"Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

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"Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

Ungelesener Beitrag von niels » Samstag 23. Januar 2010, 20:57

Anbei ein Brief, der mittlerweile als Musterbrief bei der Presse kursiert (PDF-Format).

Ein Elternpaar meldet ihren Sohn der 3. Klasse vom Ethikunterricht (einer staatlichen!) ab, weil sie die stark einschlägig christlich geprägten Lehrinhalte die freie Entwicklung ihres Kindes gefährdet sehen.

Aufmerksam geworden, weil der Sohn bei einem Wissenstest über "den heiligen Nokolaus" wie "den heiligen Sankt Martin" mit "mangelhaft" bewertet wurde, wohl weil die Eltern bestimmten, das Kind müsse das nicht lernen.

Derart sensibilisiert, untersuchte man die offiziellen Lehrmaterialien und Lerninhalte des Ethikunterrichts des 3. Klässlers. Erstaunt fand man dort klare Worte: Jesus ... War der Hirte für ... Seine Schafe. Der Bischof ist der Hirte der Menschen: überlege: welche Aufgaben könnte der Bischof als Hirte haben?" uswusf. Immerhin: es handelt sich hier nicht um Acht- oder Zehntklässler, die sich - entsprechend vorgebildet - im Ethik-Unterricht mit den sozialen Einflüssen verschiedener Religionen auf die Gesellschaft beschäftigen sollen, sondern um Drittklässler denen abverlangt wird sich in das Christentum hineinzuversetzen und die christliche Lehre kennenlernen sollen (andere Glaubensformen kommen dagegen nicht oder nur am Rande vor).

Interessant finde ich auch die Argumentation über Sinn und Zweck eines Ethinunterrichtes insgesamt - da Religiöse an diesem nicht teilzunehmen haben, wird der Eindruck erweckt Nichtkonfessionelle bedürften einer "besonderen" Aus - bzw. nachbildung im ethischen Handeln und Denken. Zudem nehmen in der Regel die Eltern die Wahl des Unterrichts ab - demnach nehmen diese u.U. beschränkenden Einfluß auf die freie Entwicklung der persönlichen Weltanschauung des Kindes.

Eine staatliche Schule ist demnach noch lange kein Garant für eine auch nur halbwegs weltanschaulich / konfessionell neutrale Erziehung unserer Kinder.

Immerhin finde ich die 3. Klasse viel zu früh um Kinder an eine Entscheidung für weltanschauliche Grundfragen heranzuführen bzw. diese sogar abzufordern. Wie dort beschrieben: wir sollten den Kindern erst einmal eine fundierte, wissenschaftlich begründete Grundausbildung und Medienkompetenz verschaffen, bevor man ihnen derartige Entscheidungen abverlangt oder auch derart mit fokussierten Ansichten und Glaubensformen konfrontiert..

Interessante und aufschlußreiche Lektüre - vor allem wenn man sich selbst vor der Situation sieht Kinder in die Schule zu schicken!...
Dateianhänge
Brief-100123.pdf
Brief - Abmeldung vom Ethikunterricht
(29.95 KiB) 579-mal heruntergeladen

Liborius
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Re: "Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

Ungelesener Beitrag von Liborius » Sonntag 24. Januar 2010, 09:15

Die Eltern des Kindes müssen ja besonders doof sein, wenn sie nicht bemerkten, dass das Kind statt den Ethikunterricht den ganz normalen Religionsunterricht besucht hat.
Der Autor des Briefes wohnt ja in Rheinland-Pfalz und ich habe mir die Mühe gemacht das Curricula des Ethikunterrichts für dieses Bundesland zu lesen und da steht nichts von Jesus.
Da nun Schmidt-Salomon ein bekannter Atheist und Lehrbeauftragter in Luxemburg ist, halte ich den Brief für einen dummen Scherz. Sollte er tatsächlich aus der Feder des Schmidt-Salomon stammen, so muß ich meine Meinung über Schmidt-Salomon revidieren und ihn als ausgesprochenen dummen Polemiker einstufen.

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Re: "Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

Ungelesener Beitrag von niels » Sonntag 24. Januar 2010, 11:09

...ohhh, ein Ungläubiger!
Schmidt-Salomon ist (wie seine Frau) m.W. Mitarbeiter / Mitstreiter in der Giordano-Bruno Stiftung bzw. im HVD. Atheist zu sein ist ebensowenig verboten wie religiös zu sein. Das gebietet die Freiheit der Weltanschauung - auch wenn soviel Toleranz macnh Religiösem heute noch oder wieder zu weit gehen mag. Das viele Christen Atheist pauschal mit ""gegen Gott" interpretieren, ist einen Frechheit für sich - ist doch die Auslegung schlicht "ohne Gott" in den meisten Fällen zutreffender. Noch frecher ist die Gleichsetzung "Nichtkonfessionell"->"Atheist"->"Kommunist", wie sie gern auch heute noch in manch Katholiken- und Kirchenkreisen zitiert wird.

Immerhin scheinst Du nicht vollständig informiert. Auch wenn das Curriculum diese religiösen Lehrinhalte nicht vorsieht, so sind sie doch gängige Praxis und offenbar auch Teil des verwendeten Lehrmaterials.

Das Kind hat explizit den Ethikunterricht besucht. An Doofheit kann es demnach nicht liegen. Wie "doof" die Mitsrtreiter der Verfasse sind, belegt der BGH, der Ihnen in vorhergehenden Klagen recht gab. Doof war demnach - wenn überhaupt - der, der bis dahin für Konzeption und Ausgestaltung des "Ethik"-Unterrichtes wie die betr. Stundenpläne zuständig war.

Persönlich kenne ich auch in hiesiger Umgebung (Thüringen wie Niedersachsen) einige ähnliche Fälle und Vorkommnisse, wo z.B. die Religionslehrerin auch für den Ethik-Unterricht eingesetzt wird und/oder typisches christlich-spezifisches Wissen vermittelt und benotet wurde/wird..

