Heiden feiern Weihnachten

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Heinrich5

Heiden feiern Weihnachten

Ungelesener Beitrag von Heinrich5 » Dienstag 23. Dezember 2008, 17:07

Unsere Vorfahren, die Germanen, bezeichnen wir heute als Heiden. Ihre religiösen Vorstellungen und Gebräuche bezeichnen wir als das Heidentum. In neuerer Zeit lebt dieses alte Heidentum wieder auf.
Die Anhänger der germanischen Religion nennen sich heute ganz offiziell wieder Heiden und empfinden das nicht als abwertend.

Wie feiern diese denn Weihnachten?

In Süddeutschland (Alpenraum) in Österreich und in der Schweiz, üben auch heute noch Christen die alten germanischen, heidnischen Bräuche aus. Moderne Heiden fangen heute an, diese Bräuche in ihren Familien wieder aufleben zu lassen.

Die christliche Kirche hat erst im Jahre 354 den Geburtstag Jesu auf das Fest der wiedergeborenen Sonne (in Rom das Mithrasfest) gelegt. Hier wurde der Vergleich zwischen dem Gottessohn und der sol invictus gezogen. Erst die Synode von Mainz im Jahre 813 schrieb die christliche Geburtsfeier für den deutschen Raum an Stelle des Festes der Sonnenwende vor (und der letzte Tag des Jahres wurde nach dem Papst Sylvester benannt).

Das Fest der Sonnenwende nannten unsere Ahnen auch Wintersonnenwende / Mittwinter - Rauhnächte / Losnächte (Weihenächte / Weihnachten)

Es wurde begangen am 21./22. Julmond (Dezember) bis 1./2. Hartung (Neujahr); historisch begann das Julfest später, so um den 14. Hartung (Januar).
Das Julfest dauert 12 Nächte, diese Zeit wird entsprechend auch Zwölfnächte ("die Zwölften") genannt. Über den Termin ist viel diskutiert worden. Da meist Wert auf den 6. Hartung gelegt wird (christliches Dreikönigsfest / heidnischer Perchtentag - Tag der Frau Holle), lassen auch manche Heiden (die gibt es auch heute noch) das Fest erst am 25. Julmond beginnen (also mit der "heiligen Nacht" vom 24.12. auf den 25.12.), so daß sie aber 13 Nächte erhalten.

Manche Heiden legen den Beginn des Julfestes auf die Nacht, die dem Tag der Wintersonnenwende vorausgeht - und zwar der Wintersonnenwende in moderner Zeit, unabhängig davon, wann und vor welcher Kalenderreform die Sonnenwende in früherer Zeit begangen wurde.

Mittwinter ist der Beginn des neuen Sonnenjahres, nun werden die Tage wieder länger und die Sonne wird bald wieder mehr "Kraft" haben. Die Zahl 12 hat damit zu tun, daß das Mondjahr mit 354 Tagen eben diese zwölf Tage kürzer ist als das Sonnenjahr. Zum Ausgleich mussten Tage dazwischen geschaltet werden. Deshalb spricht man auch von der Zeit zwischen den Jahren, einer Zeit, die nicht so richtig zum Jahreslauf dazugehört und mit der man deshalb allerlei magisches verbindet.

Die Nacht vor der Wintersonnenwende, also meist vom 19. auf den 20. Julmond Dezember), wird auch als Mütternacht (modraneht) bezeichnet. Die Mütter, das sind weibliche Ahnen, auch Disen genannt.

Träume in dieser Nacht sollen prophetische Qualität haben. Diese Nacht bzw. der Tag vor dem Julfest sind der Frigg geweiht. Nach dieser Rechnung endet das Julfest am 1. Hartung.
Der 2. Hartung ist wiederum ein Friggatag, der Tag, an dem die Hausarbeit, die während der Zwölfnächte ruhte, wieder beginnt. Man sieht, daß Frigg (die auch mit Frau Holle / der Berchta in Verbindung gebracht wird, s.u.) das Julfest sozusagen umrahmt, was auf den privaten, sippeninternen Charakter der Zwölfnächte hinweist. Da die Arbeit ruht, ist das Julfest eine Zeit der Einkehr und des Rückblicks auf das vergangene Jahr (Julfrieden).
Nordische Quellen lassen erkennen, daß die Julzeit um die 2 Monate dauerte und erst Mitte Hartung endete (evtl. zum Neumond dieses Monats).

