Zeugen Jehovas

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Atheisius
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Re: Zeugen Jehovas

Ungelesener Beitrag von Atheisius »

Christel schrieb:
Aus meiner christlich katholischen Sicht ist das alles blanker Unsinn!
Gemeint ist hier die christliche Lehre der Zeugen Jehovas im Gegensatz zur christlich katholischen Lehre.

Wieso ist diese Lehre „blanker Unsinn“ und die katholische nicht? Was ist an der katholischen Lehre sinniger als andere Lehren, nicht nur der Zeugen Jehovas, sondern auch der anderer Religionen.

Was ist an der christlichen Lehre sinniger als der Glaube der Schamanen der Massei in Afrika oder der der alten Ägypter? Religionen kommen und gehen wie die Zeitgeschichte der Menschheit beweist. Die rund zweitausendjährige Geschichte des Christentums reicht bei weitem nicht an die Dauer untergegangener Religionen heran.

Erwiesen ist, dass der Glaube untergegangener Religionen in neu entstandenen Religionen teilweise weiter fortlebt. Einen Schöpfergott (Atum), den Schöpfer der Elemente des Kosmos, gab es schon bei den Ägyptern. Es gab hier auch eine Muttergottheit (Hator) welche im Christentum als Mutter Gottes (Maria) weiterlebte. Auch eine Verschmelzung von zwei Gottheiten (Synkretismus) gab es in der altägyptischen Religion, die Verschmelzung von Gott Amun mit Gott Re zu Amun-Re. Ein Pendant im Christentum ist die Verschmelzung von Gott Vater und Gott Sohn. Selbst den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tode im Paradies gab es in vielen Religionen, wie auch heute im Christentum.

Auch die im „Alten Testament“ der Juden und Christen beschriebene Sintflut taucht schon in den Mythen der alten Ägypter, wie auch in vielen Schöpfungsmythen vieler Kulturen auf. In Mesopotamien (heute Irak) traten die Flüsse Euphrat und Tigris plötzlich über ihre Ufer, und diese Bedrohung wurde in vielen Mythen als große Flut verarbeitet. Schließlich gelangte der Mythos in die hebräische Welt und wurde zur Geschichte der Arche Noah.

Warum also wird von Christel hier laufend die religiöse Ansicht der Zeugen Jehovas verdammt. Ich habe den Eindruck, dass sie es gerade auf diese Zeugen abgesehen hat.

Nun bleib mal auf dem Teppich und fass dich an deine eigene Nase. Schuster bleib bei deinen Leisten heißt es auch so schön oder auch: „Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen“.

Und zum Schluss:
Aus meiner religionsfreien Sicht, sind alle Religionen blanker Unsinn.
in unsere Zeit passen Religionen nicht mehr hinein.
„Je religiöser ein Mensch, desto mehr glaubt er; je mehr er glaubt, desto weniger denkt er, je weniger er denkt, desto dümmer ist er; je dümmer er ist, desto leichter kann er beherrscht werden. Das gilt für Sektenmitglieder ebenso wie für die Anhänger der großen Weltreligionen mit gewalttätig intolerantem „Wahrheits“-Anspruch. Dagegen hilft auf Dauer nur Aufklärung.“
Adolf Holl
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Re: Zeugen Jehovas

Ungelesener Beitrag von Christel »

Atheisius hat geschrieben: Samstag 9. April 2022, 15:04 Aus meiner religionsfreien Sicht, sind alle Religionen blanker Unsinn. in unsere Zeit passen Religionen nicht mehr hinein.
Und daher brauchst Du Dich gar nicht mehr mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Als religionsfreier sollte Dir das doch alles egal sein.
Atheisius hat geschrieben: Samstag 9. April 2022, 15:04 Warum also wird von Christel hier laufend die religiöse Ansicht der Zeugen Jehovas verdammt. Ich habe den Eindruck, dass sie es gerade auf diese Zeugen abgesehen hat.

Nun bleib mal auf dem Teppich und fass dich an deine eigene Nase. Schuster bleib bei deinen Leisten heißt es auch so schön oder auch: „Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen“.
Das gebe ich an Dich 1 zu 1 zurück! Alles was Du mir geschrieben hast, solltest Du Dich selber fragen. Als religionsfreier könntest Du es gut sein lassen. Wieso hast Du es gerade auf Katholiken abgesehen?

Und falls es Dir entgangen ist, die Zeugen Jehovas müssen als praktizierende Zeugen, Katholiken missionieren. Zurzeit erfolgt das aufgrund von Corona über das Telefon. Nicht ich rufe die Zeugen an, sie rufen mich an. – Ich mache nur, was die Zeugen von mir wollen, ich prüfe ihr Angebot, öffentlich. Schließlich werde ich kaum die einzige Katholikin sein, die davon betroffen ist.

Denk mal drüber nach, weshalb Holuwir als erfahrener ehemalige Zeuge Jehovas, nicht beanstandet, was ich über seinen ehemaligen Glauben schreibe.

___
PS:
Ein ehemaliger Zeuge hat mal was Lustiges erzählt. Als aktiver Zeuge hatte er als Missionsgebiet ein katholisches Dorf. Er sagte: „Die waren da alle steif katholisch, da war nichts zu machen. Also bin ich um die Zeit, wo ich wusste, dass alle in der Kirche sind, langsam durch das Dorf geschlendert, habe an zwei, drei Türen geklingelt und am Ende einen Stapel Wachtürme und Erwachet in die Telefonzelle gelegt. Dann habe ich abgerechnet, soundso lange missioniert und dabei soundso viel 'Wachtürme' und 'Erwachet' verteilt." – Ach ja, dieser Zeuge war einst auch katholisch, als Kind Messdiener…

" Schuster bleib bei deinen Leisten" - Genau, das tue ich!
Die (ehemaligen) Zeugen haben mir gegenüber so viel über die Zeugen erzählt, dass ich mich hier inzwischen ganz gut auskenne, ohne je selbst Zeugin gewesen zu sein.

Eines der ersten Bücher, die ich zu dem Thema las, war das von Hans-Jürgen Twisselmann „Vom ' Zeugen Jehovas' zum Zeugen Jesu Christi“.
https://www.zvab.com/servlet/BookDetail ... 1-_-title2
Bereits der Titel bringt den Unterschied zum Christentum auf dem Punkt. Ich habe beim Lesen nicht nur viel über die Zeugen Jehovas gelernt, sondern auch über meinen eigenen Glauben. Für Hans-Jürgen Twisselmann war immer wichtig "Christsein ist Barmherzigkeit, Barmherzigkeit und noch mal Barmherzigkeit". – Solange man innerhalb des Systems funktioniert merkt man es wahrscheinlich nicht, dass die Barmherzigkeit bei Zeugen Jehovas fehlt. - Doch wenn..., frag Holuwir...
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Welcher Bund gilt für die normalen Zeugen Jehovas?

