Das christliche Schöpfungsverständnis

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Holuwir
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Re: Das christliche Schöpfungsverständnis

Ungelesener Beitrag von Holuwir »

Christel hat geschrieben:
Sonntag 7. Juni 2020, 12:54
Wir sind nicht Beobachter, wir sind Teil dieser Natur. Besitzen wir Geist, Bewusstsein... oder laufen da nur biologische und chemische Prozesse ab? Gibt es daher in der Welt mehr als physikalische, chemische und biologische Prozesse?
Wir sind Teil der Natur und deren Beobachter zugleich.
Aufgrund hochkomplexer biologischer und chemischer Prozesse besitzen wir Geist und Bewusstsein.
Alle biologischen Prozesse sind letztlich chemische Prozesse.
Alle chemischen Prozesse sind letztlich physikalische Prozesse.
Alle physikalischen Prozesse werden angetrieben von den vier Grundkräften der Physik, die da sind:
  • Schwerkraft,
  • elektromagnetische Wechselwirkung,
  • schwache Kernkraft,
  • starke Kernkraft
Die vier Grundkräfte der Physik treten bei der Umwandlung von Energie in Materie in Erscheinung.
Energie ist weder erzeugbar noch vernichtbar, nur verwandelbar.
Energie hat immer das Bestreben sich zu einem möglichst niederen Niveau hin zu verwandeln.
Dieses Bestreben der Energie nach Entspannung ist der Auslöser aller physikalischen Prozesse.
Deswegen gibt es die Welt und uns. :P
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Christel
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Re: Das christliche Schöpfungsverständnis

Ungelesener Beitrag von Christel »

Soweit zur Entstehung auf der materiellen Ebene. Ich stimme Dir hier grundsätzlich zu.

Allein bei Deiner Reduzierung auf Physik, kann ich nicht mitgehen. -> Demnach wären wir letztlich lediglich Maschinen.

Modern ist die Einordnung der Menschen in den Tierbereich. Auch das ist eine Reduzierung, aber dabei bleiben wir wenigstens noch Lebewesen im Unterschied zur toten Materie. -

Ich suche den, der sein „Lieblingsspielzug“, seine nagelneue Luxuskarosse gegen einen Handwagen eintauscht. Es sind letztlich beides nur Wagen zum Transport. Vier Räder, sie funktionieren nach denselben physikalischen Prinzipien, auf beide wirkt die Schwerkraft, beide Fahrzeuge bestehen aus Atomen, darin wirken „elektromagnetische Wechselwirkung, schwache Kernkraft, starke Kernkraft“. Ich warte auf Tauschangebote. Ich stelle den Handwagen, nach Wunsch auch den zweirädrigen, werde Luftaufpumpen und ihn vorher putzen.

Zurück zu den Lebewesen: Schon bei Pflanzen ist etwas Neues entstanden. Damit meine ich nicht nur den Stoffwechsel. Pflanzen können miteinander kommunizieren. Tiere noch mehr und Menschen noch mehr.
Holuwir hat geschrieben:
Sonntag 7. Juni 2020, 22:08
Wir sind Teil der Natur und deren Beobachter zugleich.
Aufgrund hochkomplexer biologischer und chemischer Prozesse besitzen wir Geist und Bewusstsein.
Richtig, aber wir beobachten nicht nur, wir nutzen die Kräfte, nehmen Einfluss auf die Natur und verändern sie. – Wir haben eine neue Sphäre geschaffen und leben in ihr.

Aber wenn Du gern reduzieren willst, bitte!

PS: Was hast Du für ein Auto? Tauscht du? 
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Holuwir
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Re: Das christliche Schöpfungsverständnis

Ungelesener Beitrag von Holuwir »

Christel hat geschrieben:
Dienstag 9. Juni 2020, 20:48
Soweit zur Entstehung auf der materiellen Ebene. Ich stimme Dir hier grundsätzlich zu.
Das ist mehr, als ich erwartet habe. :P
Christel hat geschrieben:
Dienstag 9. Juni 2020, 20:48
Allein bei Deiner Reduzierung auf Physik, kann ich nicht mitgehen. -> Demnach wären wir letztlich lediglich Maschinen.
Gut, ich will dir das erläutern. Wir haben es heute im Computerzeitalter relativ leicht, das zu verstehen: Moderne Computer haben eine gemeinsame Grundlage, auf die jeder Prozess zurückzuführen ist, sie verarbeiten Programme und Daten, die aus einer Folge von Nullen und Einsen bestehen. Egal wie umfangreich und komplex die Programme und die zu verarbeitenden Datenmengen sind, egal wie schön die Bilder sind, die sie speichern und wieder hervorzaubern, egal wie eindrucksvoll die Musik ist, die sie wiedergeben, letztlich ist alles, aber auch wirklich alles auf nichts anderes als geordnete Reihen von Nullen und Einsen zurückzuführen. Diese unterscheiden sich nur durch ihre Länge, also die Anzahl der Bits und deren jeweilige Anordnung. Wir nennen das Software.