Rauhnächte heißt das Fest, weil die Menschen sich vorstellen, daß in den ’rauhen Nächten’ der Julzeit der Wilde Jäger Wotan (Wode) mit seinem Totenheer durch die Lüfte zieht und Mensch und Tiere erschreckt, dafür aber den Saaten Fruchtbarkeit bringt. Jul ist eine Kombination aus Toten- und Fruchtbarkeitsfest, was man gerade an der Gestalt Wotans sieht. Es gibt eine enge Beziehung zwischen dem Wachstum der Erde und dem Wirken von Totengeistern. Es kann gefährlich sein, nachts in dieser Zeit unterwegs zu sein, viele Volksweisheiten ranken sich um des Wodes wilde Hunde und wie man ihnen und ihrem Herrn entgeht. Der Reiter kündigt sich mit Sturmbrausen, Hufgetrappel, Peitschenknallen und Hundebellen an. Es soll von Vorteil sein, sich dann flach auf den Bauch fallen zu lassen und nicht nach oben zu sehen.
Die Rauhnächte werden von manchen Heiden aber eher angesetzt, mit dem Beginn der christlichen Adventszeit. Das macht Sinn, scheinen doch "St. Martin" 11. Neblung (November) und "St. Nikolaus" 6. Julmond (Dezember) mit dem wilden Reiter, dem Schimmelreiter, etwas zu tun zu haben. Vielleicht kann man sagen, daß der dunkle, wilde Aspekt des Reiters auf den "Knecht Ruprecht" übertragen wurde.
Vielleicht wollte die christliche Kirche auch einfach dem "bösen Wode" zwei "gute" Gestalten gegenüberstellen. Ein thüringischer Kindervers spricht von "Herr Wude, Herr Wude, Nikolaus!". Um den Wesen, die sich laut und mit Klopfen bemerkbar machen, etwas entgegenzusetzen, ziehen die Menschen auch verkleidet und lärmend umher ("Klöpflesnächte") - eine Form sympathetischer Magie.

Manche sagen, es müsse nicht Rauhnächte sondern Rauchnächte heißen, weil Wohnhaus, Stallungen usw. mit Wacholder ausgeräuchert werden, bevor das neue Jahr beginnt.

Während die Vorjulzeit also von einem männlichen wilden Reiter dominiert ist, spricht man vielerorts in der Nachjulzeit, Anfang Hartung von der Perchta / Berchte (Berta, Frau Holle, Holda, Schimmelfrau), einer weiblichen Erscheinung, die mal gut, mal böse ist. Auch hier gibt es "Perchtenläufe", bei denen sich vor allem die Jugendlichen verkleiden und lärmend durch die Gegend ziehen. Im Gegensatz zu den "Klöpflesnächten" scheint hier ein fruchtbarkeitsmagischer Bezug gegeben zu sein. So wird manchenorts an Obstbäumen gerüttelt ("Schlafe nicht, Bäumchen, Frau Holle kommt!") oder sie werden mit einem Strohseil umbunden und dann mit einer "Lebensrute" geschlagen. Auch junge Mädchen wurden nach einem Thüringer Brauch mit einer solchen Rute geschlagen. In der Mehrzahl der Fälle scheint die Berchte aber eher gutmütig zu sein und im Haushalt nach dem Rechten zu sehen. Sie wacht aber wohl auch darüber, daß in den Zwölften nicht gearbeitet wird, und sie straft diejenigen, die gegen dieses Gebot verstoßen. In manchen Überlieferungen wird die Berchte / Holle von "Heimchen" begleitet, worunter man sich verstorbene oder ungeborene Kinderseelen vorstellt. Da mag etwas dran sein, ist es doch interessant, daß in der Vorjulzeit ein männlicher Reiter mit einem Totenheer durch die Lüfte zieht, wohingegen in der Nachjulzeit eine Frau mit einem "Kindertotenheer" umherzieht.