Ich denke wohl, das man dem BGH, dem Verfassungsgericht wie den EU-Gerichten "Glauben" schenken darf - zumindest besondere Aufmerksamkeit, denn in vielen Dingen zeigte es uns klare Defizite zwischen Verfassung / GG und Praxis. Unsere Regierung (insbesondere die CDU, aber selbst die Linke setzt sich mittlereile für Religionsunterricht ein) wird dies kaum ändern - ist das Verhältnis zwischen Merkel und den ;Kirchen doch schon recht arg "abgekühlt" und neuen Ärger will man sich da kaum machen.

Übrigens:
In den meisten von mir besuchten (als "islamisch geprägt" geltenden Ländern - z.B. den Maghreb-Staaten, im Nrden Iraks, einigen asiatischen Ländern usw.) gibt es meist gar keinen Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen. Kinder islamischer Eltern besuchen i.d.R. (wie auch in der DDR Praaxis) nach oder vor der öffentlichen Schule eine Koranschule o.ä.

Schon interessant, das wir Deutschen das nicht hinbekommen. M.E. ist es - angesichts der immer stärker weltanschaulich gemischteren, diversifizierten Schulklassen - gem. GG und / oder EU-Verfassung eh nicht (mehr) realisierbar, einen für alle gleichbehandelnden UND zugleich zumutbaren einheitlichen Religionsunterricht in öffentlichen Schulen anbieten kann, schon weil Anhänger größerer Religionsgruppen/-kirchen klar bevorteilt werden - von der Benotung bis hin zur Zumutbarkeit für den Einzelnen Glaubensanhänger. Demnach plädiere nicht nur ich für einen fakultativen Religionsunterricht der nicht von öffentlichen Schulen angeboten werden muß, sondern von der jeweiligen Glaubensgruppe selbst.

Ich denke, das mir die Zukunft recht geben wird, selbst wenn dazu entsprechende Klagen und langwierige Verfahren durch entsprechend aktive / engagierte Nichtkonfessionelle nötig sein werden. Interessant finde ich auch, das selbst einige Vertreter der (protestantischen?) Kirchen "im Sinne der Toleranz" für ähnliche oder genau diese Lösungen plädieren.

Diese können dann sogar intensiv und relativ "frei" von irgendwelchem "Toleranzdruck" lehren, was und wie sie für richtig halten, was ihnen doch entgegenkommen dürfte. Auf Abschlusszeugnissen öffentlicher Schulen hätten damit auch keine Religionsnoten mehr etwas zu suchen. Den Religionsschulen steht es natürlich ebenso frei, ob sie ein "Zeugnis" ausstellen oder nicht.

Aber da sind uns wohl selbst viele - sicher nicht alle - "muslimisch geprägte" Länder erheblich voraus. Dort plädieren i.d.R. lediglich noch die konservativsten Islamlisten für Religionsunterricht in den Schulen - die selben die auch die Entrechtung der Frau, Sharia-Gesetze, eine staatlich gestützte Islamisierung der Bevölkerung oder auch Rammadan für alle per Gesetz fordern.

Aber auch in vielen Vielvölker- oder multikulturellen Staaten (also außerhalb Europas) ist eine Trennung von Religion und öffentlichen Schulen selbstverständlich, wenn auch in manch einem Land erst seit wenigen Jahrzehnten. Niemand - bis auf wenige Islamisten oder andere Fundamentalisten - käme auf die Idee die betreffenden Gesetze ändern zu wollen.

Immerhin frage auch ich mich, warum Nichtkonfessionelle - nicht aber nicht Religiöse - einer "Unterweisung in Ethik" benötigen sollen. Religion kann kaum Ersatz für eine gleichwertige Unterweisung in den ethischen Fragen unserer modernen Gesellschaft wie grundgesetzliche Werte, weltanschauliche Toleranz und Gesellschaftsfragen "außerhalb" der betr. Kirche/Religion stehen, vor allem nicht ebenso "umfassend" - das ist jedenfalls meine Meinung.

Tradition ist eine Laterne - während sich die Dummen daran festhalten, leuchtet sie den anderen den Weg...

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Re: "Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

Ungelesener Beitrag von Liborius » Sonntag 24. Januar 2010, 14:19

Der Schmidt-Salomon weiß als Rheinland-Pfälzer ganz genau, dass ein Ethik-Unterricht in diesem Bundesland erst ab der Klasse 5 angeboten wird. Daher ist die Redewendung ... mein Sohn in der 3. Klasse ... eine falsche Polemik.
Jeder Elterteil sollte eigentlich wissen das jede inhaltliche Abweichung vom Lehrplan unzulässig ist, eine Anzeige bei der Schulleitung oder dem Elternbeirat würde völlig genügen eine Lehrkraft, die unzulässig missionieren will, aus dem Schuldienst zu entfernen.

Wenn der Brief des S-S auf einer wahren Begebenheit beruhen sollte, dann wäre das ein Einzelfall, den man keinesfalls verallgemeinern darf.

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Re: "Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

Ungelesener Beitrag von niels » Sonntag 24. Januar 2010, 15:16

hmmm,
interessante Sichtweise. Woher hast Du die?

Nicht nur die Kirche - auch diverse Landesverwaltungen und Bildungsministerien und Katholische Universitäten sind ziemlich klar der Überzeugung, das der Ethik-Unterricht auf der "christlich-abendländischen" basieren muß.