Ungelesener Beitrag von Christel »

Die Edenverheißung weist darauf hin, dass Gott durch das Königreich seinen Vorsatz bezüglich der Erde und der Menschheit verwirklicht. Die folgenden sechs Bündnisse fördern die Verwirklichung von Gottes Vorsatz:
BUND MIT ABRAHAM
BUNDESPARTNER: Jehova und Abraham
ZWECK: Rechtsgrundlage für die Königsherrschaft des in 1. Mose 3:15 erwähnten „Samens“ oder Nachkommen der Frau
GESETZESBUND
BUNDESPARTNER: Jehova und das Volk Israel
ZWECK: Schützt die Abstammungslinie des Nachkommen der Frau und führt Menschen zum Messias
BUND MIT DAVID
BUNDESPARTNER: Jehova und David
ZWECK: Garantiert, dass der messianische König aus der Linie Davids stammt und alles, was das Königreich bewirkt, ewig Bestand hat
BUND FÜR EIN PRIESTERTUM NACH DER WEISE MELCHISEDEKS
BUNDESPARTNER: Jehova und Jesus
ZWECK: Rechtliche Vereinbarung, wonach Jesus (der primäre Teil der Nachkommenschaft der Frau) für immer König und Priester ist
NEUER BUND
BUNDESPARTNER: Jehova und das geistige Israel
ZWECK: Rechtsgrundlage dafür, dass Gott 144 000 Christen als Söhne adoptiert, die den sekundären Teil der Nachkommenschaft bilden
KÖNIGREICHSBUND
BUNDESPARTNER: Jesus und das geistige Israel
ZWECK: Rechtliche Grundlage, damit gesalbte Christen gemeinsam mit Christus als Könige und Priester im Himmel dienen können
https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitsc ... ben/#link0
Der Reihe nach,
Zeugen Jehovas glauben, dass Gott sein Volk Israel verworfen hat:

Nein, der neue Bund trat durch das Blut Jesu in Kraft. Durch dieses vollkommene Opfer schuf Jehova eine dauerhafte Grundlage für die Sündenvergebung (Apg. 2:38; 3:19). Aber wer würde in den neuen Bund aufgenommen werden und diese Vergebung erfahren? Das jüdische Volk nicht. Wie Jesus sagte, würde Gott die Juden verwerfen, also die Nation, die unter dem Gesetzesbund Tieropfer darbrachte. Jehova werde sich eine andere Nation auswählen (Mat. 21:43; Apg. 3:13-15). Diese Nation ist das „Israel Gottes“, das aus geistgesalbten Christen besteht. Einfach ausgedrückt wurde der Gesetzesbund zwischen Gott und dem buchstäblichen Israel geschlossen, der neue Bund dagegen zwischen Gott und dem geistigen Israel — mit Jesus als Mittler (Gal. 6:16; Röm. 9:6). https://wol.jw.org/de/wol/d/r10/lp-x/11 ... Bund&p=doc
11 Als Jehova durch Jeremia bekannt machen ließ, er werde mit Israel einen neuen Bund schließen, war der Gesetzesbund gewissermaßen „veraltet“ (Heb. 8:13). Er endete aber erst, als der neue Bund in Kraft trat. https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitsc ... priestern/
Paulus ist anderer Meinung.
In seinen Brief an die Römer in den Kapiteln 9-11 setzt sich Paulus damit auseinander und kommt zu diesem Schluss:
Ich frage also: Hat Gott sein Volk verstoßen? Keineswegs! Denn auch ich bin ein Israelit, ein Nachkomme Abrahams, aus dem Stamm Benjamin. Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er im Voraus erwählt hat. (Röm 11,1f.)
Vom Evangelium her gesehen sind sie Feinde, und das um euretwillen; von ihrer Erwählung her gesehen aber sind sie Geliebte, und das um der Väter willen. Denn unwiderruflich sind die Gnadengaben und die Berufung Gottes. Denn wie ihr einst Gott ungehorsam wart, jetzt aber infolge ihres Ungehorsams Erbarmen gefunden habt, so sind auch sie infolge des Erbarmens, das ihr gefunden habt, ungehorsam geworden, damit jetzt auch sie Erbarmen finden. enn Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen. (Röm 11,28-32)
Soweit so klar!
Der Bund für ein Priestertum nach der Weise Melchisedeks bietet die Grundlage dafür, dass der Nachkomme der Frau auch als Priester amtieren kann. Jesus wird die Menschheit nicht allein zur Vollkommenheit führen. Auch andere sind zu Königen und Priestern gesalbt. Woher kommen sie? https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitsc ... ben/#link0
Wo vom Neuen Bund und vom Königreichsbund gesprochen wird, da wird es für mich unklar.
9 Jesu Blut, das vergossen wurde, macht den neuen Bund rechtskräftig. Dieses Blut ermöglicht auch ein für alle Mal die Vergebung von Sünden. Jesus ist im neuen Bund kein Bundespartner.
https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitsc ... priestern/
der neue Bund doch ist! Er ermöglicht es Jesu Jüngern, der sekundäre Teil der Nachkommenschaft Abrahams zu werden.
https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitsc ... priestern/
Der Bund konnte erst in Kraft treten, nachdem Jesu Blut vergossen und dessen Wert Jehova im Himmel dargeboten worden war. Außerdem war der heilige Geist noch nicht auf „Miterben mit Christus“ ausgegossen worden. Demnach trat der neue Bund Pfingsten 33 in Kraft, als Jesu treue Jünger mit heiligem Geist gesalbt wurden. https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitsc ... priestern/
Die Gesamtzahl der Teilhaber des neuen Bundes sollte insgesamt 144 000 sein. Sie bilden eine neue Nation: „das Israel Gottes“ oder das geistige Israel
https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitsc ... priestern/
Der Gesetzesbund war ein Bund zwischen Jehova und dem buchstäblichen Israel, und der neue Bund besteht zwischen Jehova und dem geistigen Israel.
https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitsc ... priestern/
5 Nachdem Jesus das Abendmahl des Herrn eingeführt hatte, schloss er mit seinen treuen Jüngern einen Bund, oft Königreichsbund genannt. (Lies Lukas 22:28-30.) Anders als bei anderen Bündnissen, wo Jehova einer der Bundespartner ist, handelt es sich hier um einen persönlichen Bund zwischen Jesus und seinen gesalbten Nachfolgern.
https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitsc ... priestern/
Dieser Bund bildet für sie die Rechtsgrundlage, mit Jesus im Himmel regieren zu dürfen.
https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitsc ... priestern/
Mein Problem und das ist es, was ich hier vergeblich suche, wo ist in diesen Bündnissen der Platz für den normalen Zeugen Jehovas?