Losnächte heißt das Julfest, weil man glaubt, in dieser ’heiligsten Zeit des Jahres’ könne man mittels Runenweissagung (und allerlei anderen Methoden, wie z.B. dem Blei- oder Zinngießen) in die Zukunft schauen und erkunden, was das kommende Jahr bringt. Die Lose (Runen) wurden geworfen und gezogen, danach gedeutet.
Die Isa-Rune steht für die Kälte des Winters, Eihwaz bedeutet hier den Wendepunkt (des Jahres), hat aber auch mit Weissagung und Odin zu tun. Jera ist meines Erachtens hier genau richtig eingeordnet, sie steht für das Rad des Jahres (germ. ’giuli’) bzw. das Sonnenrad, das sich einmal weitergedreht hat. Jera sieht aus wie ein "Scharnier" und man kann sich vorstellen, daß diese 12 Nächte, in denen das Jahresrad stillsteht, das Jahr zusammenhalten.
Dies ist die dunkelste Zeit des Jahres, die mit unwirschem Wetter (Regen, Schnee, Kälte Stürme) einhergeht. Der mythisch gedeutete Naturvorgang dieser Zeit ist die Sonnenwende, also die längste Nacht des Jahres. Die frühen Menschen haben vermutlich geglaubt, daß die Sonne nur durch entsprechende Rituale am nächsten Morgen wieder aufgehen würde. Die Wiedergeburt des Lichtes verheißt dann die neue Fruchtbarkeit.
Was also ehrt oder feiert man? Die Sonne, als abstraktes Objekt, als Sunna, die nun wiedererstarkt, als die Lichtbringerin. Das Feuerbrauchtum symbolisiert z.B. mit den Feuerrädern den Lauf der Sonne. Man feiert das Wiedererstarken des Lichtes, das den Frühling bringen wird.
Natürlich sind Gottheiten mit dem Julfest verbunden. So allen voran Wotan (hier als Totengott, Gott der Ahnen, der wilde Jäger der Raunächte), und Freyr, der die Fruchtbarkeit im neuen Jahr sicherstellen soll.

Vor allem aber wird den Ahnen gedacht, das Julfest ist ein Fest der Sippe, der
Ahnenverehrung. Die Heiden ehren die Toten an diesem Fest in einem eher familiären Sinn (im Gegensatz zum ’Totenfest’ Winternächte). Mit dem Totengedenken korreliert die Hirschsymbolik, der Hirsch gilt als Totenbegleiter (nach Biber). Die toten Ahnen können als Alben oder Disen / Idisen vorgestellt werden, man lädt sie zu den Feiern ein, deckt am Tisch für sie, läßt ihnen Essen an der Tür stehen.
"Die Nordmänner senden in ihrer langen Winternacht Boten auf die Gipfel ihrer Berge, um die wiederkehrende Sonne zu erspähen. Dann erhebt sich ein unermeßlicher Jubel und man feiert das Fest der frohen Botschaft des Lichts."

Das eigentliche Julritual findet in der Sonnwendnacht statt, also der Nacht nach der Mütternacht. Schon seit den Winternächten brannte tief im Julleuchter eine kleine Kerze. Der Julleuchter ist ca. 20cm hoch und nach dem in Halland, Schweden, gefundenen Vorbild meist turmförmig. Auf den Seiten finden sich Symbole, meist das sechs- oder achtspeichige Jahresrad. Am Abend werden alle Lichtquellen und das Herdfeuer ausgelöscht, als einzige Lichtquelle brennt die Kerze im Julleuchter weiter. Das Haus wird dann mit Wacholder- oder Salbeirauch geräuchert. Das dient der Reinigung wie auch - nach anderer Deutung - der "Heimholung" der Ahnenseelen (Biber). Man trägt die Räucherung durchs Haus und spricht (nach einer Quelle): "Glück ins Haus! Unglück hinaus!" Kern der Feiern ist das Julfeuer (oder zumindest der Julleuchter), das als einzige Lichtquelle die ganze Nacht über brennt. Dieses Feuer besteht idealerweise aus dem "Julholz", einem speziellen Eichenholz-Block. Man hält nun ein Blot ab, ein Julritual, in dem man den Göttern für das scheidende Jahr danken und um ein neues, gutes Jahr bitten kann. Man bleibt die ganze Nacht auf, singt und feiert und hält sozusagen Wacht bis die Sonne aufgeht. Man kann die Zeit auch dazu nutzen, den Julbaum aufzustellen, das Haus mit immergrünen Pflanzen zu schmücken usw. Beim Sonnenaufgang wird vom Julfeuer das Herdfeuer (symbolisch) neu entfacht. Die Kerze des Julleuchters wird nun oben auf diesen draufgestellt als Zeichen der Wiedergeburt des Lichtes. Diese Kerze (idealerweise das Julfeuer) sollte die Zwölfnächte über Tag und Nacht brennen. Am frühen Morgen, nach der Begrüßung der Sonne, bietet sich ein üppiges Frühstück an, wobei man den Ahnen symbolisch mit den Tisch deckt. Die Asche des Julholzes wird als glücksbringend aufbewahrt. Hat man noch unverbrannte Reste des Holzes, dann bewahrt man sie ebenfalls auf und verbrennt sie im Julfeuer des nächsten Jahres. Die Asche kann auch dem Vieh unter das Futter gemischt werden. Wer nicht im eigenen Haushalt feiert, nimmt vom neuen Herdfeuer eine Fackel (Kerze in Laterne) mit nach Hause. Daraus kann man einen richtigen Fackellauf machen.
Feuerbräuche begleiten beiden Sonnenwenden: Brennende Räder werden Hügel hinabgerollt, große Feuer werden auf Hügeln entzündet (s.a. "Martinsfeuer").