Vielleicht helfen ja ein paar auf die Schnelle gegriffene Quellen auf die Sprünge:

IBKA:
http://www.ibka.org/artikel/miz83/ethik.html

Pro-Reli
http://aufnkaffee.wordpress.com/2009/01 ... in-erfolg/

die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
http://209.85.129.132/search?q=cache:Ic ... clnk&gl=de
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

http://www.trend.infopartisan.net/trd0509/t200509.html

http://books.google.de/books?id=SxiJaIb ... PXfM&hl=de

Pro-Ethik
"Contra Pro-Reli" Bewegung - "Argumentationshilfen"
http://www.proethik.info/argumente/ques ... -pro-reli/

Focus
http://m.focus.de/op/focus/de/ct/redire ... 14246.html

Ich persönlich kenne zwar keine betroffenen 3. oder 5. Klässler aus meiner Umgebung, allerdings einige Schüler höherer Jahrgänge wie auch Berufsschüler (die Ethik bzw. Religion als Pflichtfach hatten - einige sogar gegen ihren Willen das Pflichtfach (!) Religion, da die Schule - trotz lautstarker Beschwerden der Mehrheit der Klasse! "mangels Lehrpersonal" keinen Ethikunterricht anbieten wollte bzw. "konnte"). Einem Rechtsstreit gehen die meisten wohl schon deshalb aus dem Weg, weil sie Repressalien oder Benachteiligungen der Kinder oder eigenen Person durch die Schule fürchten - dennoch gibt es (zum Glück) nach und nach erste Klagen bis auf EU-Level

Weltanschauliche Neutralität ist sicher noch lange nicht in allen öffentlichen Schulen angekommen. Ich erinnere mich u.a. an einen erst vor 1-2 Jahren in einem Eichsfeldort von Lehrern und Eltern durchgeführten "Boykott" einer Schulleiterin, die gem. der Entscheidung der EU Gerichte die bis dahin überall in der Schule aufgehängten Kreuze abhängte.

Auch in Bayern gab es einige Schulen, die mit dem EU Urteil "als Trotzreaktion" wie ein Schulleiter erklärte - erst recht einen Schwung neuer Kreuze für die Schule (natürlich aus dem Bildungsetat...) anschaffte und aufhing.

Auch wenn Christentum im Eichsfeld immer noch recht verbreitet ist - nicht nur theoretisch gibt es in jeder Schulklasse Nichtkonfessionelle wie eine wachsende Zahl andersgläubiger Schüler, auf die man bitte ebenso Rücksicht nehmen kann. Das dazu auch gehört, diese Kinder nicht mit einer religiös-geprägten Lernumgebung zu beeinflussen oder gar zu belästigen, steht dem modernen Menschen eigentlich außer Frage, manch einem Kirchgänger scheint soviel Toleranz nicht aufbringen zu wollen.

Toleranter wird man auch nicht, indem man behauptet der andere würde nicht beeinflusst oder gar belästigt (obgleich diese das oft und klar bekunden) - wäre das dr Fall, bräuchte man die Kreuze auch nicht aufhängen. Was und wie weit Toleranz geht, legen manch Christen lieber selbst fest, denn Ihre Religion steht ihrer Meinung nach über Recht und Gesetz.

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Re: "Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

Ungelesener Beitrag von Christel » Sonntag 24. Januar 2010, 16:33

Vielleicht wir ja gegen den Ethikunterricht polemisiert, um den eigenen weltanschaulich geprägten Unterricht durchzusetzen. http://www.lebenskunde.de/
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

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Re: "Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

Ungelesener Beitrag von niels » Sonntag 24. Januar 2010, 17:08

Es mag einzelne geben, die einen "weltanschaulich geprägten" Unterricht wollen. Für die meisten mir bekannten Menschen, die ebenso denken und argumentieren wie ich weiß ich genau, das die definitiv KEINEN weltanschaulich geprägten Unterricht wollen und viele davon das Fach "Ethik" selbst in seiner "neutralen" Form mehr als "unglückliche Notlösung" als wohlwollend akzeptieren. Bis auf Einzelne bin ich mir sehr sicher, das diese derartigen Organisationen ebenso fern stehen wie irgend einer "weltanschaulich orienterten" Organisation.

Die betr. Website oder Initiative dahinter kenne ich übrigens (noch) nicht. Ein Fach "Lebenskunde" könnte ich z.B. akzeptieren, wenn es sachliche Fragen wie z.B. das Fach "Wirtschaft, Politik und Recht" erörtert, darüberhinaus den Schülern Fragen wie Medienkompetenz, soziale Konfliktbehandlung, sachliche Fragen der Familienplanung, gesundheitliche Aufklärung und aequivalente Kompetenzen nahebringt - demnach könnte man diese Fächer entsprechend zusammenführen oder anpassen. Derartige Kompetenzen kann man auch ohne weltanschliche Färbung oder Beeinflussung realisieren.

Übrigens verstehe ich immer noch nicht die Aufregung aus den Kirchen, während viele "islamisch geprägte" Länder gar kein Problem darin erkennen, religiöse Schulung aus öffentlichen Schulen rauszuhalten. Was machen die falsch, was wir besser machen oder worin sind wir "fortschrittlicher"? Wenn ich die Reaktionen der Kirchen und Verbände in Deutschland auf derartige Vorhaltungen lese oder höre, erwächst mir schon der Eindruck: "getroffene Hunde bellen".

Hier u.a. der Bericht eines Bekannten meinerseits:
"Eine Mutter aus Thüringen berichtet mir laufend ähnliches über die Schule ihrer Tochter. das läuft es seit der 1. Klasse so, die Tochter ist jetzt in der 3. da wird z.b. Beten gelernt und Weihnachten muß nur im christlichen Sinne akzeptiert werden. anderes wurde mit schlechten Noten geahndet.

Ähnliche Beschwerden treffen aber z.b. voll auf das in ostdeutschen Ländern wohl gängige "Ethik"-Lehrbuch ("Ich bin gefragt" Ethik 7/8 Sachsen, hrsg. Ursula Wilke, Verlag Volk und Wissen 1999) zu.

Mich würde so ein Exemplar schon mal interessieren um mir selbst ein konkretes Bild machen zu können...



