Umfrage: USt-Id für den Bundestag

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emery
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Umfrage: USt-Id für den Bundestag

Ungelesener Beitrag von emery » Freitag 21. Juni 2019, 15:48

Was bedeutet es für dich, dass der Bundestag eine USt-Id hat? Ich denke, wir brauchen hier mal ein Meinungsbild. Ich starte daher eine Umfrage. ;)

Bitte beantworte jede Frage auf einer Sakala von 1 bis 4 (1: stimme begeistert zu, 2: könnte sein, 3: weiss nich, 4: absoluter bullshit).

[ ] Es ist eine pragmatische Lösung, die den öffentlichen Körperschaften ermöglicht Vorsteuer abzusetzen und Waren umsatzsteuerfrei aus der EU zu importieren.

[ ] Es ist ein Zeichen für die zunehmende Kommerzialisierung staatlicher Institutionen.

[ ] Das Streben nach Gewinn im kontinuierlichen, rationalen kapitalistischen Betrieb ist das einzig mögliche Prinzip einer zukunftsfähigen Gesellschaft.

[ ] Die Arbeiter und Bauern unter den Parlamentariern erzeugen einen Mehrwert, der besteuert werden muss.

[ ] Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon (Mt 6,24).

[ ] Wir leben in einer Cyperpunk-Dystopie, in der wir von bösartigen Megacorps beherrscht werden.

[ ] Ich warte noch auf einen Artikel von RT dazu, damit ich mir eine ausgewogene Meinung bilden kann.

[ ] Jesus hat die Händler aus dem Tempel vertrieben. Irgendwo müssen die jetzt schließlich abhängen dürfen.

[ ] Wenn 709 Affen, die zufällig auf ein Smartphone tippen, eine USt-ID erzeugen, dann widerlegt das nicht die Evolution.

[ ] Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist (Mt 22,21).

[ ] Eine USt-Id macht sich gut auf der Visitenkarte, wenn man auf Ibiza mit Oligarchinnen verhandelt.

[ ] Die MAchtEliten sind an allem Schuld!!

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Re: Umfrage: USt-Id für den Bundestag

Ungelesener Beitrag von Familienname B. » Freitag 21. Juni 2019, 20:22

Gut gemacht emery!
Aber die Causa ist doch recht simpel!
Du und ich - wir gründen eine Firma im Rechtskreis Handelsrecht.
Bedeutet :
Geschäftsbedingungen
Haftung
Anträge
Name.
Dann leiste ich einen Eid und du (als juristische Person) an Eides statt - auf das Grundgesetz.
Wir beede nennen unsere Firma : "Volksvertretung".
Die Wahl lass´mer mal hier wech...sonst wird es zu kompliziert...
Frage: Sind wir dann im Rechtskreis Hoheitsrecht? ??
Können wir dann Steuern & Abgaben erheben?


Wenn man oder frau die richtige Ableitung hat, ist Recht immer einfach.

Im übrigen gelten URalte Gesetze & Verordnungen, die meisten hier würden es nicht glauben...

Wir ordnen und befehlen hiermit allen ernstes, daß die Advokaten schwarze Mäntel, welche bis über die Knie gehen, unser Verodnung gemäß tragen, damit man die Spitzbuben schon von weiten erkennt.
Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. als Kabinettsorder vom 15.02.1726.

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Re: Umfrage: USt-Id für den Bundestag

Ungelesener Beitrag von emery » Freitag 21. Juni 2019, 21:15

Öhhmmm. Soviel begeisterte Zustimmung zu allen Punkten hatte ich jetzt echt nicht erwartet ... ich bin sprachlos. *rotfl*

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Re: Umfrage: USt-Id für den Bundestag

Ungelesener Beitrag von Familienname B. » Freitag 21. Juni 2019, 21:48

:| Das isses ja - viele lesen und haben nicht den Schneid auf eine eigene Meinung hier.
> Das ist echt traurig emery :|

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Re: Umfrage: USt-Id für den Bundestag

Ungelesener Beitrag von emery » Samstag 22. Juni 2019, 12:25

Hi, Familienname B., ich habe mich etwas von meiner Verblüffung erholt. Ich weiss zwar immer nocht nicht, was ich gut gemacht habe, aber vielen lieben Dank für die Blumen.

