regierungsstil eines orientalischen, hellenistischen Herrschers“ pflegte. Doch:
Innenpolitisch versuchte er durch strenge Ausrichtung an den jüdischen Gesetzen die einflussreichen konservativen Kreise des Judentums auf seine Seite zu bringen. Aus diesem Grund zettelte er wohl auch eine Verfolgung der jungen christlichen Gemeinde Jerusalems an, in deren Verlauf der Apostel Jakobus der Ältere (einer der beiden Söhne des Zebedäus) ermordet wurde und Simon Petrus in Gefangenschaft geriet. https://de.wikipedia.org/wiki/Herodes_Agrippa_I.
Erst als während der Verfolgung durch König Herodes Agrippa I. im Jahr 42 n. Chr. der Zebedaide Jakobus getötet wurde und Petrus aus Jerusalem floh, übernahm offenbar Jakobus die Leitung der Gemeinde. https://de.wikipedia.org/wiki/Jakobus_(Bruder_Jesu)
Es war dann wohl auch eine Gruppe um Jakobus, die entgegen der Abmachungen auf dem Apostelkonzil die paulinischen christlichen Gemeinden besuchte und versuchte die Christen zur Beschneidung zu überreden. - Und dafür gab es einen ganz menschlichen Grund!
Sie hatten Angst, wollten so wenig wie möglich durch ihre Gemeinschaft auffallen.

Trotz aller Schwierigkeiten hielt Paulus an der Einheit der Kirche fest, was ihm schließlich das Leben kostete. Er veranstaltete in seinen Gemeinden eine Sammlung, die der Jerusalemer Gemeinde zugutekommen sollte. Er brachte die Kollekte selbst nach Jerusalem. Ohnedem wäre er nicht in Gefangenschaft geraten und später hingerichtet worden.
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Re: Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

Ungelesener Beitrag von Christel »

Die „Jüdische Allgemeine“ vom 15. Januar 2022 über Hyam Maccoby:
Anstelle des Verräters aus der Legende, so Maccoby, war der tatsächliche Judas ein Bruder Jesu und dessen Mitstreiter im Freiheitskampf gegen die Römer, den man in der Bewegung sogar als Prinz aus dem Hause Davids ansah.

Maccobys Spekulationen fußen auf allzu dünner historischer Beweislage und fanden unter Spezialisten wenig Anklang.
https://www.juedische-allgemeine.de/rel ... es-mythos/
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Re: Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

Ungelesener Beitrag von Christel »

Hyam Maccoby sieht in Jesus einen jüdischen Freiheitskämpfer gegen die Römer!

Wie kommt er dazu??? Ist die Tatsache seiner Kreuzigung, die auch außerbiblisch belegt ist, eine hinreichende Begründung? Wieso sollte die römische Besatzung sich in diesem Fall nur Jesus herausgefischt seine Anhänger (Streitmacht) aber in Ruhe gelassen haben?

Man sollte meinen, dass ein Forscher seine eigenen Thesen anhand historischer Dokumente überprüft! Hyam Maccoby macht das nicht. Er stellt seine eigenen Spekulationen über die historischen Dokumente.

Das Neue Testament ist ein historisches Dokument und zwar das einzige indem wir näheres über Jesus, Paulus und Judas erfahren können.

Innerhalb der historische-kritischen Forschung hat sich bezüglich der einzelnen Texte des Neuen Testaments ein Konsens herausgebildet.

Ich bin erstaunt, dass dieser Konsens der Forschung ignoriert wird und man stattdessen lieber den Spekulationen eines Herrn Specht oder Maccoby Glauben schenkt.
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Re: Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

Ungelesener Beitrag von Atheisius »

Das Neue Testament ist ein historisches Dokument und zwar das einzige indem wir näheres über Jesus, Paulus und Judas erfahren können.
Ich sehe das nicht so. Das Neue Testament ist zwar ein historisches Dokument, dort steht aber nur das drin, was die Mitglieder der neuen paulinischen Christusbewegung glauben sollten. Über den Menschen Jesus steht so gut wie nichts darin. Nur über den von Paulus geschaffenen (erfundenen) Christus.