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Re: "Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

Ungelesener Beitrag von Christel » Sonntag 24. Januar 2010, 18:18

niels hat geschrieben:Die betr. Website oder Initiative dahinter kenne ich übrigens (noch) nicht. Ein Fach "Lebenskunde" könnte ich z.B. akzeptieren,
Das steht doch dabei:
Humanistischer Verband Deutschlands
http://www.lebenskunde.de/
An anderer Stelle zeigten wir bereits die Verbindungen zwischen Michael Schmidt-Salomon und dem HVD.
Allerdings scheint er auch dem „HVD“ zuweilen etwas zu extrem zu sein:
Aus der säkularen Szene äußerte sich der Humanistische Verband in Berlin, der an öffentlichen Schulen der deutschen Hauptstadt Lebenskunde-Unterricht als Alternative zum Religionsunterricht anbietet. Dort zeigte man sich unzufrieden über das Buch, da es einen falschen Eindruck vermitteln könne, wie in der humanistischen Lebenskunde über Religionen gesprochen werde. „Wir werden es im Lebenskundeunterricht nicht einsetzen“, erklärt der Verband und verweist auf seinen Lehrplan, in dem es heißt: „Zur humanistischen Bildung gehört auch ein Wissen über die Religionen. Religionen werden nicht diffamiert oder lächerlich gemacht. Im Gegenteil, sie werden als Versuche der Menschen interpretiert, Antworten auf ihre existenziellen Fragen zu formulieren.“
http://www.christoph-fleischmann.de/pag ... ch/731.htm
(Hervorhebung im Zitat von mir)

Christel
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Re: "Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

Ungelesener Beitrag von niels » Sonntag 24. Januar 2010, 19:06

nun,
ich kenne auch Leute vom HVD - ebenso wie von einer Vielzahl anderer Grupperungen oder Initiativen aus dem Spektrum Bürgerrechte, informationelle Selbstbestimmung usw. Dabei bin ich übrigens werder "links" noch "Kommunist" o.ä. Dinge, die manch Kirchenmensch gern auch mal pauschal allen - oder "den meisten" - "Nichtkonfessionellen" unterstellen mag.

Im übrigen bin ich "katholisch" erzogen worden und in einem von Nonnen geführten Kindergarten aufgewachsen, habe die Kirche wie alle Religionsunterichte regelmäßig und meist sogar relativ "engagiert" besucht. Erst später habe ich mich - durch intensivere Beschäftigung mit der Thematik (erst katholische Kirche, dann evangelische, dann Kirche insgesamt, dann Religionen allgemein und Weltanschauungen usw.) habe ich mich (ohne dieses Ziel zu haben) sukzessive von der Kirche, später auch vom Glauben "entfernt", da ich darin weder meinen Lebensweg wie meine Bestimmung erkenne.

Ich sehe zwar in dem Zitat keine "extreme" Aussage sondern lediglich eine Feststellung oder "Sichtweise", wie sie viele Wissenschaftler ebenso stützen wie viele Nichtkonfessionelle, wenn auch nicht alle. Religionen wurden vom Menschen ebenso erfunden wie ausgestaltet. Das geben selbst (zumindest einige, die ich erlebt habe oder kenne) moderne Theologen ohne Umschweife zu. Die Frage, ob es einen Gott gibt, wird damit nicht mal berührt - das kann sich jeder selbst ausmalen. Wie "menschlich" die Konstrukte Religion sind, zeigen schon die verschiedenen Sichten über "den einen Gott", den mindestens 2-3 Religionen "für sich" beanspruchen" (oder zumindest dessen "Präferenz") zu sein.

Was aber der Mensch geschaffen hat, ist auch lt. Religion nie vollkommen und kann deshalb auch nicht einen solchen Anspruch erheben.

Mag schon sein, das aktive Nichtkonfessionelle oder "Atheisten" auf der "Feindbildliste" mancher Kirchenverbände, Medien oder Leute stehen, weil sie von diesen eine "Beschädigung" ihrer Glaubhaftigkeit o.ä. befürchten. Tatsache ist doch aber, das jemand der unbedingt glauben will seinen Glauben dadurch ebenso unwahrscheinlich verlieren wird man einen überzeugten Nichtkonfessionellen zum Glauben bekehrt bekommen kann.

Warum also keine offene, öffentliche wie sachliche Debatte über Glauben und Nicht-glauben(-wollen)?

Immerhin ist der HVD m.W. kein strikt zentralistischer Verband mit "einer zentralen Meinung", sondern ein eher lockerer Zusammenschluß aktiver Nichtkonfessioneller oder aus anderen Gründen humanistisch orientierter Bürger Deutschlands.

Immerhin scheint der HVD einigen in der Kirche ein spitzer Dorn im Auge - anders kann ich mir diese extremen, manchmal schon extremistischen Reaktionen manch Kirchenmenschens oder "Kirchen-Presseorgans" erklären, von denen mich manche im Jargon eher an ultralinke oder ultrarechte Medien oder Zeitungen in der DDR erinnern. Als Beispiel erinnere ich mich da u.a. an die Darstellung, der HVD sei eine Art "Arm" der SED-Nachfolgepartei "DIE LINKE" oder auch Behauptungen die den Eindruck erwecken sollen der HVD habe die "Auslöschung" oder "Beschädigung" der christlichen Religion zum Ziel, was sicher kein Ziel der Betreffenden (zumindest die, die ich etwas persönlicher kenne) ist.

Natürlich treten Hr. Salomon oder Kollegen u.a. relativ häufig im Zusammenhang mit dem HVD oder Giordano-Bruno-Stiftung auf - sie bekleiden m.W. Positionen wie Pressesprecher bzw. Außenkommunikation - dennoch sind sie nicht allein mit ihren "Ansichten" und der Kreis der Nichtkonfessionellen besteht sicher nicht zum größten Teil aus Ex-Kommunisten oder SEDlern - schon gar nicht im sog. "Westen"...

Aber ganz nebenbei: darum geht es hier nicht im Thread - weder um die Person wie um den HVD o.ä. Organisationen. Selbst mich beschäftigt das Thema schon einige Jahre, vor allem weil ich in meinem persönlichen Umfeld immer wieder darauf stoße und weil ich u.a. auch selbst mal Kinder in die Schule schicken möchte.

Btw:
"sittliche Erziehung" oder "Unterweisung" kann m.E. kaum Aufgabe einer Schule oder des Staates sein. Das halte ich für eine typische Aufgabe von Eltern in die man sich auch schwer einmischen kann / darf.