Warum möchtest du eine Firma mit dem Namen Volksvertretung gründen?
Familienname B. hat geschrieben:
Freitag 21. Juni 2019, 20:22
Frage: Sind wir dann im Rechtskreis Hoheitsrecht?
Nein.
Können wir dann Steuern & Abgaben erheben?
Nein.

Recht beruht nicht auf Magie. :)

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Re: Umfrage: USt-Id für den Bundestag

Ungelesener Beitrag von Christel » Donnerstag 27. Juni 2019, 22:24

emery hat geschrieben:
Freitag 21. Juni 2019, 15:48
Was bedeutet es für dich, dass der Bundestag eine USt-Id hat?
Hallo emery,
ich vermute Du weißt dazu mehr. Vielleicht kannst du uns aufklären?
Ich weiß, dass sich im Öffentlichen Dienst demnächst bezüglich der Umsatzsteuer etwas ändern wird, aber Art, Sinn und Zweck sind mir bisher entgangen.
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

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Re: Umfrage: USt-Id für den Bundestag

Ungelesener Beitrag von Christel » Donnerstag 27. Juni 2019, 23:12

Oder meinst Du das: Werden Waren im Ausland eingekauft (z.B. Druckerzeugnisse) dann wird die Umsatzsteuer erst in Deutschland fällig. Daraus folgt, auch Behörden benötigen eine Umsatzsteuer-ID.
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Re: Umfrage: USt-Id für den Bundestag

Ungelesener Beitrag von emery » Freitag 28. Juni 2019, 13:41

Anlass war der Thread "Politik - Glaubt hier jemand das sich durch WAHLEN etwas wirkliches ändert?", wo Familienname B. erwähnt, dass der Landkreis Eichsfeld eine USt-IdNr. hat (Landrat = Geschäftsführer), und die darauf folgende Diskussion.

Das geht zurück auf die Änderung des Umsatzsteuergesetzes vom 2. November 2015. Damit gelten öffentliche Körperschaften im allgemeinen als Unternehmer. Öffentliche Körperschaften sind zum Beispiel die Gemeinde, der Landkreis, der Landtag, der Bundestag und auch Kirchengemeinden. Das gilt so seit Anfang 2016, ist also nichts Neues, was erst noch auf uns zukommt.

Wenn du als Privatperson Waren im Ausland kaufst, zahlst du die Umsatzsteuer im Ausland. Für Unternehmen innerhalb der EU gibt es eine Regelung zur innergemeinschaftlichen Verbringung. Diese Lieferungen sind im allgemeinen für die Unternehmen steuerfrei. Als Nachweis der Berechtigung gibt das Unternehmen dem Zulieferer seine USt-Id an. Im Groben: Die USt-Id wird nur an Unternehmen vergeben. Ein Unternehmen ist eine Körperschaft, die Gewinne erziellen will.

Was mich und Familienname B. bekümmert ist, was das über unsere staatlichen Einrichtungen sagt.

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Re: Umfrage: USt-Id für den Bundestag

Ungelesener Beitrag von Familienname B. » Sonntag 30. Juni 2019, 10:51

Nein - öffentliche Körperschaften sind keine Firmen!

Das wäre eine glatte Lüge.

Wenn der Pöbel ist zu dumm, dann lacht sich halt die Herrschaft krumm.

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Re: Umfrage: USt-Id für den Bundestag

Ungelesener Beitrag von Christel » Sonntag 30. Juni 2019, 18:58

Hallo emery,
danke für die Antwort, ja es hängt mit dem Gesetz von 2015 zusammen. Aber es gibt Übergangsfristen.
„Ab dem 1.1.2021 gelten die neuen Vorschriften des UStG ausnahmslos für alle steuerbaren und steuerpflichtigen Leistungen.“ https://www.haufe.de/finance/steuern-fi ... 67974.html
Und:
„Die gewerblich gelieferten Waren gelangen grundsätzlich unversteuert über die innergemeinschaftlichen Grenzen. Die Belastung mit der Umsatzsteuer erfolgt erst im Bestimmungsland“ https://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Steue ... _node.html
Ich vermute mal, dies hängt generell mit der Umstellung des Rechnungswesens in der Öffentlichen Verwaltung zusammen. Vor Jahren wurde dort von Kameralistik auf Doppik umgestellt. Ein Grund: Die kameralistische Buchführung bildet nur ungenügend die Vermögenswerte ab. Die Öffentlichkeit verlangt Transparenz. Dasselbe gilt für die Kirchen. Woher soll ein Bischof das Vermögen seines Bistums kennen? Was ist eine marode Dorfkirche materiell wert? Das kann nur eine Buchführung bringen, die wie in anderen Bereichen funktioniert und damit vergleichbare Werte liefert.
emery hat geschrieben:
Freitag 28. Juni 2019, 13:41
Im Groben: Die USt-Id wird nur an Unternehmen vergeben. Ein Unternehmen ist eine Körperschaft, die Gewinne erziellen will.