An den weiteren Abenden der Zwölfnächte wird ebenfalls zu Feiern zusammengekommen und es werden auch die sogenannten Juleide geschworen (also das heidnische Pendant zu den guten Vorsätzen von Silvester) und darauf der Julbecher getrunken. Man beschenkt sich (Julklapp).

Weiterhin gibt es die Tradition, den "Drei Schwestern / Mägden", den "Heiligen Schwestern" oder "Saligen Fräulein" abends eine Opferschale zu füllen und über Nacht stehen zu lassen. Noch im 11. Jahrhundert war dieser Brauch der christlichen Kirche ein Dorn im Auge: "Hast du, wie manche Weiber es zu gewissen Zeiten zu tun pflegen, zu Hause einen Tisch aufgestellt mit Speis und Trank, damit jene drei Schwestern, die man in alten, törichten Zeiten Nornen nannte, kämen und davon genössen?" (Bischof Burchard von Worms)
Ein anderer Brauch sind lärmende Umzüge, um die Winterdämonen einzuschüchtern oder - nach anderer Deutung - die Natur wieder zu erwecken, damit im Frühjahr wieder alles grünt. Das lebt weiter in der heutigen Silversterknallerei.
In den Zwölfnächten soll man nicht arbeiten, da das Unglück bringen kann. Da das Rad des Jahres in diesen Nächten still steht, sollen bis zum Friggatag insbesondere solche Tätigkeiten nicht ausgeführt werden, bei denen sich Räder drehen (spinnen ...).
Geschmückte Bäume (oder Eiben- / Wacholderzweige) gehören ebenfalls zur Jultradition, so unser "Weihnachtsbaum" (hinter dem Schmücken steckt die Vermutung, daß früher Opfergaben in die Bäume gehängt wurden). Die Wahl eines immergrünen Baumes symbolisiert die Hoffnung auf das Neuerwachen des Lichtes.

Die aufgestellte Tanne ist erst in jüngster Zeit zum Brauch geworden, aber das Symbol des immergrünen Baumes dürfte auch die heidnischen Germanen dazu inspiriert haben, ihn in die Feiergestaltung einzubeziehen. Auch Mai- oder Mittsommerbaum haben heidnisches Brauchtum als Ursprung. Ebenfalls zu dieser Tradition im weiteren Sinne gehören die Lichterbögen oder auch Weihnachtspyramiden, die z.B. aus dem Erzgebirge stammen.

"Der ’Osservatore Romano’, das amtliche Blatt des Vatikan, sprach noch 1935 von der ’heidnischen Mode des Weihnachtsbaumes, eines Überbleibsels alter Naturgebräuche’, und trat für die Abschaffung des nordischen Brauches ein."

In früheren Zeiten wurde dem Vieh die letzte geschnittene Korngabe gegeben, die man von der Ernte dafür aufgehoben hatte.
In der Julzeit spielen Äpfel und Nüsse, traditionelle Fruchtbarkeitssymbole, eine große Rolle. Das traditionelle Julgericht ist Wildschwein, alternativ wird heute z.B. auch Julkuchen in "Schweineform" gebacken. Der Juleber (zu EhrenFreyrs) wurde früher laut Gulathingsgesetz mit der Bitte um ein gutes Jahr und Frieden geopfert.
Ein weiteres traditionelles Mahl ist Pferdefleisch, da man früher Pferde demFreyr, aber auch Wotan / Odin opferte.