Wollte man das Fach Religion oder Ethik ersetzen wollen (statt zugunsten weiterer Naturwissenschaft abzuschaffen), könnte ich mir ein Fach "Sozialkunde" (gibt es m.W. schon) vorstellen, in dem man den Schülern Inhalte vermittelt wie:
- Konfliktbewältigung (in der Familie, im Beruf usw.)
- Medienkompetenz (Bewertung von Medien, Arbeit mit Quellen usw.)
- Kommunikation / zwischenmenschliche Kommunikation (im Team, in der Gruppe usw.)
- Grundlagen der Sozialwissenschaft
- Grundlagen der Psychologie
usw.

Alle genannten Positionen sind heute klare Segmente universitärer Wissenschaften und daher kaum weltanschaulich "belastet". Wer das Gaganteil behauptet, stellt Wissenschaft ebenso in Frage wie die menschlichen Errungenschaften bis heute.

Bis heute hat unsere Gesellschaft - ebenso wie viele Familien - Konflikte oder Probleme, die mangels o.g. Kompetenzen entstehen oder nicht bewältigt werden können. Die Folgen kosten dem Staat nicht nur viel Geld, auch die Menschen selbst leiden an mangelnder Lebensqualität. Die Demokratie leidet unter fehlender politischer, aber vor allem Medienkompetenz, auch hier gibt es viel aufzuholen und zu tun - vor allem IM SINNE der betroffenen Menschen, denn es hilft ihnen unmittelbar bei ihren persönlichen Problemen - wenn vielleicht auch nicht allen. Ist derartiges "weltanschaulich geprägt"?

Ich denke da gibt es wissenschaftlich mehr für eine Schule zu tun, als "Sittlichkeit und Gebräuche" zu vermitteln (die eh kein Schulfach vermitteln kann, weil sie nicht mal klar definierbar ist), die extrem "kultur" und "glaubensabhängig" sind. Sitten und Gebräuche werden binnen Gesellschaften, Kulturgrupen und Familien gelebt und weitergegeben. Alles drei ist nicht binnen einer uniformen schulischen Ausbildung realisier- wie vermittelbar.

Wer das möchte, kann dies gern selbst oder binnen seiner Gruppierung tun. Was ist so negativ oder schlimm daran?

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Re: "Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

Ungelesener Beitrag von Liborius » Sonntag 24. Januar 2010, 20:40

Christel hat geschrieben:Vielleicht wir ja gegen den Ethikunterricht polemisiert, um den eigenen weltanschaulich geprägten Unterricht durchzusetzen. http://www.lebenskunde.de/
@christel
ich habe mir den Lehrplan Ethik Sekundarstufe I Sachsen-Anhalt angeschaut. Der ist doch vorbildlich. Ich kann mir da beim besten Willen nicht vorstellen das hier missioniert werden kann, sofern man sich an den Lehrplan hält.
http://www.rahmenrichtlinien.bildung-ls ... ethik.html

Ich nehme doch an in Thüringen und damit im Eichsfeld ist das nicht anders. Hier in Frankreich ist die Trennung Kirche/Staat auch in der Schule sichtbar. Im Unterricht gibt es keinen Religionsunterricht, auch kein so genanntes Fach Ethik. Die Menschen in Frankreich sind in der übergroßen Mehrkeit katholisch, austreten wegen Kirchensteuer braucht auch niemand. Der Katechismusunterricht für die 1. Kommunion ist ausserhalb der Schule.

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Re: "Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

Ungelesener Beitrag von niels » Sonntag 24. Januar 2010, 21:35

ja,
so sollte es wohl sein - ist es aber (leider) nicht. Selbst meine Frau musste vor 1-2 Jahren in der Berufsschule am (im Zeugnis aufgeführten) Religionsunterricht teilnehmen, obgleich sich de Mehrheit der Klasse (teilweise nichtkonfessionell, teilweise christlich und teilweise islamisch u.a. Religionen) offiziell weigerte und bei der Schulleiterin gemeinsam wiederholt protestierten. Argument: "die Schule habe keine passende Lehrkraft zur Verfügung, der Religionsunterricht aber Pflichtfach".

Auch die Argumentation, das dies rechtwidrig sei, brachte wenig. Schlußendlich "einigte" man sich notgedrungen auf einen "neutralen" Religionsunterricht, der von einer christlichen Theologin bekleidet wurde, die mit den Schülern Bibelinhalte "ausarbeiten" wollte. Auf erneuten heftigen Protest wurde die Theologin gegen eine andere Theologin ausgewechselt, die sich zumindest "Mühe gab" möglichst "neutral" zu agieren, indem sie (interessanterweise hauptsächlich von der Kirche problematisierten) Themen wie Abtreibung, Stammzellenforschung usw. beackerte. Einen klaren Lehrplan aber schein es auch dort nicht zu geben.

Immerhin handelte es sich um Berufsschüler, die bereits ihre eigene Meinung äußern können. Typische Schulkinder der unteren Klassen können dies wohl kaum - ebensowenig wie die weltanschaulich geprägten Aussagen von allgemein gültigen zu unterscheiden.

Ich finde es traurig, das Schüler (oder deren Eltern) in unserem Land um einen (gesetzlich sogar verbrieften) weltanschaulich halbwegs neutralen Unterricht kämpfen müssen, während der in anderen Ländern selbstverständlich ist.

Gesetz und Realität gehen leider häufig verschiedene Wege. Beim Bürger nennt man dies immerhin "kriminell" - beim Staat scheint das "üblich".

Christel
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Re: "Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

Ungelesener Beitrag von Christel » Montag 25. Januar 2010, 19:00

Hallo Liborius, ich weiß nicht, ob du mich richtig verstanden hast.

Außer in Berlin können Schüler bzw. deren Eltern zwischen konfessionellen Religionsunterricht oder Ethikunterricht in der Schule wählen. In Brandenburg hat der HVD durchgesetzt, dass außerdem zwischen Ethik und Lebenskunde (soweit ich weiß, vom Humanistischen Verband selbst erteilt), gewählt werden kann.