Was mich und Familienname B. bekümmert ist, was das über unsere staatlichen Einrichtungen sagt.
Nein, darum geht es nicht. Das ist ein Fehlschluss!

Man kann den Öffentlichen Bereich wie ein Unternehmen betrachten. Es werden Menschen beschäftigt, es werden Aufträge vergeben, aber anders als ein privatwirtschaftliches Unternehmen ist das Ziel das „Gemeinwohl“. Wer sich in seiner Stadt… umschaut stellt fest, dass der Öffentliche Dienst „Produkte“ erstellt, die keine Gewinne abwerfen, sondern im Gegenteil bezuschusst werden, Bildung und Kultur, um nur zwei Stichworte zu nennen.

Ansonsten, siehe Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen
Dagegen gehören zum Aggregat des öffentlichen Sektors öffentliche Unternehmen, Körperschaften des Privatrechts und Anstalten des öffentlichen Rechts (Kommunalunternehmen); sie stellen eine Mischform dar und unterliegen – wie auch Vereine – meist dem Kostendeckungsprinzip.
Sie dienen also nach wie vor nicht dazu Gewinne zu erwirtschaften.
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

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Re: Umfrage: USt-Id für den Bundestag

Ungelesener Beitrag von emery » Montag 1. Juli 2019, 14:00

Hi Christel,
Christel hat geschrieben:
Sonntag 30. Juni 2019, 18:58
Aber es gibt Übergangsfristen.
Ja, es gibt Übergangsfristen. Die Verwaltungen wussten seit November 2015, dass etwas auf sie zukommt. Und um die von dir genannte Frist ausnutzen zu können, mussten Sie bis 31. Dezember 2016 eine entsprechende Erklärung eingereicht haben.
Und:
„Die gewerblich gelieferten Waren gelangen grundsätzlich unversteuert über die innergemeinschaftlichen Grenzen. Die Belastung mit der Umsatzsteuer erfolgt erst im Bestimmungsland
Das gilt für den innergemeinschaftlichen Erwerb. Also nur für Unternehmen. Wenn du ein Stück weiter liest, findest du im gleichen Text: "Im nichtkommerziellen Warenverkehr [...] wurde weitgehend auf den umsatzsteuerlichen Grenzausgleich, nämlich die Entlastung von der Umsatzsteuer bei der Ausfuhr und die entsprechende Belastung bei der Einfuhr (Bestimmungslandprinzip), verzichtet. Diese Waren bleiben mit der Umsatzsteuer des Ausfuhr-Mitgliedstaates belastet (Urpsrungslandprinzip)."