Hier kommen nur „Gesalbte“ vor. Doch der normale Zeuge Jehova ist nicht gesalbt. Er gehört somit weder zum „neuen Bund“, noch zum „Königsreich Bund“ und den „Heiligen Geist“ haben sie demnach auch nicht.
Und wenn dem so ist, gilt dann für Zeugen Jehovas überhaupt die Sündenvergebung? - Das nächste Mal werde ich das die Zeugin fragen.

PS, für Athesisus: Das oben geschilderte ist nicht etwas, was sich die böse katholische Christel ausgedacht hat und gemeinerweise über die Zeugen Jehovas sagt, sondern das, was Zeugen Jehovas lehren bzw. ihre Organisation. Und wer mal zu deren "Gedächtnismal" geht, kann sich anschauen, wie Brot und Wein durchgereicht werden, aber niemand davon nimmt, denn das dürfen dort nur "Gesalbte".
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Re: Zeugen Jehovas

Ungelesener Beitrag von Atheisius »

Es ist im Grunde genommen egal, welcher Denomination (Konfession) man angehört, ob christlich, jüdisch oder islamisch.
Wie Holuwir schon schrieb:
• Es gibt keine Belege für die Existenz eines Gottes.
• Es gibt keine Belege für die Existenz eines Heiligen Geistes.
• Es gibt keine Belege dafür, dass ein Jesus als Christus auferstanden ist.

Aber wenn es keine Belege gibt, dann muss ja alles von irgendwelchen Menschen erdacht, erfunden worden sein?

Ja. Entweder es wurde beobachtet, dann gäbe es Belege oder Menschen haben es sich ausgedacht, dann gibt es eben keine.
Nur eines von beiden kann zutreffen. Geht ja gar nicht anders.
Christel schrieb:
Mein Problem und das ist es, was ich hier vergeblich suche, wo ist in diesem Bündnis der Platz für den normalen Zeugen Jehovas?
Dann sieh mal zu, wie du mit deinen selbstgemachten Problemen zurecht kommst. Es ist wirklich gut, dass sich immer weiniger Menschen solche Probleme mit Gesalbten und Ungesalbten :lol: "aufhalsen". Das sind Probleme, wie man so schön sagt, welche überflüssig wie ein Kropf sind.
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Re: Zeugen Jehovas

Ungelesener Beitrag von Christel »

Weißt Du, wie es sein kann, das intelligente Menschen wie Holuwir viele Jahre als Zeugen Jehovas unterwegs sind ohne etwas zu merken und infrage zu stellen? Es kann ja nicht so schwer ein, wenn selbst ich was mitbekomme, oder?

Mögliche Antworten:
1. Sie sind als Aufklärer unterwegs. Und Aufklärer wollen nun mal Lehrer sein. Sie wollen andere, die noch nicht so weit sind wie sie selbst, belehren.

2. Sie haben so viele Antworten!
Beispiel:
Jemand könnte sagen[...] „Die Bibel widerspricht sich“ Darauf könnte man erwidern: „Das hat man schon wiederholt gesagt, aber noch niemand ist bis jetzt in der Lage gewesen, mir etwas zu zeigen, was wirklich ein Widerspruch ist. Und beim Lesen der Bibel habe ich noch nie einen entdeckt. Könnten Sie mir ein Beispiel nennen?“ Dann könnte man hinzufügen: „Ich habe allerdings festgestellt, daß bei vielen, wenn sie in der Bibel lesen fragen aufsteigen, auf die sie einfach keine Antworten finden. Zum Beispiel: Woher hatte Kain seine Frau? [Verwende den Stoff auf Seite 202,303.]“
Aus: Unterredungen anhand der Schriften“, Watchtower and Bible and Tract Society, 1990. Seite 67
Die Tatsache, dass die Bibel nicht aus einem Guss ist und tatsächlich Widersprüche enthält wird hier rhetorisch weggebügelt. Der Zeuge ist hier entweder blind oder er handelt unredlich. Aber gemäß „theokratischer Kriegsführung“ haben Außenstehende sowieso …

3. Sie haben ein Ziel, das irdische Paradies.
Zeugen Jehovas glauben an den Krieg Gottes (Harmagedon), der bald kommen wird. Nur wer treu und völlig loyal zu Jehova und seiner Organisation steht, wird diesen Krieg überleben und das irdische Paradies erben. Dazu gehört, aktiv für die Organisation zu missionieren und so Leben zu retten.

Ausstieg:
Wenn es Gott nicht gibt, dann braucht man sich auch nicht vor dem Krieg Gottes (Harmagedon) zu fürchten. Zudem erscheint nicht wenigen der Abschied von jedweder Religion als der konsequenteste Weg. Und wenn man selbst bereits in der besten Religion war, wie schlimm müssen dann die anderen sein? Daher wird auf Christen all das projiziert, was man bei Zeugen Jehovas jetzt falsch findet und mehr. Es ist ein festgefügtes Feindbild. (Wer nicht immer Zeuge Jehovas war, der sieht das oft lockerer, weil er auf andere Erfahrungen zurückgreifen kann.)

Attraktiv erscheint zudem
1. „Aufklärung“ und selbst Aufklärer sein
2. Man hat wieder Antworten - und wie man einst beim „Lesen der Bibel noch nie einen Widerspruch entdeckt hatte, so entdeckt man nun keine Belege für Gott
3. das Ziel Harmagedon zu entgehen bzw. der Angst davor zu entgehen.

Inhalte lassen sich nun mal leichter austauschen als eingefahrene Wege des Denkens.
Holuwir hat geschrieben: Donnerstag 7. April 2022, 21:07 Gibt es Belege, dass Jesus als Christus auferstanden ist?
Nein.

(Hm, wieso „als Christus auferstanden“? Gibt es einen Unterschied zwischen Jesus und Christus? Jesus ist der Gesalbte Gottes = Christus, deshalb Jesus Christus. ???)

Beweisen kann man es nicht. Aber es gibt Indizien, die dafür sprechen. Eins steht fest: Der Mensch glaubt, was er sieht!
Und Jesu Anhänger, und das betraf nicht nur ein paar Menschen, sondern ganz viele, waren überzeugt Jesus als Auferstandenen gesehen zu haben. Sie waren sicher, Jeus sind auferstanden!

Dafür verstanden sich Jesu Anhänger als Zeugen, Zeugen für Jesus und Zeugen seiner Auferstehung:
Es ist also nötig, dass einer von den Männern, die mit uns die ganze Zeit zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging,
angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und in den Himmel aufgenommen wurde - einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein. (Apostelgeschichte 1,21f.)
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Re: Zeugen Jehovas

Ungelesener Beitrag von Holuwir »

Als vor Millionen Jahren bei Hominiden Mutationen auftraten, die eine längere Wachstumsphase des Gehirns und damit ein größeres Gehirn zur Folge hatten, konnten sich Fähigkeiten ausbilden, die über das bloße Erkennen der unmittelbaren Umgebung und das Reagieren darauf hinaus-gingen. Sie begannen weiterzudenken und z. B. bei Regen nicht nur darüber, wie man sich am besten trocken halten könne, sondern auch, wie es denn überhaupt möglich ist, dass Wasser vom Himmel fällt oder wie der Sturm als unsichtbare gewaltige Kraft sogar mächtige Bäume umzuwerfen vermag, von Blitz und Donner, Erdbeben oder Vulkanausbrüchen ganz zu schweigen. Auch musste alles ja mal einen Anfang gehabt haben.