Der von Heinrich eingestellte Brief, stammt von Michael Schmidt-Salomon von der Girodano-Brundo-Stiftung, der mit dem HVD mindestens kooperiert.

Ich denke, der Brief soll erreichen, dass Eltern ihre Kinder vom Ethik-Unterricht abmelden. Vermutlich will der HVD auch in anderen Bundesländern das Fach Lebenskunde einrichten. Lebenskunde dürfte weltanschaulich durch den HVD geprägt sein, ähnlich wie der konfessionelle Religionsunterricht.

Ich denke, man ist bemüht den Ethikunterricht weltanschaulich neutral zu halten, ob das immer gelingt ist eine andere Sache. Ich schätze, dass liegt auch am Lehrer. Wer ist schon neutral? D.h. Ethikunterricht kann in jede Richtung gehen, Z.B. christlich aber auch sehr atheistisch.

Den DDR-Religionsunterricht kann man, denke ich, nicht mit dem heutigen Religionsunterricht vergleichen.
Heute werden hier auch andere Religionen, Weltanschauungen ... gelehrt.
Auch Ethikunterricht ist nicht mit dem damaligen Fach Staatsbürgerkunde vergleichbar. In Staatsbürgerkunde kam z.B. Religion gar nicht vor, in Ethik werden schon die Religionen mitbehandelt.
Das gehört zur Allgemeinbildung. Und wie soll sonst eine multikulturelle Gesellschaft funktionieren? Dazu gehört nun mal Wissen vom anderen.

Grüße
Christel
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Re: "Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

Ungelesener Beitrag von niels » Montag 25. Januar 2010, 20:13

Schüler können .... wählen
Auf dem Papier ja, in der Praxis scheint das gar nicht immer selbstverständlich.


Aber selbst wenn, warum brauchen Nichtkonfessionelle Kinder eine "Unterweisung in Sittlichkeit" usw. und religiöse Kinder nicht?

Ein Fach "Lebenskunde", wenn es denn das ist, was es heißt und vor allem allein auf wissenschaftlicher Basis (in der Schule geht es ja um Wissen, und nicht um Glauben), könnte nicht nur m.E. bei einer Vielzahl heutiger Gesellschaftsproblemen hilfreich sein - auch wenn es als Schulfach diese kaum eliminieren kann. Konfliktbewältigung, Medienmkompetenz, Grundlagen der Sozialwissenschaft usw. Ich fänd das ganz gut, auch wenn mir der Begriff neu wie die Idee dahinter noch unbekannt ist. M.E. könnte man aber auch das Fach "Wirtschaft, Umwelt, Europa" o.ä. entsprechend ausbauen / ergänzen.

Was "Sittlichkeit" ist, kann man - wenn Dinge wie Recht, Wirtschaft und Soziales (was es ja wohl als Fach gibt) abgezogen werden - fast nur noch auf weltanschaulich, m"oralgeprägter" Basis festlegen - genau das aber gehört NICHT in eine Schule. Was "Moral" ist, kann kein Schulunterricht vermitteln, denn damit greift sie in jedem Fall weltanschaulich ein, denn "Moral" wird per Definition ja von der Gesellschaft - also den Menschen selbst - gebildet, nicht aber denen "beigebracht", das ist Kirche.

Was ich warum von "Moral" halte (und welche Folgen), hatte ich ja in "Macht des Bösen" o.ä. ausgiebig dargelegt, weshalb ich das hier nicht wiederhole.

Um Religionen als solche kennenzulernen, reicht m.E. eine wissenschaftliche Betrachtung weithin aus - also (kultur-)historisch wie auch sozialwissenschaftlich oder psychologisch - dien religiösen Schriften ev. noch soziohistorisch und literarisch. Dagegen hätte ich sicher nichts einzuwenden.
Der von Heinrich eingestellte Brief...
Zum einen wurde der Brief nicht von Heinrich5 eingestellt, zum zweiten steht schon im Briefkopf, das der "Musterbrief" per HVD und Presselette der Giordano-Bruno-Stiftung veröffentlicht wurde. Das leugnet demnach niemand.

Der Brief soll nicht "Abmeldungen" erreichen, sondern Eltern, die sich in entsprechender Situation sehen einen "Musterbrief" an die Hand geben. Dagegen ist sicher nichts einzuwenden, immerhin verbreiten ja auch Kirchen wie theologische Institute "Argumentationshilfen" oder "Leitfäden"...

Irgendwie habe ich den Eindruck, die Ursachen des wachsenden "Nichtkonfessionalismus" werden in (oder als Folge der Arbeit der) Gruppierungen wie dem HVD, Giordano-Bruno u.ä. Initiativen gesehen. Das ist so blauäugig wie falsch, denn selbst deren Mitglieder oder Symptahisanten kamen m.W. erst dann überhaupt in Kontakt mit solchen Initiativen, wenn man sich selbst bereits als nichtkonfessionell verstanden hat und / oder sich selbst in ähnlichen Schwierigkeiten sah / sieht. Quasi jede Kirche und Religionsgruppe ist weitaus organisierter und einflußreicher als der HVD oder die GBS.

Da die Zahl der selbsterklärten Nichtkonfessionellen oder auch "Humanisten" im Land stetig wächst und immerhin keine "Minderheit" mehr darstellt, ist es nur billig das sich auch diese in verschiedenen Initiativen organisieren oder von diesen gar vertreten lassen.

Ebenso blauäugig ist die Vorstellung manch ostdeutschen Katholiken, Nichtkonfessionelle (auch zuweilen nicht immer korrekt als "Atheisten bezeichnet"..) seien (ehem.) "Kommunisten" oder auch "Opfer der DDR-Propaganda". Aus sicherer Quelle kenne ich das Gegenteil - z.B. bin auch ich "katholisch" erzogen worden, habe einen katholischen, von Nonnen geführten Kindergarten besucht, später den (nachmittäglich bei der Kirche stattfindenden) Religionsunterricht besucht, wurde getauft, kommuniziert usw. Ich bin ebensowenig Kommunist wie ich "Mitläufer" der DDR war - habe sogar die Jugendweihe verweigert (zudem alle - bis wohl auf ein Mädchen aus Thalwenden - aus meiner doch sonst sehr "katholischen" Klasse natürlich selbstverständlich hingelatscht sind).