Wenn du privat ein Kleines Schwarzes in Mailand bestellst, zahlst du die italienische Mehrwertsteuer. Wenn du es als Unternehmer kaufst, wegen der vielen Auslandsreisen mit dem Bundeswirtschaftsminister, und das Finanzamt überzeugen kannst, dass eine private Nutzung ausgeschlossen ist, dann ist es umsatzsteuerfrei. Wenn du das Finanzamt davon nicht überzeugen kannst, dann erklärst du die Umsatzsteuer und zahlst in Deutschland.
Ich vermute mal, dies hängt generell mit der Umstellung des Rechnungswesens in der Öffentlichen Verwaltung zusammen.
Ich sehe da keinen direkten rechtlichen Zusammenhang. Die freiwillige doppelte Buchführung in der Verwaltung wurde ermöglicht durch das HGrG von 2010 (auf Landesebene: ThürKDG). Was den Gesetzgeber dazu motiviert hat, weiss ich nicht. Kann man in der Gesetzvorlage nachlesen. Die Sache mit der Umsatzsteuer für öffentlich Körperschaften geht dagegen zurück auf die MwStSysRL der EU und Äußerungen des Bundesfinanzhofs. Die Idee dabei ist, dass die unbesteuerte, öffentliche Tätigkeit zu Wettbewerbsverzerrungen führe. Das heißt, die öffentliche Hand wird in direkter Konkurrenz mit privaten Unternehmen gesehen.
Die kameralistische Buchführung bildet nur ungenügend die Vermögenswerte ab.
Die doppelte Buchführung macht Bilanzen transparenter. Das ist alles.
Die Öffentlichkeit verlangt Transparenz.
Wenn man auf kreis-eic.de das Stichwort Bilanz eingibt, dann erhält man die Weinachtsrede des Landrats mit der Hohlphrase '"die Bilanz des Erreichten kann sich sehen lassen". Die Bestätigung der Eröffnungsbilanz hat fast vier Jahre gebraucht. Die internen Verhandlungen über die Schätzung der Vermögenswerte sind nicht öffentlich dokumentiert. Der letzte öffentliche Jahresabschluss ist von 2013 (dreizehn). Ich nehme daher vielen der Doppik-Vertreter nicht ab, dass sie irgendein Interesse an öffentlicher Transparenz haben. Höre die Worte, guck auf die Taten.
Woher soll ein Bischof das Vermögen seines Bistums kennen? Was ist eine marode Dorfkirche materiell wert?
Gute Frage. Der Bischof könnte den Wert raten, wie alle anderen es auch tun. Man kann auch einen Gutachter dafür bezahlen, dass er seine berufliche Meinung zu dem Ratespiel beiträgt. Am Ende wählt man den Betrag, der für die eigenen Interessen den günstigsten Eindruck in der Bilanz macht.
Das kann nur eine Buchführung bringen, die wie in anderen Bereichen funktioniert und damit vergleichbare Werte liefert.
Die Schätzung der Vermögenswerte ist unabhängig von der Form der Buchführung. Die doppelte Buchführung erleichtert es lediglich, im Nachhinein die Bilanz zu ziehen.
Man kann den Öffentlichen Bereich wie ein Unternehmen betrachten.
Kann man. Soll man?
aber anders als ein privatwirtschaftliches Unternehmen ist das Ziel das „Gemeinwohl“.
Sollte. Aber ist?
Wer sich in seiner Stadt… umschaut stellt fest, dass der Öffentliche Dienst „Produkte“ erstellt, die keine Gewinne abwerfen, sondern im Gegenteil bezuschusst werden, Bildung und Kultur, um nur zwei Stichworte zu nennen.
Kommerzsprech. Die "Produkte" stellst du noch in Anführungszeichen, den "Zuschuss" schon nicht mehr. Was ist mit den Kunden der Arbeitsagentur? Willst du "Kunden" in Anführungszeichen setzen? Willst du "Agentur" in Anführungszeichen setzen?

Der Staat leistet Zuschüsse zum Beispiel für Fotovoltaik oder Kohlebau, indem er zu dem Gewinn privater Unternehmen etwas hinzulegt. Aber die Verwaltungen, die Parlamente, die Unterhaltung von Universitäten und Schulen sind (bisher) kein Zuschussgeschäft. Ich denke, der Staat hat Ausgaben, Punkt. Ausgaben für Sachen im Interesse des Gemeinwohls. Diese sollten aus Steuermitteln bestritten werden und nicht durch Zuschüsse zum Geschäft mit Wunschkennzeichen, Souvenirs oder Zuschüssen zu Finanzspekulationen mit kommunalem Kapital.
Ansonsten, siehe Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen
Ja, siehe genau da. Im ersten Satz: "Ein Unternehmen ist eine wirtschaftlich selbständige, gewinnorientierte Organisationseinheit" (Hervorhebung von mir). Ich wollte nicht in Zweifel stellen, dass öffentliche Unternehmen meist einem Kostendeckungsprinzip unterliegen. Deshalb sagte ich "im Groben". Den rechtlichen Grundsatz der Kostendeckung gibt es aus guten Gründen. Ich seh die Tendenz, dass diese Gründe zunehmend in Vergessenheit geraten.

p. s. Die Einführung der Doppik hat dazu geführt, dass die Kommunalvertreter mit kiloschweren Papierstapeln voller Zahlen und roter, grüner, gelber Ampeln beschwert und beschäftigt werden. Alle müssen darüber reden, wie gut diese oder jene Behördenstelle ihr Budget einhält und zusätzliche Einnahmen erzielt. Wo ist die Zeit für die Fragen: Wie gut erfüllt eine Behörde ihre Aufgaben für das Gemeinwohl? Ist das Personal ausreichend? Ausreichend qualifiziert? -- Dazu trägt die Doppik nix bei.