Was Maccoby in seinem Buch schreibt, ist gar nicht so unsinnig. Unter dem Link

https://www.juedische-allgemeine.de/rel ... es-mythos/

lese ich weiter:
Der wichtigste Beitrag des Buches ist die akribische historische Nachzeichnung der Fabel, von den Paulusbriefen und den Evangelien über die mittelalterlichen Passionsspiele und die Fresken Giottos bis zu Shakespeares Stücken. Mithin stellt Maccoby anschaulich dar, was Hans Blumenberg die »Arbeit am Mythos« nannte. Blumenberg sah einen geistesgeschichtlichen Gegensatz zwischen dem wandlungsfähigen Mythos und dem starren christlichen Dogma. Maccoby legt überzeugend dar, wie die Judaslegende eine Brücke zwischen Mythos und Dogma schlug.
Über das Ziel hinaus schießt er in seinem Bemühen, den historischen Judas zu rekonstruieren.
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Re: Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

Ungelesener Beitrag von Christel »

Das ist eine Behauptung von Hyam Maccoby:
Atheisius hat geschrieben: Montag 17. Januar 2022, 11:41Ich sehe das nicht so. Das Neue Testament ist zwar ein historisches Dokument, dort steht aber nur das drin, was die Mitglieder der neuen paulinischen Christusbewegung glauben sollten. Über den Menschen Jesus steht so gut wie nichts darin. Nur über den von Paulus geschaffenen (erfundenen) Christus.
Du kannst diese Behauptung nicht als Beweis nehmen. Umgekehrt diese Behauptung muss belegt werden. Doch dafür gibt es keine Belege.

Atheisius Du weißt sehr genau, dass die außerbiblischen Zeugnisse über diese Personen dünn sind.
Erklärt man die vorhanden historischen Zeugnisse für ungültig, dann lässt sich alles behaupten. Nur bleiben diese Behauptungen ohne Beleg/Beweis.
Zum anderen gibt es sehr wohl einen Stand der historischen wissenschaftlichen Forschung. Dieser widerspricht solchen Spekulationen.

Nun ist klar, dass Geschichten weitererzählt werden und sich mit der Zeit verändern. Aber solche Veränderungen bedürfen nun mal der Zeit:
Paulus ist wahrscheinlich im Jahr 60, spätestens im Jahr 64 in Rom hingerichtet worden. Das bedeutet bereits 30 Jahre nach Jesu Hinrichtung lebte auch Paulus nicht mehr. Das ist eine kurze Zeitspanne.

Paulus selbst hielt Zeit Lebens an der Einheit von Judenchristen und Heidenchristen fest. Das zeigt nicht nur seine Kollekte, man kann es auch in seinem Brief an die Römer nachlesen.

Außerdem, es gab nicht nur die Gemeinde von Jerusalem und paulinische Gemeinden. Es gab auch anderswo Christen ohne Zutun von Paulus zum Beispiel in Damaskus und in Rom.
Das hängt damit zusammen, dass es damals schon ein weit verbreitetes Judentum außerhalb Israels gab. Das war auch der Grund der Entstehung der Septuaginta. Diese Juden kamen zum Tempel nach Jerusalem und kehrten von dort mit der Botschaft von Jesu in ihre Heimat und die dortigen Synagogen zurück.

Im Jahr 70 war es mit dem Judenchristentum keineswegs zu Ende:
Als Judenchristen werden antike Juden bezeichnet, die an Jesus von Nazaret als den menschlichen jüdischen Maschiach glaubten. Bis etwa 100 n. Chr. stellten Judenchristen die Mehrheit des Urchristentums, deren Nachkommen bis 400 n. Chr. zu christlichen Minderheiten mit judaisierenden Tendenzen wurden. https://de.wikipedia.org/wiki/Judenchristen
Da waren die Evangelien schon fertig!
Und selbst in dem zumeist spät datierten Johannesevangelium sind die Heidenchristen die anderen Schafe, die nicht aus dem „Stall“ Israels stammen und der Herde hinzugefügt werden. Hier spricht Jesus, vergleiche Psalm 23:
Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,
wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.

Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. (Johannes 10, 14-16)
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Re: Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

Ungelesener Beitrag von Atheisius »

Ich sehe das nicht so. Das Neue Testament ist zwar ein historisches Dokument, dort steht aber nur das drin, was die Mitglieder der neuen paulinischen Christusbewegung glauben sollten. Über den Menschen Jesus steht so gut wie nichts darin. Nur über den von Paulus geschaffenen (erfundenen) Christus.
Das ist keine Behauptung von Maccoby, sondern eine Aussage von mir. Begründet wird das durch die historisch-kritische Methode in der Bibelforschung. Christliche Theologen sehen das auch so.
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Re: Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

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Atheisius hat geschrieben: Montag 17. Januar 2022, 19:26 Begründet wird das durch die historisch-kritische Methode in der Bibelforschung. Christliche Theologen sehen das auch so.
Das ist nicht wahr!!!

Ich bezweifle sehr, dass Du den Stand der historisch-kritischen Forschung überhaupt kennst.
Jedenfalls berufst Du Dich mit Specht und Maccoby auf Außenseiter, deren Aussagen im Widerspruch zum Neuen Testament stehen und zum Konsens innerhalb der historisch-kritischen Forschung.

Wenn Du schon nicht mir glaubst, wieso glaubst Du nicht wenigstens dieser Zeitung?
Die "Jüdische Allgemeine" hat keinen Grund den christlichen Glauben zu vereidigen.
Christel hat geschrieben: Samstag 15. Januar 2022, 17:12 Die „Jüdische Allgemeine“ vom 15. Januar 2022 über Hyam Maccoby:
Anstelle des Verräters aus der Legende, so Maccoby, war der tatsächliche Judas ein Bruder Jesu und dessen Mitstreiter im Freiheitskampf gegen die Römer, den man in der Bewegung sogar als Prinz aus dem Hause Davids ansah.

Maccobys Spekulationen fußen auf allzu dünner historischer Beweislage und fanden unter Spezialisten wenig Anklang.
https://www.juedische-allgemeine.de/rel ... es-mythos/
„Jesus Christus, der Auferstandene, das bedeutet, dass Gott aus Liebe und Allmacht dem Tod ein Ende macht und eine neue Schöpfung ins Leben ruft, neues Leben schenkt.“ Dietrich Bonhoeffer (Das Wunder der Osterbotschaft)
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Atheisius
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Re: Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

Ungelesener Beitrag von Atheisius »

Ich bezweifle sehr, dass Du den Stand der historisch-kritischen Forschung überhaupt kennst.
Das kannst du ruhig bezweifeln
Jedenfalls berufst Du Dich mit Specht und Maccoby auf Außenseiter, deren Aussagen im Widerspruch zum Neuen Testament stehen und zum Konsens innerhalb der historisch-kritischen Forschung.
Es wäre auch sehr seltsam, wenn deren Aussagen nicht im Widerspruch zum Inhalt des Neuen Testaments stehen würden.

Ich berufe mich außerdem noch auf Czermak, Schulz, Heinsohn, Augstein, Lüdemann, Hitchen, Dawson, Onfray, Deschner, de Rosa, Schmidt-Salomon Kubitza u.a. Die kannst du beim nächsten Mal alle mit aufzählen :lol: .

Mit deiner Bibelgläubigkeit unterscheidest du dich nicht wesentlich von den Evangelikalen.

