Ist ein säkularer Staat ein atheistischer Staat?

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Christel
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Ist ein säkularer Staat ein atheistischer Staat?

Ungelesener Beitrag von Christel » Samstag 3. März 2018, 20:35

Anlass meiner Frage ist dies:
Aus „Reformationstag als Feiertag – Humanisten sind dagegen“
Vertreterinnen und Vertreter des Humanistischen Verbandes in Niedersachsen beklagen die politische Ignoranz gegenüber der „säkulare(n) Position“. Ein Drittel der Bevölkerung Niedersachsens bliebe bei einem weiteren religiösen Feiertag unberücksichtigt. Ein neuer gesetzlicher Feiertag, so der HVD Niedersachsen, der Körperschaft des öffentlichen Rechts ist, müsse ein Tag sein, an dem alle einen Grund zum Feiern haben. Die Forderung lautet: kein religiöser konfessioneller Feiertag, sondern ein nichtreligiöser „Feiertag für alle“. http://ezw.kjm6.de/nlgen/tmp/1519120880.htmlIm
Im Grunde geht es diesem atheistischen Verband darum, dass „religiöse“ Feiertage nicht mehr sein sollen. Doch wird mehr und mehr alles Religiöse aus dem öffentlichen Leben und öffentlichem Gedächtnis verbannt, dann wird aus einem säkularen Staat ein atheistischer Staat!

Ist ein Staat säkular, dann hat jeder Bürger unabhängig von seiner Religion und Weltanschauung gleiche Rechte.
Versteht sich ein Staat jedoch als atheistisch, dann ist die privilegierte Weltanschauung der Atheismus. Damit verhält sich der Staat nicht mehr neutral. – Das hatten wir schon.

Ich bin katholisch. Der Reformationstag ist kein katholischer Feiertag. Trotzdem halte ich ihn gerade für Niedersachsen für längst überfällig, denn
„Der größte Teil Niedersachsens ist nach der Reformation durch die Evangelisch-lutherischen Kirchen geprägt“. Die evangelischen Kirchen bilden mit 45,7 % die größte Konfession. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Niedersachsen

Zudem sind „Feiertage“ Gedenktage. Anlässe um zu fragen, wodurch wurden wir geprägt?

„Wie groß war Luthers Einfluss auf unsere Sprache?“
https://www.uni-bonn.de/neues/228-2014

Wie tickt Deutschland?
Vor 500 Jahren gingen wesentlich vom deutschsprachigen Raum Veränderungen aus, die sich tief in die Weltgeschichte eingeschnitten haben. Seitdem gibt es im Christentum die Trennung zwischen protestantischen Konfessionen und ka¬tholischer Kirche. Seitdem entwickelten sich die Gewissensfreiheit des Einzelnen, die deutsche Sprache, wie wir sie heute kennen, und das heutige Berufsverständnis. Was damals geschah, heißt heute Reformation.
https://www.deutschland.de/de/topic/leb ... eformation
Dass das christliche Abendland in mehrere Konfessionen zerfiel, hatte nicht nur religiöse Auswirkungen, es prägte auch die Kultur sowie die Landes- und Reichspolitik. Auf ihrem langen Weg vom mittelalterlichen Personenverband zum modernen institutionalisierten, durchbürokratisierten Flächenstaat erfuhr die Gemeinschaftsbildung "Staat" durch ihre innige Verschmelzung mit der Konfession einen Modernisierungsschub. Welche Voraussetzungen hatte die Reformation? Was waren wichtige Stationen? Und wie wirkt sie heute fort?
http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-g ... formation/
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

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