Es ist naheliegend, dass man hinter all den Naturereignissen unsichtbare, übernatürliche Wesen vermutete, die für all dies verantwortlich waren. Diese Idee war plausibel, mangels Alternative bis in die jüngste Vergangenheit weniger Jahrhunderte weitestgehend unumstritten und wurde weltweit in allen Kulturkreisen in den verschiedensten Varianten bis in alle möglichen Details ausgeschmückt, so dass sie von den meisten Menschen auch heute noch als feststehende Tatsache angesehen wird. Auch bildeten sich auf dieser Basis mächtige Organisationen mit entscheidendem Einfluss auf die Geschicke der Menschheit, den sie auf keinen Fall wieder hergeben wollen.

Recht eigenartig mutet dabei an, wie die verschiedenen religiösen Gruppierungen, ob große Kirchen oder kleine Sekten ihre genauen Vorstellungen über Eigenschaften und Organisation der gar nicht existierenden geistigen Welt und ihrer erdachten Bewohner entwickelten und gegeneinander abgrenzen. Hier kämpft jeder gegen jeden. Nur die eigene Vorstellung ist richtig, die auf irgendwelchen mysteriösen Wegen direkt von Gott zu ihnen gelangt sei. Alles was damit nicht übereinstimmt, ist falsch. Wichtig ist nur die eigene Fiktion, die weit über die banale Wirklichkeit hinausgeht und damit auch der Wissenschaft für immer verborgen bleiben muss. Alternative Fakten halt. :roll:
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Re: Zeugen Jehovas

Ungelesener Beitrag von Christel »

Zu den Bündnissen:
Christel hat geschrieben: Sonntag 10. April 2022, 21:06 Mein Problem und das ist es, was ich hier vergeblich suche, wo ist in diesen Bündnissen der Platz für den normalen Zeugen Jehovas?
Hier kommen nur „Gesalbte“ vor. Doch der normale Zeuge Jehova ist nicht gesalbt. Er gehört somit weder zum „neuen Bund“, noch zum „Königsreich Bund“ und den „Heiligen Geist“ haben sie demnach auch nicht.
Und wenn dem so ist, gilt dann für Zeugen Jehovas überhaupt die Sündenvergebung? - Das nächste Mal werde ich das die Zeugin fragen.
Also, für den normalen Zeuge Jehova gibt es tatsächlich keinen Bund. Sie gehören weder zum Neuen Bund, noch zum Königreichsbund. Sie sind nicht gesalbt. Trotzdem meint die Zeugin, sei Jesus auch für ihre Sünden gestorben und sie hätten auch den heiligen Geist. Nur sie würden eben nicht in den Himmel kommen. Sie würden nicht bei Jesus sein. Sie würden Jesus nicht sehen. - Sie würden ewiges Leben auf der Erde erhalten.

Ich fragte die Zeugin: „Gibt es in dem irdischen Paradies dann auch einen Predigtdienst?“
„Aber JA doch" antwortete sie. „Da kommen die vielen Auferstanden hinzu, die die Perdigt noch nicht gehört haben."

Tja, schlechte Nachricht für Dich Atheisius! Also wir, wir haben schon einige Predigtstunden hinter uns, ich ein paar und Holuwir viel, viel mehr.
Aber Du Atheisius, wenn Du in dem irdischen Paradies der Zeugen Jehovas auferstehst, Du muss ganz von vorn anfangen. Das wird echt hart für Dich, wenn Du fortgesetzt Erkenntnis aufnehmen musst. :mrgreen:
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Re: Zeugen Jehovas

Ungelesener Beitrag von Christel »

Antwort zu dem Beitrag von Holuwir » Di 12 Apr, 2022 20:14

Mit dem ersten Absatz bin ich soweit einverstanden.
Ergänzen möchte ich dazu dies:
In der mittleren Altsteinzeit, vor mindestens 120 000 Jahren, taten Homo sapiens und Neandertaler etwas, was bis dahin keiner anderen Spezies auf unserem Planeten in den Sinn gekommen war: Sie bestatteten ihre Toten in rituellem Rahmen. Zahl und Komplexität dieser ers¬ten Grablegungen nahmen sehr schnell zu. Das lassen archäologische Funde vermuten. Heute sind Trauerfeiern in jeder Kultur selbstverständlich – ja selbst entschieden atheistische Bewegungen geleiten ihre Toten rituell ins Jenseits: Um Lenin, Mao oder Atatürk etwa wurde ein geradezu religiöser Kult inszeniert, indem ihre Anhänger sie in Bildern und Zitaten ver¬ewigten, vor Kritik abschirmten und ihnen sogar prachtvolle Mausoleen bauten. Die Vermutung liegt nahe: Stand die Sorge um die Toten am Beginn menschlicher Religiosität? ...
https://www.spektrum.de/magazin/homo-religiosus/982255
Religiosität, in welcher Form auch immer, gehört zu den Merkmalen, die dem Menschen vom Tier unterscheidet.

Zu dem zweiten Abschnitt habe ich diese Anmerkung:
Auf einem kleinen Fleckchen (Israel), dort wo die antiken Kulturen aufeinanderstießen und wo aufgrund von Krieg, Besatzung, Unterwerfung, Vertreibung auch die eigenen Gottesvorstellungen immer wieder über den Haufen geworfen wurden, setze schon früh eine Reflektion ein. Der Monotheismus war hier nicht nur das Ende der „unsichtbaren übernatürliche Wesen“ die hinter Naturereignissen stehen. Auch eine naive Gleichsetzung mit Gott und der Natur (Pantheismus) war hier spätestens 500 vor Christus zu Ende.

Parallel dazu gab es im griechischen Denken bei Aristoteles (* 384 v. Chr. in Stageira; † 322 v. Chr. in Chalkis) zum Beispiel diese Vorstellung:
Für Aristoteles stand fest, daß sich Wolken aus feuchten Erdausscheidungen in Verbindung mit Wärme bilden und als Blitzschlag entzünden. Diese Auffassung verschaffte Aristoteles Weltgeltung.
http://www.karl-heinz-hentschel.net/Gewitter2.html
Beides vollzog sich hunderte Jahre vor Christus und der Entstehung von Christentum und Kirche. Beides floss in die später entstehenden kirchlichen Lehren ein.
Daher gehe ich mit Holuwirs Vorstellung, dass „man hinter all den Naturereignissen unsichtbare, übernatürliche Wesen vermutet“ nicht mit.