Evangelikale machen eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus zur Grundlage ihres Christentums; persönliche Willensentscheidungen wie auch individuelle Erweckungs- und Bekehrungserlebnisse sind für eine solche Beziehung von Bedeutung. Zentral ist ebenso die Berufung auf die (zumeist als irrtumsfrei und unumstößlich angesehene) Autorität der Bibel.
Fragt man sich doch überhaupt, warum der Herr nur seinen Jüngern erschien und nicht auch seinen Anklägern und Richtern, vor denen er den Glauben an seine Auferstehung ja viel wirksamer hätte begründen können.
(Karlheinz Deschner)
Christel
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Re: Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

Ungelesener Beitrag von Christel »

Mal ganz abgesehen von der Truppe bei der Du mal reingeschaut hast, die sich auch evangelikal nennt, es aber meines Erachtens nicht ist, sind die Evangelikalen gar nicht so schlecht zumindest was die Grundlagen des Christentums betrifft. Im Gegensatz zu den Zeugen Jehovas wissen sie wenigstens was Christsein ist.
„Jesus Christus, der Auferstandene, das bedeutet, dass Gott aus Liebe und Allmacht dem Tod ein Ende macht und eine neue Schöpfung ins Leben ruft, neues Leben schenkt.“ Dietrich Bonhoeffer (Das Wunder der Osterbotschaft)
Christel
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Re: Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

Ungelesener Beitrag von Christel »

Hyam Maccoby behauptet u.a.:
Dieses Gebräu begann im Kopfe des Paulus zu gären und vermischte sich mit dem Konzept des – ebenfalls hellenistischen – Gnostizismus, bei welcher ein außerweltlicher Erlöser vom Himmel herabsteigt, um eine böse Welt vom Demiurgen und dessen falscher Lehre zu befreien, indem er wenigen Auserwählten das Wissen, die wahre Erkenntnis, die „Gnosis“ bringt. Der Demiurg wird dabei mit dem hebräischen Gott, die Thora mit dem unvollkommenen Gesetz, einer Art Täuschung, gleichgesetzt. Der wahre, höchste Gott würde seinen Sohn herabschicken, um den jüdischen Gott zu stürzen und auserwählte Seelen für das ewige Leben retten. http://alt.juedischerundschau.de/hyam-m ... 135910768/
Nun wendet sich aber Paulus oder wie man heute annimmt, spätere Verfasser unter Berufung auf Paulus gegen diese Gnosis. Vergleiche 1. Timotheus 4,1-11:
Der Geist aber sagt ausdrücklich: In späteren Zeiten werden manche vom Glauben abfallen; sie werden sich betrügerischen Geistern und den Lehren von Dämonen zuwenden, getäuscht von heuchlerischen Lügnern, deren Gewissen gebrandmarkt ist. Sie verbieten die Heirat und fordern den Verzicht auf bestimmte Speisen, die Gott doch dazu geschaffen hat, dass die, die zum Glauben und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangt sind, sie mit Danksagung zu sich nehmen. Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut und nichts ist verwerflich, wenn es mit Dank genossen wird; es wird geheiligt durch Gottes Wort und durch das Gebet. Dies trage den Brüdern vor, dann wirst du ein guter Diener Christi Jesu sein, erzogen in den Worten des Glaubens und der guten Lehre, der du gefolgt bist. Gottlose Altweiberfabeln weise zurück! Übe dich in der Frömmigkeit! Denn körperliche Übung nützt nur wenig, die Frömmigkeit aber ist nützlich zu allem: Ihr ist das gegenwärtige und das zukünftige Leben verheißen. Dieses Wort ist glaubwürdig und wert, dass man es beherzigt. Dafür arbeiten und kämpfen wir, denn wir haben unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt, den Retter aller Menschen, besonders der Gläubigen. Das sollst du anordnen und lehren.
https://www.bibelwerk.shop/einheitsuebersetzung
Was ist ein Demiurg?
n der römischen Kaiserzeit griffen gnostisch orientierte Schriftsteller die Vorstellung eines als Demiurg tätigen Gottes auf, deuteten sie aber radikal um. Sie verwarfen die Überzeugung der Platoniker und der christlichen Großkirche, dass der Demiurg ausschließlich gut sei und nur das Bestmögliche wolle und erschaffe. Nach ihrer Meinung zwingt die Mangelhaftigkeit der mit Übeln behafteten Schöpfung zur Folgerung, dass der Schöpfer selbst charakterlich unvollkommen sei. Daher unterschieden sie zwischen zwei Göttern: einem ethisch fragwürdigen, unwissenden oder gar ‚bösartigen Demiurgen‘ als Schöpfer und Herrn der bestehenden schlechten Welt und einem absolut guten Gott, der aus irdischer Sicht als Fremdling erscheine.
https://de.wikipedia.org/wiki/Demiurg
Paulus ging nie von zwei Göttern aus!
Er unterschied niemals den Schöpfergott der Juden vom Gott, der seinen Sohn sandte.
Richtig benennt Maccoby, was Gnosis ist. Aber das ist nicht Paulus.
Für das, was sich Hyam Maccoby über Paulus aus dem Fingern saugt gibt es keinerlei Beleg, weder biblisch noch außer biblisch. Es steht im Widerspruch zum Forschungsstand. Gerade Paulus ist sehr gut erforscht.

