Welche Taufe?

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Christel
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Welche Taufe?

Ungelesener Beitrag von Christel » Sonntag 21. Januar 2018, 22:14

Die Taufe wird unter Christen heute kontrovers diskutiert.

„Welche Taufe?“ fragt auch Paulus im Bericht des Lukas (Apg 19,3):
„Mit welcher Taufe seid ihr denn getauft worden?“
„Sie antworteten: Mit der Taufe des Johannes.“

Es war die Taufe der Umkehr:
"Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.“ (Mt 3,5-6)
Paulus bestätigt das:
„Paulus sagte: Johannes hat mit der Taufe der Umkehr getauft und das Volk gelehrt, sie sollten an den glauben, der nach ihm komme: an Jesus.“ (Apg 19,4)
Ist doch die perfekte Taufe, oder?
Die Menschen, die sich taufen lassen sind Erwachsen. Sie bekennen ihre Sünden und lassen sich untertauchen als Zeichen, dass sie ihr Leben nun ändern wollen.
Der Glaube an Jesus, so die Apostelgeschichte, war auch dabei.

Also perfekt! Das ist die einzig richtige christliche Taufe, oder?

Doch offensichtlich erkennt Paulus diese Taufe nicht an, denn er tauft sie nochmal:
„Als sie das hörten, ließen sie sich auf den Namen Jesu, des Herrn, taufen. Paulus legte ihnen die Hände auf und der Heilige Geist kam auf sie herab; sie redeten in Zungen und weissagten. (Apg. 19,5-6)
Weshalb fand Paulus die Umkehr und die Taufe durch Untertauchen dieser Männer nicht ausreichend? Weshalb taufte er sie noch mal? Was ist das Besondere an der christlichen Taufe?
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

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Re: Welche Taufe?

Ungelesener Beitrag von Ga-chen » Freitag 2. Februar 2018, 16:25

Christel hat geschrieben:
Sonntag 21. Januar 2018, 22:14
Die Taufe wird unter Christen heute kontrovers diskutiert.

„Welche Taufe?“ fragt auch Paulus im Bericht des Lukas (Apg 19,3):
„Mit welcher Taufe seid ihr denn getauft worden?“
„Sie antworteten: Mit der Taufe des Johannes.“

Es war die Taufe der Umkehr:
"Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.“ (Mt 3,5-6)
Paulus bestätigt das:
„Paulus sagte: Johannes hat mit der Taufe der Umkehr getauft und das Volk gelehrt, sie sollten an den glauben, der nach ihm komme: an Jesus.“ (Apg 19,4)
Ist doch die perfekte Taufe, oder?
Die Menschen, die sich taufen lassen sind Erwachsen. Sie bekennen ihre Sünden und lassen sich untertauchen als Zeichen, dass sie ihr Leben nun ändern wollen.
Der Glaube an Jesus, so die Apostelgeschichte, war auch dabei.

Also perfekt! Das ist die einzig richtige christliche Taufe, oder?

Doch offensichtlich erkennt Paulus diese Taufe nicht an, denn er tauft sie nochmal:
„Als sie das hörten, ließen sie sich auf den Namen Jesu, des Herrn, taufen. Paulus legte ihnen die Hände auf und der Heilige Geist kam auf sie herab; sie redeten in Zungen und weissagten. (Apg. 19,5-6)
Weshalb fand Paulus die Umkehr und die Taufe durch Untertauchen dieser Männer nicht ausreichend? Weshalb taufte er sie noch mal? Was ist das Besondere an der christlichen Taufe?
Warum er das tat? Das ist ganz einfach....Taufe zur Umkehr gab es in Israel schon, jetzt aber ging es darum, im Namen Jesu getauft zu werden, was durch Jesu Tod und Auferstehung die Bedeutung bekam, mit Jesus in seinen Tod getauft zu werden (der alte Mensch mit seinen Sünden stirbt) und mit ihm (als neuer Mensch, neue Schöpfung) zu ewigem Leben aufzuerstehen, obwohl die Taufe nur ein öffentliches Symbol der Zugehörigkeit ist, denn due neue Geburt, die Geistzeugung, geschieht ja in dem Moment, wo man Sünden Erkenntnis hat und Jesus in seinem Leben als Herrn "annimmt".
Und das war sicher auch Untertauchen von Erwachsenen....
Liebe Grüße von Ga-chen

„Jesus muss wohl Student gewesen sein: Er wohnte bei seiner Mutter, er hatte lange Haare, er war der Anführer einer Protestgruppe, er trank laufend Wein, und wenn er schon mal was tat, war's ein Wunder."
Willy Meurer (*1934), deutsch-kanadischer Kaufmann, Aphoristiker und Publizist, Toronto

Christel
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Re: Welche Taufe?