Generell ist Jul die Zeit des Gebäckes ("Weihnachtsplätzchen") und es wird viel mit Honig als Zutat gebacken. Traditionelle Formen sind: Pferd oder Wilder Reiter, Hase, Storch, Schwan, Hirsch, Fisch, Radkreuz / Sonnenrad, Sterne, Schiff, Juleber, Hahn (der die wiedergeborene Sonne als erster begrüßt), Mann und Frau am Lebensbaum, ein Wickelkind.
Auch mit diesem Backwerk hatte die christliche Kirche so ihre Probleme. Der "Heilige Eligius" (588 - 659) verordnete: "Niemand soll zu Anfang Januar verruchte oder lächerliche Vetteln oder Hirschlein oder andere Teigfiguren oder Liebessymbole backen."


Germanisches Weihnachtslied:

"Rauch von Holz und Harz liegt in der Luft
ich atme ein den verlockenden Duft
Yulezeit ist da, Yulezeit ist da

Im tiefsten Winter, so einsam die Nacht
die Sonne wendet und Balder erwacht
Stellt das Sonnenrad auf, stellt das Sonnenrad auf

Der Tannenbaum in seiner Pracht
Der Yuleast lodert hell durch die Nacht
Stimmungsvolle Ruh, stimmungsvolle Ruh

Das Licht am Himmel die Hoffnung bringt
und Tor wild seinen Hammer schwingt
Kraft fürs kommende Jahr, Kraft fürs kommende Jahr

Frey und Freyas Sinnlichkeit
bringt Liebe, Lust und Fruchtbarkeit
Leben wird weitergehn, Leben wird weitergehn

Oh, Wintersonne, das Fest für Sie
Met, Korn und das Blut, unsere Gaben an Sie
Auf ewige Wiederkehr, auf ewige Wiederkehr


Joseph Hieß:

"Die Sonnwendnacht ist ein gar seltsam Ding:
es stehen viel Schemen mit uns im Ring.
Es stehen viel Tote in unseren Reih’n
und starren mit uns in die Glut hinein.
Gefallene Brüder, die einst voll Kraft
und heißem Empfinden gewirkt, geschafft.
Erschlagene, heimatvertrieben, blind,
die roh man gemeuchelt mit Weib und Kind.
Viel Tausend, die einst den Flammen nah,
stehn still nun ums Feuer und sind mit da.
Ihr könnt sie nicht sehen, ihr hört sie nicht ...
Oh, Schemen und Schatten sind viele im Ring,
und jeder von ihnen am Leben hing.
Und jeder - wie wir - einst ein Kämpfer hart
für Volkstum und Heimat und Väterart.
Denn was sie gewesen, das sind nun wir,
wir sind die Erben. - Wir stehen hier
gemeinsam mit ihnen zur Sonnwendnacht
im Ring um das Feuer und halten Wacht."


R.M. Rilke:

"Der Abend kommt von weit gegangen
durch den verschneiten leisen Tann.
Dann presst er seine Winterwangen
an alle Fenster lauschend an.
Und stille wird ein jedes Haus;
Die Alten in den Sesseln sinnen,
die Mütter sind wie Königinnen,
die Kinder wollen nicht beginnen
mit ihrem Spiel. Die Mägde spinnen
nicht mehr. Der Abend horcht nach innen,
nur innen horchen sie hinaus."

Quelle: V. Wagner http://www.asentr.eu/f_jul.htm
09.01.2010 - Christel, Moderator


Frohe Weihnachten

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Re: "Lichtkind" > "Christkind"

Ungelesener Beitrag von niels » Dienstag 23. Dezember 2008, 18:31

Danke für Deinen ausführlichen - wie es aussieht auch recht fundierten - Beitrag.

Ist es richtig, das die "Heiden" damals zu Weihnachten (also zur Wintersonnenwende) das "Lichtkind" erwarteten, was die Kirche - der Brauch war wohl schwer auszutreiben - in die Erwartung des "Christkindes" umstrickten?

Fast überall auf der Südhalbkugel kennt man übrigens keinen "heilig Abend" - in den meisten Ländern auch keinen Schnee zu der Zeit (ist ja Sommer). Gefeiert wird erst am 25.12., wobei "Weihnachten" dort meist nicht aus Geschenken sondern einem gemeinamen Mittagessen besteht, bei dem sich die ganze Familie trifft. Der 24. spielt in den betreffenden Ländern gar keine Rolle. Ich fand das ganz gut dort...