Es gibt einen Konsens in der historisch-kritischen Forschung, selbst die kritischen Forscher sehen sieben Briefe als echte Paulusbriefe an. Diese Briefe belegen, dass Maccoby irrt.
Im Übrigen hat die Kirche immer am Gott Israels festgehalten und am Alten Testament (der Heiligen Schrift des Judentums).

Was Hyam Maccoby hier unterstellt ist kein Inhalt des Christentums:
Der wahre, höchste Gott würde seinen Sohn herabschicken, um den jüdischen Gott zu stürzen und auserwählte Seelen für das ewige Leben retten. http://alt.juedischerundschau.de/hyam-m ... 135910768/
Die katholische Kirche hat den Gnostizismus immer als Irrlehre bekämpft.


Der jüdisch-christliche Dialog scheint doch sehr wichtig zu sein. Es gibt Vorurteile und Fehlurteile auf beiden Seiten.
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Christel
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Re: Der Jude Jesus und die Wurzeln des christlichen Antisemitismus

Ungelesener Beitrag von Christel »

Übrigens:
Atheisius hat geschrieben: Mittwoch 19. Januar 2022, 08:09 Ich berufe mich außerdem noch auf Czermak, Schulz, Heinsohn, Augstein, Lüdemann, Hitchen, Dawson, Onfray, Deschner, de Rosa, Schmidt-Salomon Kubitza u.a. Die kannst du beim nächsten Mal alle mit aufzählen :lol: .
Mit deiner Bibelgläubigkeit unterscheidest du dich nicht wesentlich von den Evangelikalen.
Mal davon abgesehen, dass viele von denen keine Theologen oder Forscher sind, ihnen die entsprechende Qualifikation fehlt und sie daher nicht für den Forschungsstand stehen und Du Dich somit bezüglich des Konsens der historisch-kritischen Forschung gar nicht auf diese Personen berufen kannst…

Ich bezweifle sehr, dass sie den Thesen von Hyam Maccoby folgen. Die Behauptungen sind einfach zu absurd.
Auf Lüdemann kannst Du Dich auf keinen Fall berufen. Das weiß ich!


Die Bibel ist ein historisches Dokument, die abweichende Meinung muss belegt werden! Historisch-kritische Forscher machen das.

Gegen die Thesen von Maccoby steht die Bibel, die historisch anerkannten eigenen Briefe von Paulus, die Kirchengeschichte, der aktuelle Glaube der Kirche… einfach alles.

Wenn Du lieber an Verschwörungstheorien glaubst, dann ist das Deine Sache.
Aber wenn Du behauptest, dies sei der Stand der historisch-kritischen Forschung, dann ist das eine glatte Lüge.

Das weiß ich, da ich entgegen Deinen Behauptungen nämlich keine fundamentalistische Katholikin bin, die Bibel nicht so wie die Evangelikalen auslege und mich an historisch-kritischer Forschung orientiere. Also im Gegensatz zu Dir den tatsächlichen Stand kenne.
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