Ich selbst habe mich weithin allein weiterentwickelt - jedenfalls zumindest weg von Religion und Glauben entwickelt. Ich wurde ebensowenig "missioniert" wie überredet - ganz im Gegenteil. Mit meiner Sicht hatte ich fast mein ganzes Umfeld gegen mich, denn katholisch (oder wenigstens "christlich") sein galt als Norm für "vernünftige" Menschen, andere betrachtete man nicht selten als etwa "Asoziale" o.ä.

Durch die DDR aber habe ich ein recht waches Auge für Manipulationsversuche oder "Propaganda" entwickelt - vor allem weltanschauliche. Wenn ich heute so manches Zitat aus dem "Tag des Herrn" heute - oder selbst dem öffentlichen "Amtsblatt" lese - erinnert micht doch einiges sehr an Redewendungen, Argumentationsformen oder Phrasen wie ich sie aus dem "Neuen Deutschland" oder auch Schulungsmaterial der Bezirksparteischule kenne (und mit Ende der DDR auch "abgeschafft" hoffte) - heute maximal noch in der "extremeren" Presse - z.B. linke wie rechte.

Übrigens:
Hier geht es nicht um den HVD, sondern um "Manipulationen" bze. manipulierten "Ethik-Unterricht" oder andere Formen der "christlich-sittlichen" Einflußnahme auf Kinder in öffentlichen Schulen. Da es immer neue Beschwerden aus den verschiedensten Bundesländern gibt, wird da etwas nicht stimmen können. Dabei sollten per Gesetz selbst die geschützt sein, die dieweltanschauliche Einflußnahme gar nicht selbst erkennen oder die diese gar nicht persönlich interessiert (das ist ja Sinn und Zweck weltanschaulicher Neutralität - es geht also nicht allein um "zumutbar", sondern schon jedwede Einflußnahme ist zu vermeiden, nicht erst wenn sich jemand darüber lautstark beschwert oder gar vor Gericht ziehen muß).

Mittlerweile fordern immer mehr Deutsche ähnliche Gesetzesverschärfungen wie in Polen (oder der Bush-Regierung, dessen Gesetze selbst bei den Amis mittlerweile sukzessive zurückgecancelt werden) und sehen die ultrakonservativ-katholische polnische Regierung als "Vorreiter".

Da diskutiert man z.B. über Zwangskastrationen von Sexualstraftätern, europaweites Verbot der Abtreibung, folteroptionen zur Strafverfolgung / -vereitelung - manche sogar wieder die Todesstrafe. Interessanterweise forderten oder fordern die selben eine stärkere Beachtung der "christlich-abendländischen Kultur" Deutschlands / Mitteleuropas oder auch den Gottesbezug der Verfassungen. Besonders gern nehmen diese Menschen das Wort "Moral" in den Mund, was meine These lediglich bestätigt, das "Moral" vorwiegend schädliche denn den Menschen hilfreiche Optionen wie Folgen realisiert.

Christel
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Re: "Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

Ungelesener Beitrag von Christel » Montag 25. Januar 2010, 23:46

Nachtrag zu meinem Beitrag von 25 Jan, 2010 19:00:

Hallo Liborius, selbstverständlich findet im staatlichen Ethikunterricht keine christliche Mission statt!
Wie sollte es auch? In der Regel unterrichten christliche Lehrer Religion und nicht Ethik. Die überwiegende Zahl der Ethiklehrer dürfte konfessionslos sein. – Deshalb würde ich als Christ mein Kind ja nicht zu Ethik schicken, sondern natürlich in den Religionsunterricht meiner Konfession und wenn das nicht möglich ist, in den evangelischen Religionsunterricht. - Na selbstverständlich!

Der DDR sind zwar die Leute weggerannt. Identitätsstiftend war sie dennoch.
Viele Konfessionslose kennen Religion nicht mehr. Aus ihrer Erfahrungswelt ist Religion weit weg und sie finden es irritierend, dass dies noch / wieder unterrichtet wird. Es hat mit ihnen selbst nichts mehr zu tun.
Dennoch, der Ethikunterricht ist, obwohl er Wissen über Religion vermittelt, neutral.

Beim Lebenskundeunterricht bezweifele ich das. Oder, warum müht sich sonst der HVD Lebenskunde statt Ethik zu unterrichten, wie in Brandenburg?
Vielleicht wollen sie ja auch jetzt nur das religiöse bzw. christliche Wissen weiter zurückdrängen? Ich weiß es nicht!
niels hat geschrieben: Da die Zahl der selbsterklärten Nichtkonfessionellen oder auch "Humanisten" im Land stetig wächst und immerhin keine "Minderheit" mehr darstellt, ist es nur billig das sich auch diese in verschiedenen Initiativen organisieren oder von diesen gar vertreten lassen.
Konfessionslose und HVD oder Giordano Bruno Stiftung sind ein gravierender Unterschied!
Im Moment vertreten diese Organisationen nur eine Minderheit! Das liegt daran, dass sich viele Konfessionslose ja gerade nicht binden wollen. - Eins ist klar, die Giordano Bruno Stiftung, sprich Michael Schmidt-Salomon verfolgt das Ziel, die Leitkultur bei uns zu stellen, also wollen / müssen sie ändern, dass sie nur eine Minderheit darstellen. Ihre Zielgruppe sind daher hauptsächlich die Konfessionslosen. Sie verfolgen das Ziel die Konfessionslosen in ihre Reihen zu bringen.

Vom Ethikunterricht kann man sagen, er müht sich um Neutralität. Der HVD ist nicht neutral, die Giordano Bruno Stiftung schon gar nicht. Beide Organisationen suchen Anhänger. Wer darauf steht, kann sich denen anschließen.