Ganz ähnlich ist es bei den Gehirnen, egal bei welchem Lebewesen. Sie bestehen aus speziell angeordneten Molekülen, die sich zu Zellen, Synapsen zusammengefunden haben und unterscheiden sich durch die Anzahl der Basiseinheiten und deren Anordnung. Es bestehen zwar andersartige kleinste Elemente als beim Computer und wir verstehen noch längst nicht deren Organisation, aber wir verstehen, dass letztlich alles wie beim Computer auf eben diese einfachen Basiselemente zurückzuführen ist. Beim Menschen nennen wir das Zusammenspiel all dieser Elemente Geist.

Hardware , das ist Physik. Sie besteht aus Materie, beim Computer wie beim Menschen. Wie man die Hardware verwendet, das bestimmt die Software. Diese kann sehr unterschiedlich sein, auch sehr komplex. Hardware ohne Software ist ein nutzloser Haufen Materie. Software ohne Hardware hingegen gibt es nicht. Sie braucht immer(!) Materie als Basis, selbst wenn es nur ein beschriebenes Blatt Papier ist. Materie ist immer tot. Sie wird zwar durch Software beeinflusst, aber deswegen nicht lebendig, auch wenn es so scheint.

Wir erfassen Gedanken oder Gefühle ebensowenig dadurch, dass wir ein Gehirn sezieren, wie wir ein Bild erkennen, indem wir uns die aus Millionen Nullen und Einsen bestehenden Datenreihen ansehen, in denen es codiert ist. Um ein solches Bild zu betrachten, brauchen wir den Computer, der den Code lesen und auswerten kann und ein Ausgabegerät, z. B. einen Bildschirm. Um Gedanken und Gefühle zu erkennen, brauchen wir einen Menschen mit seinem Gehirn, der sie dann durch Worte und Gesten zum Ausdruck bringen kann.
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emery
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Re: Das christliche Schöpfungsverständnis

Ungelesener Beitrag von emery »

Nana, ertappt! Ein Taschenspielertrick. :) Du stülpst dem Computer den Zylinder über, versprühst etwas Konfetti, tada! ... und lässt unbemerkt das Kaninchen unter deinem Mantel verschwinden. Wobei keiner der Zauschauer auf die Idee kommt, dass in dem Trick überhaupt ein Kaninchen vorkam.

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass der Computer eine bewusste Erfahrung macht, wenn das Bild am Bildschirm angezeigt wird.

Es gibt aber sehr wohl einen Grund anzunehmen, dass ein Mensch eine bewusste Erfahrung macht, wenn sie oder er einen Gedanken oder ein Gefühl hat. Und die Geste oder der sprachliche Ausdruck sind nicht die bewusste Erfahrung, sondern lediglich Hinweise darauf, dass eine solche gerade statt findet.

Es wäre also zu erklären, wie genau diese bewusste Erfahrung zustande kommt.

Holuwir
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Re: Das christliche Schöpfungsverständnis

Ungelesener Beitrag von Holuwir »

Alle Prozesse in modernen Computern beruhen auf Bitsequenzen (Folgen von Nullen und Einsen). Egal welche Programme wir nutzen, welche Daten wir eingeben und welche Ergebnisse wir erhalten, ausnahmslos alles ist auf solche Bitsequenzen als kleinste, nicht mehr reduzierbare Basiselemente zurückzuführen. Es spielt dabei keine Rolle, ob es einfache oder hochkomplexe Aufgaben sind, die es zu lösen gilt. Die Länge der Bitsequenzen ist beliebig skalierbar. Sie können sehr sehr umfangreich werden.Gleichzeitig sind sie jedoch für menschliche Betrachtungen völlig unverständlich. Man kann in ihnen nicht erkennen, für was sie im Endeffekt stehen.

