Übersetzungshilfe lateinischer Kb-Eintrag

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Uwe Stadolka
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Übersetzungshilfe lateinischer Kb-Eintrag

Ungelesener Beitrag von Uwe Stadolka » Mittwoch 19. November 2014, 00:30

Liebe Mitforscher,
kann mir jemand den nachfolgenden Sterbeeintrag übersetzen? Es geht wohl um den Tod einer Mutter und ihres Neugeborenen in Matzdorf in Böhmen. Im Anhang befindet sich die Kb-Seite.

"Die 13 January (1688) in utero Matris pro obstetricem in extenso seu exporrecto Brachio filiy Christophori Preüßler ex Matzdorff Baptizaty et postea mortuy in lucem edity cum mortua Matre 17, praevie p(ro)visa cum omniby Sacramenty nomine Elisabeth annor quo mortua hora 10 noctis, 29 currenty sepulta est cum prole Sua in Coemiterio Fleyensi cum Sacro Cantato et Concione funebri."

Besten Dank im Voraus
Uwe
Dateianhänge
Flaje-S1688-Seite 189a.jpg

mar
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Re: Übersetzungshilfe lateinischer Kb-Eintrag

Ungelesener Beitrag von mar » Mittwoch 19. November 2014, 05:59

Ich hab keine Ahnung von Kirchenbuch-Latein im 17. Jahrhundert. War für mich so eine Art sportliche Herausforderung. Daher keine Garantie auf Richtigkeit. :)

Die 13 January (1688) in utero Matris per [!] obstetricem in extenso seu exporrecto Brachio filiy Christophori Preüßler ex Matzdorff Baptizaty et postea mortuy in lucem edity cum mortua Matre 17. praevie p(ro)visa cum omniby [sic!, richtig wäre: omnibus] Sacramentis [!] nomine Elisabeth annor[rum, Haken bei Abk.] [quo? macht keinen Sinn, Altersangabe?] mortua hora 10 noctis, 29 currenty sepulta est cum prole Sua in Coemiterio Fleyensi cum Sacro Cantato et Concione funebri.

Am 13. Januar im Schoß der Mutter durch die Hebamme auf den ausgestreckten oder vorgestreckten Arm des Sohnes [von?] Christoph Preußler aus Matzdorff getauft und hernach tot ans Licht hervorgebracht, zusammen mit der toten Mutter, am 17. vorausgehend versehen mit allen Sakramenten, namens Elisabeth [im Alter von? unklar], tot zur 10. Stunde in der Nacht, am 29. gegenwärtig [= am heutigen Tage?] bestattet worden ist mit ihrem Sprössling auf dem Friedhof [Fleyensi, Ortsname?] mit heiligem Gesang und einer Leichenpredigt

Meine freie Interpretation: Am 13. Januar wurde der Sohn von Christoph Preußler aus Matzdorff (nach Nottaufe durch die Hebamme im Mutterleib) tot geboren. Am 17. starb die Mutter Elisabeth [im Alter von x Jahren, unklar] um 10 Uhr Nachts, nachdem ihr zuvor die Sterbesakramente erteilt wurden. Am 29. wurden Sohn und Mutter auf dem Friedhof [von Ortsname?] beerdigt.

Uwe Stadolka
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Re: Übersetzungshilfe lateinischer Kb-Eintrag

Ungelesener Beitrag von Uwe Stadolka » Mittwoch 19. November 2014, 14:43

Hallo mar,
vielen Dank für die Übersetzung. Der Begräbnisort heisst Fleyh. Das Wort nach annorum, dass ich als pro gelesen habe ist dann wohl eine 40. Unklar ist mir noch, was der Pfarrer mit " in utero Matris per obstetricem in extenso seu exporrecto Brachio filiy" sagen wollte. Schaute nur der Arm des Kindes heraus und die Hebamme konnte daraufhin die Nottaufe durchführen? Auch erscheint mir die Zeit zwischen dem Tod der Mutter und der Beerdigung ziemlich lang (12 Tage). Im Kb steht eindeutig 29 aber es sollte wahrscheinlich 19 heissen. Der nachfolgende Eintrag ist nämlich vom 24.1.

Nochmals herzlichen Dank.
Uwe

mar
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Re: Übersetzungshilfe lateinischer Kb-Eintrag

Ungelesener Beitrag von mar » Mittwoch 19. November 2014, 21:45

Das "in extenso seu exporrecto brachio" hat mich Anfangs sehr verwirrt. Ich hatte erst versucht, das als "ausgedehnt, langwierig" auf die Geburt zu beziehen und mich gewundert, was dabei der Arm für eine Rolle spielt. Die Taufe auf den herausgestreckten Arm scheint jedoch durchaus gängige Praxis gewesen zu sein. Hebammen wurden wohl dazu angehalten bei Nottaufen das Taufwasser mit dem Kind in Kontat zu bringen. Teilweise wurde das Taufwasser auch einfach in die Gebärmutter gegossen. Das habe ich mir durch eine oberflächliche Web-Suche zusammengekratzt. Wenn man mehr Zeit investiert, findet man dazu vielleicht auch bessere Quellen.

Vielleicht ist "in extenso seu exporrecto brachio baptisatus" auch eine Standardformulierung für Nottaufen im Mutterleib und das muss nicht in jedem Fall wirklich so abgelaufen sein. Wenn die Anwesenheit des Priesters bei der Geburt unschicklich war, dann hat er vielleicht einfach nur die Hebamme befragt. Ich denke auch, man kann diese Kirchenbücher als eine Art "Arbeitsnachweis" lesen, in denen der Priester festhält, dass alle Sakramente ordnungsgemäß erteilt wurden und dass insbesondere Kinder nicht ohne Taufe starben.

Von der Grammatik her kann Christoph auch der Name des Kindes sein. "filii Christophori" kann man lesen als "des Sohns Christoph" oder mit doppeltem Genitiv als "des Sohns des Christoph". Ich fand jedoch, dass es in einem Kirchenbuch wahrscheinlicher ist, dass der Name des Vaters notiert wird und dass das tote Kind namenlos geblieben ist.

Etwas seltsam ist auch die Konstruktion "in brachio filii .. cum mortua matre ... sepulta est". Hier wechselt das grammatische Geschlecht von Maskulinum auf Femininum. Entweder mache ich einen Fehler bei der Übersetzung, oder der Chronist hat durch den langen Einschub über den Tod der Mutter selbst die Übersicht verloren.

In anderen Einträgen folgen nach annor[um] definitiv Ziffern. Der Chronist schreibt in der Regel deutliche Ziffern. Hier lese ich "qo" oder "go". Ich habe überlegt, ob das ein Kürzel für unbekannt (ignotorum?, ignorabilis?) oder ein Zahlwort (viginti, triginta) sein könnte. Passt aber auch nicht so recht. Vielleicht is es wirklich vierzig.

Uwe Stadolka
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Re: Übersetzungshilfe lateinischer Kb-Eintrag

Ungelesener Beitrag von Uwe Stadolka » Donnerstag 20. November 2014, 22:56

Ja, das klingt alles logisch. Wieder was gelernt. Im übrigen hast du recht, dass Christoph der Name des Vaters ist. Das geht aus den anderen Einträgen hervor. Bei dem schlecht lesbaren "qo" bin ich mir sicher, dass es eine 40 ist, da die Hochzeit 1669 war und es auch sonst Sinn macht.

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