Christel
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Re: Umfrage: USt-Id für den Bundestag

Ungelesener Beitrag von Christel » Freitag 5. Juli 2019, 21:54

Ich bin keine Buchhalterin. Aber Kameralistik bringe ich mit der Aufzeichnung von Einnahmen und Ausgaben in Verbindung, während Doppik zusätzlich den Ressourcenverbrauch aufzeichnet und so die Vermögenswerte… erfasst. Diese Seite habe ich dazu gefunden: https://www.rechnungswesen-verstehen.de ... eralistik/
emery hat geschrieben:
Montag 1. Juli 2019, 14:00
Man kann den Öffentlichen Bereich wie ein Unternehmen betrachten.
Kann man. Soll man?
Das ist ein möglicher Fokus u.a., es ist in der Hinsicht sinnvoll, da wirtschaftlich mit unseren Steuergeldern umgegangen werden soll.
emery hat geschrieben:
Montag 1. Juli 2019, 14:00
aber anders als ein privatwirtschaftliches Unternehmen ist das Ziel das „Gemeinwohl“.
Sollte. Aber ist?
Das ist das Ziel! – In der Praxis wird es verwirklicht. Die Frage ist lediglich, ob das immer 100%ig klappt.
emery hat geschrieben:
Montag 1. Juli 2019, 14:00
Wer sich in seiner Stadt… umschaut stellt fest, dass der Öffentliche Dienst „Produkte“ erstellt, die keine Gewinne abwerfen, sondern im Gegenteil bezuschusst werden, Bildung und Kultur, um nur zwei Stichworte zu nennen.
Kommerzsprech. Die "Produkte" stellst du noch in Anführungszeichen, den "Zuschuss" schon nicht mehr. Was ist mit den Kunden der Arbeitsagentur? Willst du "Kunden" in Anführungszeichen setzen? Willst du "Agentur" in Anführungszeichen setzen?
„Produkte“ setze ich absichtlich in Anführungszeichen, denn das Wort „Produkte“ bringe ich im Produktion und Waren in Verbindung, aber das ist es nicht. Bei Fremdsprachen nennt man Wörter, die deutschen Wörtern ähneln, aber in der anderen Sprache etwas anderes bedeuten „falsche Freunde".

Also ein „Produkt“ in der Verwaltung ist keine Ware, sondern eine „Aufgabe“, die auf diese Weise abgerechnet wird. So könnte eine Gedenkstätte ein „Produkt“ sein, deren Erhalt und Betrieb auf diese Weise abgerechnet wird.
emery hat geschrieben:
Montag 1. Juli 2019, 14:00
Aber die Verwaltungen, die Parlamente, die Unterhaltung von Universitäten und Schulen sind (bisher) kein Zuschussgeschäft. Ich denke, der Staat hat Ausgaben, Punkt. Ausgaben für Sachen im Interesse des Gemeinwohls. Diese sollten aus Steuermitteln bestritten werden und nicht durch Zuschüsse zum Geschäft mit Wunschkennzeichen, Souvenirs oder Zuschüssen zu Finanzspekulationen mit kommunalem Kapital.
Ich denke, es gibt ganz unterschiedliche wirtschaftliche Einheiten. ..
Für Verwaltungen… ist Zuschuss sicher nicht das richtige Wort.
Aber in manchen Bereichen sind auch Einnahmen zu erbringen. Auch die sind ganz unterschiedlicher Art, z.B. Eintrittsgelder, Verwaltungsgebühren. – Man kann verzichten und es ganz aus Steuermitteln begleichen, das ist aber nicht unbedingt wirtschaftlich. (Stichwort: Was nichts kostet wird nicht geschätzt. Wird ein Ausweis kostenlos ersetzt, braucht man öfter einen neunen…)
emery hat geschrieben:
Montag 1. Juli 2019, 14:00
Die Sache mit der Umsatzsteuer für öffentlich Körperschaften geht dagegen zurück auf die MwStSysRL der EU und Äußerungen des Bundesfinanzhofs. Die Idee dabei ist, dass die unbesteuerte, öffentliche Tätigkeit zu Wettbewerbsverzerrungen führe. Das heißt, die öffentliche Hand wird in direkter Konkurrenz mit privaten Unternehmen gesehen.
Das sollte nicht sein! – Aber, ob die Umsatzsteuer da hilft?