Dem dritten Absatz kann ich auch so nicht voll und ganz zustimmen!
Hier spricht Holuwir aufgrund seiner Erfahrungen bei den Zeugen Jehovas. Das trifft auf Zeugen Jehovas zu, aber nicht gleichermaßen auf alle.

Holuwir stellt hier Kirche und Sekte auf eine Ebene, als gäbe es da keine Unterschiede. (Das Zitat habe ich gekürzt. Es kann oben im Wortlaut nachgelesen werden.):
Holuwir hat geschrieben: Dienstag 12. April 2022, 21:14ob große Kirchen oder kleine Sekten ihre genauen Vorstellungen über Eigenschaften und Organisation [...] Nur die eigene Vorstellung ist richtig, die auf irgendwelchen mysteriösen Wegen direkt von Gott zu ihnen gelangt sei. Alles was damit nicht übereinstimmt, ist falsch.
Zu den Kirchen:
An anderer Stelle erläuterte ich:
Christel hat geschrieben: Donnerstag 14. April 2022, 14:17Das Christentum hat nämlich in seinen ersten Jahrhunderten einen Prozess der Selbstdefinition durchlaufen, der im Wesentlichen vor den großen Kirchenspaltungen abgeschlossen war. In Rückbindung auf diese Ursprünge/Selbstdefinitionen des Christentums haben sich getrennte Kirchen später zur Ökumene zusammen finden können. Ökumene ist inhaltlich ähnlich dem Wort „katholisch“, welches nicht die Konfession, sondern eine Eigenschaft der Kirche bezeichnet, Raum für alle zu sein. Das Bindeglied ist Einheit in Vielfalt, also im Wesentlichen Einheit, ansonsten Freiheit.
Holuwir hat geschrieben: Dienstag 12. April 2022, 21:14Hier kämpft jeder gegen jeden.
Das stimmt so nicht. Wie gesagt, es gibt die Zusammenarbeit und die alte katholische Kirche (das gehört noch immer zum Verständnis der heutigen Katholischen Kirche, auch wenn die inzwischen zentralistischer geworden ist) verstand sich immer als Gemeinschaft von Gemeinschaften und fasste ihre Beschlüsse auf Synoden und Konzilen.

Zudem bedarf es keiner Religion, damit Menschen einander bekämpfen. Und wenn man als kämpferischer Atheist die Kirchen bekämpft, dann ist es sowieso nicht angebracht mit dem Finger auf andere zu zeigen.

Zu den sogenannten Sekten:
Zeugen Jehovas werden zu den Sekten gezählt, was erst einmal nur so viel wie Abspaltung bedeutet.
Doch bei genauem Hinsehen sind Jehovas Zeugen keine Abspaltung, sondern eine Neugründung. Es ist das späte 19. Jahrhundert, es ist Gründerzeit auch in Amerika. Und so wie viele gründet auch Charles Taze Russell ein Unternehmen, einen Verlag, genauer die Wachtturm-Gesellschaft (WTG).

So nach und nach, auch mit Führungswechsel und Lehränderungen verbunden, entsteht eine straff geführte Organisation, die sich selbst stark von den Kirchen abgrenzt.
Beispiel: „Der Wachtturm“ vom 1. März 2006 (Ich zitiere aus dem Druckexemplar. Eine Online-Ausgabe ist „jw.org.de nicht verfügbar.):
Seite 6 Überschriften „Irrlehrer verleugnen Jesus“, „Nach dem Tod der Apostel breitet sich der Abfall aus“ und auf der Seite 7 ist zu lesen „Die Sachlage ist eindeutig. Seit dem Tod der Apostel ist in dem, was man im Namen des Christentums getan hat, kaum Christliches zu finden.“ Weiter gleiche Seite nächste Spalte „Halten wir uns daher von irgendwelchen Institutionen oder Organisationen fern, die in den vergangenen zweitausend Jahren den Namen Christi“ … und dann folgt die Drohung „Sonst stehen wir in der Gefahr, […] einen Teil der Plagen zu empfangen‘, wenn Gott in naher Zukunft sein Strafgericht an ihnen vollstreckt“

Damit haben sie sich ein Problem geschaffen, denn sie berufen sich auf die Bibel. Doch diese ist während der Zeit des angeblichen „Abfalls“ entstanden und noch dazu innerhalb jener Organisation, vor denen die WTG warnt.
Daher mussten sie Vorstellungen entwickeln, wie die Bibel „auf irgendwelchen mysteriösen Wegen direkt von Gott zu ihnen gelangt sei“ (Zitat Holuwir), durch ein Wunder Gottes und durch ein paar treue Menschen, die gegen die Kirche...

So wie man sich die Bibel aus der Tradition der Kirche herausgebrochen, um nicht zu sagen geklaut hat, so wird auch die Bibel als „Wortsteinbruch“ benutzt, um die eigenen Vorstellungen zu bestätigen. Denn es ist so, wie es Holuwir schrieb:
Holuwir hat geschrieben: Dienstag 12. April 2022, 21:14Nur die eigene Vorstellung ist richtig
Und diese Vorstellung hat nur eine Handvoll Männer festgelegt. Solange diese auswendig gelernt und wiederholt wird, ist alles gut. Doch wenn jemand beginnt zu denken und noch dazu laut, dann gilt dies:
Im „Wachtturm vom 15. Juli 1996 (auch nicht Online verfügbar) steht auf Seite 17 unter der Überschrift „Unsere Zunge richtig gebrauchen“ „Der verkehrte Gebrauch der Zunge kann dagegen unsere Einheit bedrohen.“ „Jehova haßt Personen, die Streitigkeiten verursachen“ „Gerede dieser Art kann zur Uneinigkeit führen“ „Ein reueloser Schmäher sollte jedoch ausgeschlossen werden, damit der Frieden, die Ordnung und die Einheit in der Versammlung bewahrt bleiben“
Holuwir hat geschrieben: Dienstag 12. April 2022, 21:14kleine Sekten ihre genauen Vorstellungen
Beispiel. „Der Wachtturm“ vom November 2013 den Titel „Lügen über einen liebenswerten Gott“ Auf Seite 5 die Überschrift „Die Lüge vom geheimnisvollen Gott“ https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitsc ... geheimnis/

Ja, wo andere nicht weiterkommen und sie von einem Geheimnis reden und meinen, dass man mit seinen Vorstellungen über Gott an Grenzen gerät, da meinen Zeugen Jehovas, dass sei eine Lüge und wissen es natürlich genau. Jehova muss wohl demnach so eine Art Jurist sein oder war das einer der menschlichen Führungsgestalten der WTG?