Heinrich5

Re: Heiden feiern Weihnachten

Ungelesener Beitrag von Heinrich5 » Dienstag 23. Dezember 2008, 19:48

Hallo Niels,
einige Heiden gehen davon aus, dass der Begriff „Mütternacht“ darauf hinweist, dass eine
„Große Göttin“ zu Mittwinter ein „Sonnenkind“ gebärt.
Dafür gibt es aber zu wenig Anhaltspunkte. Was die germanische Religion angeht, gibt es nur noch sehr wenig Quellen, auf welche man sich heute noch beziehen kann. Das Christentum hat sehr gründlich alle Spuren beseitigt. Im skandinavischen Raum gibt es aber noch etliche Quellen aus denen man die germanische Religion teilweise noch rekonstruieren kann.

Der Begriff „Lichtkind“ der dann später eventuell durch die Kirche durch den Begriff "Christkind" ersetzt worden wäre, taucht aber in meinen Unterlagen nicht auf.

Gruß,
Heinrich5

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Re: Heiden feiern Weihnachten

Ungelesener Beitrag von niels » Mittwoch 24. Dezember 2008, 10:18

den Begriff "Sonnenkind" habe ich im Zusammenhang mit "Lichtkind" gehört. "Übersetzungen" solcher Begriffe aus damaligen Sprachen sind ja oft mehrdeutig. Allerdings bin ich auch kein Historiker.

Soweit ich die Geschichte reflektiere, erwarteten einige Menschen mit der Wintersonnenwende das neue "Lichtkind" oder "Sonnenkind" - damit die Wiederkehr des Lichtes / der Sonne.

Leider gibt es tatsächlich wenige, feste Quellen für ehemalige "heidnische" Bräuche - es war Teil der Strategie der Kirche alle Hinweise und "Links" in derart ältere Kulturen und Bräuche gründlichst auszumerzen. Nicht umsonst hatte die Kirche über jahrhunderte quasi die Hoheit über das Wissen.

Schöne "Weihnachten" oder
Schöne Wintersonnenwende,


Niels.

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Re: Heiden feiern Weihnachten

Ungelesener Beitrag von Christel » Donnerstag 25. Dezember 2008, 19:08

Thomas Gandow ist anderer Ansicht!

Schon gelesen?

Gandow, Thomas:
Weihnachten. Glaube, Brauch und Entstehung des Christfestes.
München, Ev. Presseverband für Bayern (1993). 103 S. Kart. - (= Münchener Reihe; 658
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

Heinrich5

Re: Heiden feiern Weihnachten

Ungelesener Beitrag von Heinrich5 » Donnerstag 25. Dezember 2008, 21:24

Wer ist Thomas Gandow und welche anderen Ansichten hat er?

Es ging doch hier nicht um die Entstehung des christlichen Weihnachtsfestes, sondern um das germanische Brauchtum vor der Einführung des Christentums.

Heinrich5

Re: Heiden feiern Weihnachten

Ungelesener Beitrag von Heinrich5 » Freitag 26. Dezember 2008, 18:07

Hallo,

inzwischen weiß ich, wer Pastor Thomas Gandow ist:

http://www.alarmgermany.org/Gandow.htm

http://www.religionsfreiheit.at/rambo.htm

Gruß,
Heinrich5

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Re: Heiden feiern Weihnachten

Ungelesener Beitrag von Christel » Sonntag 28. Dezember 2008, 16:44

Lieber Heinrich, wäre es nicht besser sich mit den Thesen von Herrn Gandow auseinanderzusetzen?
Sie sind hier Thema, nicht seine Person.

Pfarrer Gandow ist eine Kapazität. Dass dies einige ärgert, kann ich nachvollziehen.
Z.B. die Scientology-Organisation. Sie sind „Besitzer“ des von Dir eingestellten Links. Siehe Ingo Heinemann: Scientology-Kritik:
Das Pseudonym "Sharky" wird vermutlich hauptsächlich von dem Scientologen Gerhard Waterkamp benutzt. Zumindest haben "Sharky" und Waterkamp für E-Mails denselben Computer benutzt.
Gerhard Waterkamp ist "Gründer und Präsident" von "Alarm - Alliance for Liberty and Rights of Minorities Germans in Exile", also "Bündnis für Freiheit und Rechte Minoritäten-Deutscher
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Re: Heiden feiern Weihnachten

Ungelesener Beitrag von niels » Sonntag 28. Dezember 2008, 17:10

...welche Thesen vertritt Herr Gandow eigentlich und was macht ihn für Scientology interessant?