Grüße
Christel

Übrigens, Manipulation verfolgt das Ziel, das jemand etwas tut, was er im vollen Bewusstsein und bei Abwägung alles für und wieder, nie tun würde. Gern wird dabei beim Gefühl angesetzt. Z.B. wer sich aufregt wird blind.
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

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Re: "Zwangschristianisierung" unserer Kinder?!

Ungelesener Beitrag von niels » Dienstag 26. Januar 2010, 08:46

das es in Deutschland einen durchweg unbeeinflussten "Ethik-Unterricht" gibt es ebenso eine dreiste Falschbehauptung wie, das die Kirche - zumindest eine Vielzahl deren Vertreter -- diesen Einfluß explizit wünschen bzw. fordern (siehe o.a. Links). Daran ändert sich auch wenig, wenn Du diese Aussage stetig wiederholst.

Immerhin haben einige Kirchenleute zumindest öffentlich zurückgerudert, so sind z.B. einige Internet-Veröffentlichungen kirchlicher Verbände / Organisationen nur noch im Suchmaschinen-Cache auffindbar, während man die Originale von den Webseiten genommen bzw. vom betr. Link "wegverschoben" hat.

Immerhin muß ich noch bemerken, das ein Großteil der politisch diskutierten "ethischen" Fragen bereits "christlich-abendländisch" geprägt ist, wobei diese Themen oft auch eine zentrale Stellung im Ethik-Unterricht bekommen (z.B. Abtreibung, stammzellenforschung usw.). Allerdings ist das noch akzeptierbar.

Statt beim Thema - also der Frage - zu bleiben, gehst Du dreist über diese wie weitere hervorgebrachte Aussagen hinweg und versuchst, den Thread vom Thema wegzubringen. Auf die Berichte und Beschwerden gehst Du ebensowenig ein wie auf die beschriebene Situation in anderen Ländern oder auch die (verlinkten) Aussagen beider Seiten. Zur "Christianisierung" gehört auch das Thema Kreuze und Religionssymbole an Schulen. Wenn man sich die Augen zuhält, kann man auch nichts sehen - das wussten wir schon vorher.

Ich behaupte auch nicht, das der Unterricht in allen (!) Schulen gefärbt oder gar manipuliert ist - es gibt auf jeden Fall eine wachsende Zahl konkreter Beschwerden aus den verschiedenen Bundesländern - von Eltern oder betr. Schülern (die übrigens nicht vom HVD "gesteuert" werden, falls Du jetzt damit kommst).

nochmal zum HVD:

es geht hier NICHT um den HVD (wenn Dir daran etwas liegt, mach einen eigenen Thread auf o.ä.). Sicher ist der HVD insoweit weltanschaulich, da er - wie eine Reihe ähnlicher Gruppierungen, Initiativen und Verbände - den Humanismus bzw. Nichtkonfessionelle "vertritt".

Ein Großteil der mehr oder weniger aktiven "Mitstreiter" sind keine offiziellen Mitglieder, das sieht die Arbeit des Verbandes so auch klar vor. Wer die Arbeit moderner Verbände, Initiativen oder auch Organisationen etwas kennt, weiß das sie eher als offene Plattformen agieren - offen für jeden oder jederzeit, der die Mitarbit oder Unterstützung einer Gruppierung sucht - und das Vereinsmeierei und Mitgliedswerbung usw. meist nicht mehr im Vordergrund der Aktivitäten sind. Auf diese Weise arbeiten und funktionieren heute eine ganze Reihe der namhaftesten Bürgerrechtsgruppen / -initiativen im Land, wo ich mich u.a. engagiere.

Nebenbei: nicht jeder Verband, der Mitglieder sucht bzw. um diese "wirbt" ist damit "weltanschaulich" - eine seltsame Interpretation.

Hier geht es eigentlich auch nicht um Lebenskundeunterricht (das Thema hast Du hier "reingezerrt"), denn einen solchen gibt es m.W. bisher in keiner deutschen Schule. Grundsätzlich würde ich - wollte man das Fach Ethik wie Religion ersetzen oder den Lehrplan umgestalten - auch offen für ein alternatives Fach sein, das sich allein mit wissenschaftlich anerkannten Inhalten befasst und den Schülern konkrete Kompetenzen im Umgang miteinander oder der Umwelt vermittelt (auf Basis der auch universitäten Wissensbereiche wie Sozialwissenschaft, Psychologie, Medizin, Medienrecht/Journalismus, Internet-Technologien usw. -> Philosophie - was manche auch fordern - sähe ich dagegen eher "schwierig"). Es steht Dir frei zu diesem einen eigenen Thread aufzumachen..

Ebenso ist immer noch "offen", warum denn Religiöse keiner "Unterweisung in Sittlichkeit" bedürfen. Der Religionsunterricht kann eine solche nicht garantieren (was auch jedem Christen spätestens dann klar werden dürfte, wenn es sich um islamischen Religionsunterricht handelt.).
Manipulation
Ja,
allerdings ist nicht immer eindeutig, WER hinter welcher Manipulation steckt. Nicht selten entwickeln Manipulationen (z.B. wenn diese schon lange existieren bzw. über viele Generationen hinweg erfolgten) eine zusätzliche "Eigendynamik", deren Verantwortlichkeiten recht komplex und nicht immer eindeutig zugeordnet werden können. Manipulation wird und ist besonders erfolgreich, wenn die Manipulierten die Manipulation unbewusst und unkritisch ("Moral", "weil, das ist so..." usw.) weitergeben.

Demnach kann z.B. auch ein Ethik-Lehrer "manipuliert" sein - z.B. wie in einem mir bekannten Fall, wo eine Theologin als Ethik-Lehrerin arbeitet(e) - genauso auch der Lehrplan in seiner "konkreten Ausgestaltung", ebenso aber auch die zuständige Verwaltungsbehörde usw.

So einfach ist es demnach nicht, Christel!

Momentan versuchst Du jedenfalls den Thread zu manipulieren, indem Du immer wieder off-topic gehst.

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