Ja und wenn die Wissenschaft nicht zu den Vorstellungen der WTG passt, dann liegt auch diese falsch.
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Zeugen Jehovas und ihre Bibelübersetzung

Ungelesener Beitrag von Christel »

Christel hat geschrieben: Donnerstag 14. April 2022, 21:19So wie man sich die Bibel aus der Tradition der Kirche herausgebrochen, um nicht zu sagen geklaut hat, so wird auch die Bibel als „Wortsteinbruch“ benutzt, um die eigenen Vorstellungen zu bestätigen. Denn es ist so, wie es
Die Zeugen Jehovas haben zwar keine eigene Bibel, jedoch seit vielen Jahren eine eigene Bibelübersetzung, die Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift
Jede Übersetzung ist auch immer eine Interpretation. Natürlich wurde in dieser Übersetzung die Bibel so interpretiert/angepasst, dass sie besser zur Lehre der Zeugen Jehovas passt.

Inzwischen wurde dies alte Neue-Welt-Übersetzung revidiert, so dass die Zeugen nun mit einer neuen Übersetzung arbeiten:
Am 2. Februar 2019 fand in Selters (Taunus) eine besondere Veranstaltung statt. Gerrit Lösch, ein Mitglied der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas, stellte die revidierte Neue-Welt-Übersetzung in Deutsch vor. https://www.jw.org/de/jehovas-zeugen/ak ... bibel-nwt/
Beim Bibellesen mit der Zeugin, natürlich in der revidierten Neue-Welt-Übersetzung (2018) war ich letztens erstaunt über diese, vom Palmsonntag her sehr bekannte Bibelstelle, erstaunt.

Hier in der katholischen Einheitsübersetzung von 2016:
Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe! (Markus 11,9)

Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen:
Hosanna dem Sohn Davids! / Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. / Hosanna in der Höhe!(Matthäus 21,9)
Ein Vergleich mit dem griechischen Text zeigt, dass diese Übersetzung korrekt ist.

Hier derselbe Text in der revidierten Neue-Welt-Übersetzung 2018, der Übersetzung der Zeugen Jehovas:
Die Leute, die vorausgingen und die hinterherkamen, riefen immer wieder: „Bitte rette ihn!+ Gesegnet ist der, der im Namen Jehovas* kommt! (Markus 9,11)

Die Menschen vor ihm und hinter ihm riefen immer wieder: „Bitte rette den Sohn Davids!+ Gesegnet ist der, der im Namen Jehovas* kommt!+ Bitte rette ihn, du, der du oben in den Höhen bist!“ (Matthäus 21,9)
Dass dort Jehova steht statt Herr hat mich nicht überrascht, dass kannte ich schon von der alten Neue-Welt-Übersetzung her. Aber weshalb die Zuschauer Gott bitten sollten Jesus zu retten, das war mir neu und unklar. Woher sollten die Leute beim Einzug in Jerusalem gewusst haben, dass Jesus später gekreuzigt wird? – Die Zeugin hatte ein eine Erklärung, der heilige Geist (Zeugen schreiben „heilige“ hier klein).

Nun kann man Hosianna tatsächlich mit „Hilf doch!“, oder „Hilf bitte!“ übersetzen.

In der alten Übersetzung der Zeugen Jehovas wurde es noch mit „Rette bitte“ übersetzt. Bei Markus lässt es sich auch noch als Anruf, als Bitte an Jesus deuten. Im Text Matthäus 11,9 sind Kommas eingefügt und statt Hosanna in den Höhen steht „Rette ihn, bitte, in den Höhen droben."

Die neue revidierte Neue-Welt-Übersetzung hat folglich verschärft, was die alte Übersetzung bereits enthielt. Es passt nicht ins Konzept der Zeugen Jehovas, dass Jesus selbst bejubelt und als Retter gepriesen wird.

Im biblischen Orginal, dem griechischen Text steht es aber so und es ist das einzig Sinnvolle und Einleuchtende, wenn man sich die damalige Situation vor Augen führt. Wie gesagt, woher sollten die Leute im Voraus wissen, dass Jesus in Gefahr ist. Wenn es klar gewesen wäre, dann hätte man Jesus auch kaum jubelnd in Jerusalem empfangen, als König.

Nur wer bejubelt wird und tatsächlich Anhänger gewinnt, stellt eine Gefahr dar, die man meint beseitigen zu müssen.
Und nach Jesus Kreuzigung trat das Normalste ein, seine Anhänger, auch die Jünger zerstreuten sich in alle Winde und meinten, die Sache Jesu sei verloren. Sie gaben die Hoffnung auf. Kein Hosanna mehr.

PS: Laut der Lehre der Zeugen Jehovas starb Jesus am Pfahl, weil denen ein Kreuz zu heidnisch ist.
„Jesus Christus, der Auferstandene, das bedeutet, dass Gott aus Liebe und Allmacht dem Tod ein Ende macht und eine neue Schöpfung ins Leben ruft, neues Leben schenkt.“ Dietrich Bonhoeffer (Das Wunder der Osterbotschaft)
Christel
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Zeugen Jehovas glauben an die WTG und deren Bibelauslegung

Ungelesener Beitrag von Christel »

Zeugen Jehovas glauben an die WTG und deren Bibelauslegung.

Das heißt die WTG allein bestimmt den Inhalt der Bibelauslegung und der ist sehr viel einheitlicher als innerhalb der Katholischen Kirche. Zeugen Jehovas lesen keine andere religiöse Literatur außer die eigene, diese dafür sehr viel intensiver. So trainieren sie sich selbst in die Denkmuster der WTG hinein.

„Ist es nötig, Hebräisch und Griechisch zu lernen?“ um die Bibel besser zu verstehen.
Die WTG rät wortreich ab:
Bis dahin könnte sich ein alter Spruch bestätigen: „Halbwissen ist gefährlich.“ Wieso?
(Der Wachtturm November 2009)
Mehr: https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitsc ... zu-lernen/
Ich rate dazu. Oft sind es Kleinigkeiten, die in die Irre oder zu einem Aha-Erlebnis führen.

Es geht nicht darum die Bibel tatsächlich in den Originalsprachen lesen zu können, sondern darum nachschlagen zu können.
Schon eine gute Interlinearübersetzung, also eine Wort-für-Wort-Übersetzung, bei der das übersetzte Wort unter dem dazugehörigen Wort in der Originalsprache steht, kann hilfreich sein. Und man kann zusätzlich ein Wörterbuch benutzen, um die fremden Wörter nachzuschlagen.
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Zeugen Jehovas: „Und das Wort ist Buch geworden“

Ungelesener Beitrag von Christel »

„Und das Wort ist Buch geworden“?
Da sagte er [Jesus] zu den Juden, die zum Glauben an ihn gekommen waren:
Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien. (Johannes 8,31f., Einheitsübersetzung)
Dies ist die Schlussfolgerung die, die WTG aus dieser Aussage von Jesus in Johannes 8,31f. zieht, „Der Wachtturm“ März 2012:
Deswegen bleiben echte Christen in seinem Wort, das heißt, sie erkennen Gottes Wort, die Bibel, als „Wahrheit“ und obersten Maßstab für ihren Glauben und ihr Verhalten an. https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitsc ... inem-Wort/
Man kann nicht genug betonen, dass es zurzeit Jesu und Johannes die Bibel noch nicht gab!