Beste Grüße,

Niels.

Heinrich5

Re: Heiden feiern Weihnachten

Ungelesener Beitrag von Heinrich5 » Sonntag 28. Dezember 2008, 22:29

Hallo Christel,

Du schreibst:

......wäre es nicht besser sich mit den Thesen von Herrn Gandow auseinanderzusetzen?

Nun, das wollte ich tun. Obwohl das obengenannte Thema sich mit germanischem Brauchtum zur Wintersonnenwende befasst, wollte ich näheres über die Thesen von Gandow in "Weihnachten. Glaube, Brauch und Entstehung des Christfestes" erfahren. Bei Amazon ist das Buch nicht verfügbar, eine Kundenrezensionen ist nicht vorhanden. Schreiben Sie die erste! ist dort zu lesen. Ob und wann dieser Artikel wieder vorrätig sein wird, ist unbekannt.

Es würde mich aber auch interessieren, welche Thesen Herr Gandow zum germanischen Brauchtum der Sonnwendfeier vertritt.

Gruß,
Heinrich5

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Re: Heiden feiern Weihnachten

Ungelesener Beitrag von Christel » Freitag 2. Januar 2009, 20:21

Hallo Heinrich, auf http://www.ekbo.sekteninformation.de/5.html wird Pfr. Thomas Gandow korrekt vorgestellt. Hier findet man auch das Buch mit Link zu Amazon (doch leider dort zur Zeit nicht erhältlich).

Wenn Du unter google nach den Buch suchst findest Du andere Quellen, wo Du es für wenig Geld erhältst. Außerdem können es die Bibliotheken, sofern sie es nicht im eigenen Bestand haben über den Leihverkehr der Bibliotheken (Fernleihe) besorgen. Ich habe das Buch vor mir.

Doch bevor ich auf das Buch eingehe, eine Frage, Niels schreibt:
niels hat geschrieben:Schöne "Weihnachten" oder
Schöne Wintersonnenwende,
Wird im Eichsfeld tatsächlich Wintersonnenwende gefeiert? Kennt ihr jemanden, der es feiert?

LG Christel
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Heinrich5

Re: Heiden feiern Weihnachten

Ungelesener Beitrag von Heinrich5 » Samstag 3. Januar 2009, 10:34

Christel hat geschrieben:
Wird im Eichsfeld tatsächlich Wintersonnenwende gefeiert? Kennt ihr jemanden, der es feiert?
Es gibt sie noch die Heiden, die das Fest der Wintersonnenwende feiern:

Die Artgemeinschaft - Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e.V. ist die größte heidnische Gemeinschaft Deutschlands (dazu noch Mitglieder in anderen germanischen Völkern) mit tiefreichenden Wurzeln.Sie wurde 1951 gegründet und vereinigte sich 1965 mit der Nordischen Glaubensgemeinschaft e.V., die 1928 gegründet worden war und sich 1954 in Nordisch-religiöse Gemeinschaft umbenannt hatte. Mit den bereits 1924 gegründeten Nordungen fand 1983 die Vereinigung statt. In der Artgemeinschaft wird ferner das Gedankengut der 1913 von Ludwig Fahrenkrog gegründeten Germanischen Glaubens-Gemeinschaft (GGG) fortgeführt und weiterentwickelt, nachdem diese 1957 ihre Tätigkeit eingestellt hatte, im Vereinsregister gelöscht wurde, und die Reste ihrer aktiven Mitglieder zur Artgemeinschaft bzw. Nordisch-religiösen Gemeinschaft gekommen waren.
Die Gemeinschaft kann auf eine jahrzehntelange Erfahrung bei der Neugestaltung eines ihr gemäßen Glaubens verweisen, da sie die älteste germanisch-heidnische Glaubensgemeinschaft mit durchgängigem Wirken sind. Bei ihr findet nicht nur ein reges Gemeinschaftsleben auf den regelmäßig wiederkehrenden Gemeinschaftstagen, sondern über die „Nordische Zeitung", zwei Schriftenreihen, eine Buchreihe sowie Einzelschriften auch eine geistige Auseinandersetzung mit dem Christentum, Darstellung alter Bräuche und die Durchformung eines arteigenen Glaubens.