Ungelesener Beitrag von Christel » Sonntag 4. Februar 2018, 12:52

Das sehe ich genauso!

Paulus sagt:
„wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?“ (Röm 6,3)

In diesem Text weißt Paulus auf die Umkehr hin „nicht Sklaven der Sünde bleiben“ (ähnlich wie bei der Taufe des Johannes) und gleichzeitig auf Tod und Auferstehung Jesus „mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde“. Doch gleichzeitig sollen die Getauften schon jetzt als „als neue Menschen leben“ (Röm 6,4)

Über Jesu Tod nachdenkend fiel mir Joh 18,36 ein „Jesus antwortete: Mein Königreich ist nicht von dieser Welt“.

Ich hatte diese Stelle immer schnell als Beschwichtigung gedeutet („Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen“) und als Hinweis auf des „ewige Leben“, das Reich im Jenseits.
Nun kam mir spontan in den Sinn: „Das stimmt ja gar nicht!“

„Mein Königreich ist nicht von dieser Welt“ kann man genauso gut als Drohung verstehen. Egal was Pilatus tut, egal was er beschließt, Jesu Königreich ist nicht von dieser Welt und daher auch nicht durch die Machtmittel dieser Welt zu zerstören.

Die Tatsache, dass laut Johannes, Pilatus sich fürchtet und Jesus freilassen will, spricht für diese Deutung. Ebenso die Inschrift des Schildes, welches „Pilatus anfertigen und oben am Kreuz befestigen ließ und auf dessen Wortlaut er bestand: „Jesus von Nazaret, der König der Juden.“ (Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst.“ (vgl. Joh 19)

Natürlich kann man fragen, hat sich das historisch genau so abgespielt?
Man steht damit jedoch in der Gefahr, das was Johannes sagen wollte, beiseite zu schieben. Allein mit der historischen Methode kommt man der Wahrheit über Jesus (darum ging es Johannes) nicht nahe.

Johannes beschreibt Jesus als König, der sein Reich mitten in dieser Welt aufrichtet, zwar von anderer Art als alle bisherigen Reiche, aber doch mitten in dieser Welt und daher ereilt Jesus ein politisches Urteil. („Politik“ stammt vom griechischen Wort für Stadt „πόλη“ „polis“ ab.)

Von hier aus blicke ich nun zurück auf die Botschaft, die Jesus immer verkündete und die er auch seinen Jüngern, die er als Apostel (Boten) sandte auftrug: Die Botschaft vom „Reich Gottes“.

Jesus sagt: „Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe, dann ist das Reich Gottes schon zu euch gekommen.“ (Mt 12,28)
Dort, wo Jesus ist und wirkt, da ist schon befreite Zone, da „ist das Reich Gottes schon zu euch gekommen“.

Das Reich, das Königreich ist hier dasselbe Wort „Βασιλεια“, welches auch Johannes verwendet (vgl. Joh 18,36)

Fazit für die Taufe:
Wer auf Jesus getauft ist, der ist nicht nur, wie bei Johannes dem Täufer, auf eine individuelle Umkehr getauft, sondern der ist auf Jesus und seine Botschaft getaut, auf Jesus und das von ihm verkündete Reich, die „Βασιλεια“.
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Re: Welche Taufe?

Ungelesener Beitrag von Ga-chen » Mittwoch 7. Februar 2018, 16:38

Interessante Gedanken, Christel 😊
Liebe Grüße von Ga-chen

„Jesus muss wohl Student gewesen sein: Er wohnte bei seiner Mutter, er hatte lange Haare, er war der Anführer einer Protestgruppe, er trank laufend Wein, und wenn er schon mal was tat, war's ein Wunder."
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