Normalerweise muss schon im Vorfeld bedacht, abgegrenzt werden, welche Leistungen besser durch private Unternehmen erbracht werden. – Überschneidungen lassen sich sicher nicht immer ganz vermeiden. – Wird zum Beispiel ein Bildungsangebot bereitgestellt bei denen öffentliche Drucker/Kopierer zum Einsatz kommen, dann sollten die Drucke nicht niedriger sein als im Kopie Shop nebenan. Einmal führt das sonst zu Wettbewerbsverzerrungen, zum anderen kann dann sehr schnell das eigentliche „Produkt“ die Bildung drunter leiden, weil alle zum Kopieren kommen.

Gebühren müssen alle von den gewählten Volksvertretern (Stadträten…) genehmigt werden. Das ist die Stelle, wo das geprüft werden sollte.
Aber was sie Umsatzsteuer hier bewerkstelligen soll, ist mir immer noch nicht klar. Außerdem, es wird ja alles einbezogen, selbst die geringste Gebühr, auch dort, wo keine nennenswerten Einnahmen erzielt werden.
emery hat geschrieben:
Montag 1. Juli 2019, 14:00
Alle müssen darüber reden, wie gut diese oder jene Behördenstelle ihr Budget einhält und zusätzliche Einnahmen erzielt. Wo ist die Zeit für die Fragen: Wie gut erfüllt eine Behörde ihre Aufgaben für das Gemeinwohl? Ist das Personal ausreichend? Ausreichend qualifiziert? -- Dazu trägt die Doppik nix bei.
Das stimmt. Das sagt nichts über die Qualität aus. Aber die Behörde als „Unternehmen“ ist ja auch nur ein möglicher Fokus.
Es gibt dann auch noch z.B. so etwas:
München erhält erneut Qualitätssiegel "Soziale Stadt"
https://www.muenchen.de/aktuell/2015-11 ... hnung.html
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

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Die Systemschwätzer in der Kneffelbude mögen keinerlei deutsches Fleisch!

Ungelesener Beitrag von Familienname B. » Sonntag 21. Juli 2019, 17:51

Die Münchner Abendzeitung vom 11. Juli 2019 weis folgendes zu berichten:
"Mit einer Wutrede über die Speisekarte eines Bundestags- Restaurants hat ein Landwirt aus Schleswig - Holstein einen Internet - Hit gelandet. Thomas Andresen vom Hof Barslund in Sillerup beklagt in seinem Video, daß in dem Parlaments- Lokal "nicht ein einziges Stück Fleisch aus Deutschland" angeboten werde. "Ist den Herren und Damen Bundestagsabgeordneten unser Fleisch nicht gut genug?". Bei Facebook wurde das Video bis gestern mehr als 500.000 Mal abgerufen.
Auslöser war ein Foto daer Wochenkarte, das die FDP - Abgeordnete Carina Konrad verbreitet hatte:
- französische Ente
- irisches Lamm
- argentinisches Rind
- norwegischer Lachs
- polnische Pfifferlinge."

>Scheint sich janz jut zu leben als Bundestagsabgeordneter, bezahlt vom gemeinen Steuerzahler...

Dumme :roll:
leben von der Arbeit.
Kluge
von den Dummen.
:lol:

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Re: Umfrage: USt-Id für den Bundestag

Ungelesener Beitrag von DebraAnderson » Mittwoch 30. Oktober 2019, 08:42

Im Internet finden Sie viele heiße und schlechte Quellen. Um Ihnen Zeit zu sparen, empfehle ich diese Website auf spielautomaten-online.com, da sie wirklich zuverlässig und anonym ist.

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Re: Umfrage: USt-Id für den Bundestag

Ungelesener Beitrag von Familienname B. » Mittwoch 30. Oktober 2019, 11:02

Aha - Spielautomaten für den Bundestag? :?: & :?:

Tut mir leid - da seh nun wirklich keinen Zusammenhang :cry:

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