Weitere Informationen bei: http://www.asatru.de

Selbst durch interessierte Nichtheiden wird dieses alte Fest der Wintersonnenwende auch ganz in unserer Nähe jährlich im Opfermoor in Niederdorla begangen. Das letzte Fest fand dort am 21.12.2008 als Naturparkveranstaltung „Wintersonnenwende“ statt. Dabei wird über germanisches Brauchtum der Wintersonnenwende und über die Göttin Holla (Frau Holle) informiert. Die „Germanengruppe“ des Opfermoores erwartete ihre Gäste mit einem prasselndem Mittwinterfeuer, magischen Räucherpflanzen, aber auch mit heißem Punsch und Gegrilltem. Der Eintritt in das Gelände ist an diesem Tag immer frei.

Natürlich ist das keine „Religiöse Feier“ aber darauf kommt es doch auch nicht an, sondern um die Vermittlung von Wissen über altes germanisches Brauchtum.

Ob es im Landkreis Eichsfeld Menschen gibt, welche sich zu einer heidnischen Glaubensgemeinschaft bekennen ist mir nicht bekannt. Das wäre mir aber auch ziemlich gleichgültig.

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Re: Heiden feiern Weihnachten

Ungelesener Beitrag von Christel » Sonntag 4. Januar 2009, 17:20

Nun lieber Heinrich, ich denke auch, dass es keine „Glaubensäußerung“ ist, wenn die Leute zum Opfermoor kommen. Höchstens eine kleine Minderheit...

Ansonsten ich fragte nach den Eichsfeldern.
Heinrich5 hat geschrieben:Ob es im Landkreis Eichsfeld Menschen gibt, welche sich zu einer heidnischen Glaubensgemeinschaft bekennen ist mir nicht bekannt. Das wäre mir aber auch ziemlich gleichgültig.
Warum propagandiert Du das dann hier?

http://www.netz-gegen-nazis.de/category ... meinschaft
Die Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e.V." ist eine sektenartige, neonazistische Vereinigung. Sie mischt völkische, rassistische, antisemitische und antichristliche Ideologie-Bausteine mit neu-heidnischer Religiosität.
8O
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

Heinrich5

Re: Heiden feiern Weihnachten

Ungelesener Beitrag von Heinrich5 » Montag 5. Januar 2009, 11:10

Es gibt Menschen, Vereine und Gruppen, welche sich immer noch (manche erst jetzt wieder) für germanisches Brauchtum und die Religion unserer Vorfahren interessieren.

Die Tatsache, dass Hitler, Himmler, Goebbels u. a. die Erinnerung an das Brauchtum und die Religion unserer Vorfahren für ihre faschistische Ideologie missbraucht haben, rechtfertigt nicht, diese Menschen, welche nur Interesse an der Geschichte der Germanen haben, in eine Neo-Nazi Ecke zu stellen.

Meine Informationen zu germanischem Brauchtum habe ich (unter anderem) von der Seite http://www.asatru.de . Hier fand ich auch den Hinweis auf die „Artgemeinschaft - Germanische Glaubensgemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e.V.“

Hinweise auf Nazipropaganda und faschistische Ideologie habe ich bei Asatru.de nicht gelesen. Allerdings gebe ich zu, mich nicht vorher bei Google oder Wikipedia über weitere Hinweise zu dieser Artgemeinschaft informiert zu haben. Ich hätte diese Artgemeinschaft dann in meinem Posting nicht erwähnt.

Es gibt auch Heiden, welche nicht zu dieser Artgemeinschaft gehören und trotzdem germanisches Brauchtum in ihren Familien praktizieren und dabei weit entfernt sind von der Nazi-Szene.

Und es gibt Christen, welche sich ebenfalls dafür interessieren und alte Bräuche wieder aufleben lassen. Dazu zähle ich zum Beispiel den von mir erwähnten Verein in Niederdorla.

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Re: Heiden feiern Weihnachten

Ungelesener Beitrag von niels » Montag 5. Januar 2009, 11:38

ich bin sicher kein (Neo)Nazi - "feiere" (oder besser: "erlebe") bewusst die Wintersonnenwende (auch ohne konkretem Zusammenhang zu älteren "Glaubensformen" und "Glaubenskulturen"). ;)

Niels.

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