Zudem stammt der Text, den die WTG hier auslegt aus dem Johannesevangelium.
Johannes ging es darum zu sagen und zu betonen „Und das Wort ist Fleisch geworden“ (Johannes 1,14)
Also nicht Buch, nicht Papier, auch nicht Wachtturm, sondern Fleisch/Mensch.

Ausführlich beschreibt Johannes in seinen Prolog (Johannes 1,1-18) was er mit dem Wort meint.
Der Prolog ist eine Kurzzusammenfassung seines gesamten Evangeliums.
In den Versen 1,17-18 betont Johannes noch einmal den Unterschied zwischen dem „Alten Testament“ (Moses) und dem von Gott her gekommen lebendigen Wort, welches unter uns gelebt hat, als Mensch: Jesus Christus.

Daraus folgt:
Nicht das Alte Testament befreit. Auch nicht die Bibel als Gesamtwerk (das gab es damals ohnehin noch nicht), sondern das Wort in Person, Jesus Christus befreit den, der in seinem Wort bleibt: „die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.“ (Johannes 1,17)

PS:
Ja der Johannesprolog passt ganz schlecht in das Konzept der WTG. Hier mussten sie ganz viel umarbeiten. Daher hier der Text in der Einheitsübersetzung: (Eine Überprüfung, welche Übersetzung richtiger ist, das ist mittels einer Interlinearübersetzung auch für den Laien möglich, siehe meine Empfehlung im Beitrag von Christel » Sa 16 Apr, 2022 11:31.)
DER EINTRITT DES GÖTTLICHEN WORTES IN DIE WELT:
Johannes 1
1 Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.
2 Dieses war im Anfang bei Gott.
3 Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
4 In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen.
5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.

6 Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes.
7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.

9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
10 Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,
13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

15 Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.

16 Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

https://www.bibelwerk.at/pages/katholis ... bersetzung
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Christel
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Zeugen Jehovas machen klare Ansagen!

Ungelesener Beitrag von Christel »

Zeugen Jehovas machen klare Ansagen! Gerade dies scheint von einigen geschätzt zu werden.
Jemand sagte: „Früher in der Kirche, da war das alles so nebulös. Aber durch die Zeugen…“

Eine andere Frage ist allerdings, ob die Zeugen tatsächlich in die richtige Richtung führen. Die Sonderlehren der Zeugen Jehovas werden jedenfalls noch nicht mal durch ihre eigene, den Lehren angepasste Bibelübersetzung bestätigt. Die Illusion entsteht nur, weil ständig Bibelstellen als Beleg zitiert werden. Und da Bibelstelle auf Bibelstelle folgt, gibt es während der Gespräche kaum Gelegenheit genauer hinzuschauen. Trotzdem habe ich die Zeugin letztens mehrfach unterbrochen und gesagt, das steht da nicht. Das gibt die Bibelstelle nicht her! Und dem war auch so.

Wenn Zeugen Jehovas allgemein von ihrem irdischen Paradies schwärmen, merkt man es noch nicht. Aber auch hier gibt es ganz klare Vorstellungen, wie es aussehen wird und wer dann das Sagen hat.
Um dort hineinzukommen muss man alte Gewohnheiten aufgeben… auch hier gelten klare „theokratische“ Ansagen.
Das Leben als Zeuge Jehovas ist was für Menschen, die es schätzen, wenn sie gesagt bekommen, wo es lang geht und was sie zu tun haben.

Das ist nicht mein Ding! Zudem halte ich viele dieser Ansagen für falsch! Und vor allem lasse ich mir mit Gott keine Angst machen.

In den Kirchen ist es tatsächlich manches „nebulöser“. Hier muss man selbst nachdenken, seine eigene Berufung finden...

Christen träumen nicht vom irdischen Paradies, sondern vom Himmel. Unklar bleibt, wie der aussieht. Wie das sein wird, ist nicht klar definiert.

Aber eins erscheint mir klar und das haben wir mit den Zeugen gemeinsam. Wir erhoffen eine individuelle Auferstehung.
Die christliche Hoffnung besteht nicht in einer Verschmelzung mit einem All-eins, wie die Welle und das Meer, wie das heute öfter propagiert wird. Ich habe nie verstanden, was Menschen daran fasziniert. Dass ich sterben werde und verschmelze, womit auch immer, das weiß ich auch so. Dazu brauche ich keine Religion und keinen Gott.
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Re: Zeugen Jehovas

Ungelesener Beitrag von Christel »

Der klaren Ansage entspricht die Gewissheit in der Wahrheit, in der wahren Organisation zu sein, gemeinsam mit Menschen, die ehrlich, treu… zu Jehova stehen und einander lieben. Tatsächlich ist es auch eine Sozialgemeinschaft, wo man sich kennt… Und die Organisation tut einiges um die Gemeinschaft rein zuhalten durch Erziehungsmaßnahmen bis hin zum Ausschluss nebst totalen Kontaktabbruch. - Es ist ein Leben in der Illusion!

Wie in jeder „ordentlichen Diktatur“ halten die Menschen den Mund, kehren unter den Teppich…,
wollen nicht sehen wie unbarmherzig und lieblos die eigenen Erziehungsmaßnahmen sind. Und sie sehen auch nicht die Opfer, die der Rigorismus der angeblichen Treue zu Jehova fordert, allein schon das Verbot der Bluttransfusion, welches „liebevoll“ überwacht wird.

Ein Mitglied der leitenden Körperschaft, selbst als Zeuge Jehovas aufgewachsenen, bekam einst Gewissensbisse als merkte, dass das alles nicht stimmt. Aber er konnte sich nicht durchsetzen.

Er schrieb zwei Bücher:
Raymond Franz: Der Gewissenskonflikt. Menschen gehorchen oder Gott treu bleiben? Ein Zeuge Jehovas berichtet (Bericht eines ehemaligen Führungsmitglieds).

Raymond Franz: Auf der Suche nach christlicher Freiheit. Antworten auf Fragen von Sektenaussteigern. 1. Auflage, Bruderdienst Missionsverlag, Gebundene Ausgabe, September 2005, ISBN 3-00-015952-5.
„Jesus Christus, der Auferstandene, das bedeutet, dass Gott aus Liebe und Allmacht dem Tod ein Ende macht und eine neue Schöpfung ins Leben ruft, neues Leben schenkt.“ Dietrich Bonhoeffer (Das Wunder der Osterbotschaft)
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Re: Zeugen Jehovas

Ungelesener Beitrag von Holuwir »

Christel hat geschrieben: Freitag 13. Mai 2022, 09:53 Der klaren Ansage entspricht die Gewissheit in der Wahrheit, in der wahren Organisation zu sein, gemeinsam mit Menschen, die ehrlich, treu… zu Jehova stehen und einander lieben. Tatsächlich ist es auch eine Sozialgemeinschaft, wo man sich kennt…
... und auch als Fremder jederzeit freundlich aufgenommen wird. Es ist wie eine große Familie, man gehört sofort dazu. Das habe ich besonders verspürt, als ich die DDR verlassen hatte und mich in einem völlig neuen, fremden Umfeld zurechtfinden musste. Man nennt sich Bruder und Schwester und ist sogleich miteinander vertraut. Ich habe mehrfach meinen Wohnort gewechselt und es war jedesmal das Gleiche.
Nur als ich weggegangen bin, dann durften sie nicht mehr mit mir reden, mich nicht mehr grüßen, nach 2. Joh. 10, 11. Manche waren echt traurig darüber. Aber Jehovas biblische Anweisungen zu befolgen, ging natürlich vor.
Christel hat geschrieben:Ein Mitglied der leitenden Körperschaft, selbst als Zeuge Jehovas aufgewachsenen, bekam einst Gewissensbisse als [er] merkte, dass das alles nicht stimmt.
Ja, dem kann ich nur zustimmen. Es stimmt alles nicht. Aber was ist "alles"?
Christel hat geschrieben:Menschen gehorchen oder Gott treu bleiben?
Das ist der große Selbstbetrug: Diese Alternative existiert nicht. Alles, was jemand über Gott "weiß", stammt von Menschen. Niemand hat die Wahl zwischen Gott und Menschen, sondern immer nur die Wahl zwischen verschiedenen Ansichten von Menschen, die sich etwas ausgedacht haben und es für göttlich ausgeben. Ich kann also den einen folgen, "treu bleiben" oder den anderen. Aber was die einen oder die anderen über Gott sagen stimmt alles nicht!
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Re: Zeugen Jehovas

Ungelesener Beitrag von Christel »

Holuwir hat geschrieben: Freitag 13. Mai 2022, 19:55
Christel hat geschrieben:Ein Mitglied der leitenden Körperschaft, selbst als Zeuge Jehovas aufgewachsenen, bekam einst Gewissensbisse als [er] merkte, dass das alles nicht stimmt.
Ja, dem kann ich nur zustimmen. Es stimmt alles nicht. Aber was ist "alles"?
Was ist "alles"?
Das ist ein berechtigter Einwand. Ich vermute, dass niemand wirklich alles hinterfragt.

Zudem ist jeder in einer etwas anderen Situation und Raymond Franz war es sowieso.

Es ist ziemlich lange her, dass ich den“Gewissenskonflikt“ gelesen habe. Soweit ich mich erinnere musste Raymond Franz einen Artikel erarbeiten und hat die Zeit des babylonisches Exils nachgeschlagen.
Zeugen Jehovas gehen hier vom Jahr Jahr 607 v. u. Z. aus. Doch so sehr er sich auch bemühte, er fand keinen Beleg für die Jahreszahl.

Unter jw.org ist dazu heute Folgendes zu lesen:
„Historiker und Archäologen gehen im Allgemeinen davon aus, dass Jerusalem im Jahr 586 beziehungsweise 587 v. u. Z. zerstört wurde. * Warum geben Jehovas Zeugen dagegen das Jahr 607 v. u. Z. an? Wie wird dieses Datum begründet?“ […] "Warum halten Jehovas Zeugen nun an einer Datierung fest, die um 20 Jahre von der gemeinhin akzeptierten Chronologie abweicht? Kurz gesagt, wegen innerbiblischer Beweise." https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitsc ... Teil-eins/
Von wegen „ innerbiblischer Beweise“. :roll: Die gesamten Berechnungen der Organisation stürzten damit zusammen. Für Raymond Franz brachte das einiges ins Rollen… und als Mitglied des Führungsgremiums auch Fragen nach unnötigen Opfern, welche die Körperschaft ihren Anhängern zumutet. Daraus folgten Gedanken wie wir/ich mache etwas falsch und Gewissensbisse.

(Übrigens, auch die Datierung der biblischen Bücher, weicht erheblich von der Ergebnissen der historischen Forschung ab. Wenn man ein Schriftstück sehr früh /zu früh datiert, dann lassen sich u.a. Prophezeiungen konstruieren.)

Der normale Zeuge Jehovas ist in einer anderen Situationen. Jetzt spekuliere/vermute ich:
Angenommen ein 150% iger Zeuge Jehovas und als Zeuge aufgewachsen. Welcher glaubt:

Es war/wurde finster:
„nach dem Tod Jesu unter den ersten Christen falsche Lehrer auftreten und die Wahrheit der Bibel verfälschen“
Auf wundersame Weise wurde die Bibel gerettet, natürlich gegen den Widerstand der Kirche. Die Kirche ist satanisch und gehört zum Weltreich der falschen Religionen.

Dann wurde es hell:
„Es kam die Zeit, in der Jehova die Wahrheit enthüllte. Gott hatte für die „Zeit des Endes“ versprochen: „Die wahre Erkenntnis wird überströmen“ (Daniel 12:4). Im Jahr 1870 erkannte eine Handvoll aufrichtiger Wahrheitssucher, dass viele Kirchenlehren keine biblische Grundlage hatten. Sie wollten die reine Lehre der Bibel herausfinden und Jehova verhalf ihnen zum richtigen Verständnis.“ https://www.jw.org/de/bibliothek/bueche ... ndex%5D=14

In der Konsequenz heißt das:

Obwohl die Bibel die ganze Zeit existierte, war niemand fähig sie richtig zu verstehen. Auch kein Licht der Reformation…
Und auch heute versteht niemand die Bibel! Außer der leitenden Körperschaft der Organisation der Zeugen Jehovas (WTG). Der einfache Zeuge ist somit völlig auf die „geistige Speise“ der WTG angewiesen.

Es ist somit ein bisschen vergleichbar mit dem Prolog des Johannesevangeliums. Nur hier ist Jesus das Licht, das in die Welt kommt, wo es auch heißt die „Wahrheit kamen durch Jesus Christus“ (Johannes 1,17). Für die Zeugen kam die Wahrheit durch die WTG.

Wenn ich richtig liege, dann wäre dies für so einen Zeugen Jehovas der Ausgangspunkt von dem "alles" hinterfragt wird. Und wie gesagt, vermutlich hinterfragt niemand „alles“.
„Jesus Christus, der Auferstandene, das bedeutet, dass Gott aus Liebe und Allmacht dem Tod ein Ende macht und eine neue Schöpfung ins Leben ruft, neues Leben schenkt.“ Dietrich Bonhoeffer (Das Wunder der Osterbotschaft)
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