Diese Betrachtung des Computers ist eine hilfreiche Veranschaulichung für die Tatsache, dass alles in unserer Welt kleinste Elemente haben muss, aus deren Anordnung und Veränderung sich große und komplexe Zusammenhänge ergeben. Dies ist auch bei uns Menschen so. Bei uns sind Moleküle die kleinste Einheit, auf deren massenhafter Veränderung sich jede Veränderung in unserem Körper zurückführen lässt. Jeder Vorgang in unserem Körper ist letztlich ursächlich davon betroffen. Jedes Gefühl, jeder Denkvorgang, jede Bewegung ist in seiner Basis auf Veränderung von Molekülen zurückzuführen. Anders geht es nicht. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir Moleküle untersuchen könnten, um Gefühle zu erkennen. So etwas ist ebensowenig möglich, wie wir Bitsequenzen in einem Computer betrachten können, um zu erkennen, welche Programme bzw. Daten gerade aktiv sind, zumal die Anzahl der jeweils betroffenen Moleküle riesengroß ist. Nichtsdestotrotz hat die Hirnforschung auch in dieser Hinsicht große Fortschritte gemacht, wobei sie allerdings noch weit davon entfernt ist, dieses Ansinnen umzusetzen:
emery hat geschrieben:
Freitag 12. Juni 2020, 10:03
Es wäre also zu erklären, wie genau diese bewusste Erfahrung zustande kommt.
... wobei das Wörtchen "genau" das Problem ist. Aber lassen wir es einmal weg. Dann sind wir bereits auf einem guten Weg. Aber bedenken wir dabei immer, dass da jeweils Milliarden und Abermilliarden Moleküle miteinander interagieren, sich damit gegenseitig beeinflussen und in unzähligen chemischen Reaktionen umwandeln. Ein unglaublich komplexes Zusammenspiel, von dem wir ersteinmal nichts anderes wahrnehmen, als dass wir z. B. gerade eine Taste drücken oder eine andere "bewusste Erfahrung" machen.

Wenn Menschen jedoch nicht damit einverstanden sind, dass letztlich alles Denken, Empfinden, Handeln usw auf derartige materielle Prozesse zurückzuführen sind, dann wäre es doch einmal sehr interessant zu erfahren, wie diese "erklären, wie genau diese bewusste Erfahrung zustande kommt." Sie dürfen dabei auch gern "genau" weglassen. :P
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Christel
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Re: Das christliche Schöpfungsverständnis

Ungelesener Beitrag von Christel »

Holuwir hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juni 2020, 11:40
Materie ist immer tot.
Ist sie das?
Dann sind wir auch tot, denn wir bestehen aus Materie.
Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen einem toten und einem lebenden Menschen.
Holuwir hat geschrieben:
Samstag 13. Juni 2020, 15:40
Dies ist auch bei uns Menschen so. Bei uns sind Moleküle die kleinste Einheit, auf deren massenhafter Veränderung sich jede Veränderung in unserem Körper zurückführen lässt. Jeder Vorgang in unserem Körper ist letztlich ursächlich davon betroffen. Jedes Gefühl, jeder Denkvorgang, jede Bewegung ist in seiner Basis auf Veränderung von Molekülen zurückzuführen. Anders geht es nicht.
Ich hab ein Problem mit „ursächlich“ in dieser Absolutheit.

Beispiel:
Holuwir, ein wilder Bär, nichts was euch trennt
Du nimmst den Bär wahr durch Licht- und Schallwellen. Deine Moleküle … reagieren, daher denkst du „aha ein Bär“. :mrgreen:

Was ist hier Ursache?
Die körperlichen Veränderungen oder der Bär?


Ist nicht vielmehr die Information „Bär“ = „Gefahr“ Ursache und diese führt zu körperlichen Reaktionen? Was sich dabei im Körper genau abspielt ist egal.

Ist beim Computer nicht auch die Information, die ich gerade eingebe, Ursache für die Veränderung? Basiert nicht letztlich alles auf Information? Der von dir beschriebene Binärcode enthält Informationen. Die DNA enthält Informationen. Alles in der Natur enthält Informationen auf unterschiedlicher materialer Basis.

PS:
Holuwir hat geschrieben:
Donnerstag 11. Juni 2020, 11:40
Sie braucht immer(!) Materie als Basis, selbst wenn es nur ein beschriebenes Blatt Papier ist.
Weshalb betonst Du das?

Du weißt doch:
Wir sind Schöpfung! Die Schöpfung ist materiell. Niemand bestreitet das.

Du weißt, die Zeugen Jehovas bestehen auf den „Ganztod“, gerade weil sie den Menschen materiell sehen. Und sie erwarten eine Auferstehung ganz materiell hier auf Erden. Ausnahme: 144 000, die himmlischen Hoffnung haben, also ein Leben bei Gott.

Das Problem beim „Ganztod“ ist die Identität, die so nicht garantiert ist.

Anders ist das Konzept der „Seele“. Dies sichert die Identität. Aber auch hier gilt: Der Mensch ist in Leib und Seele einer. – Auch hier wird die leibhafte Auferstehung erwartet. Jedoch nicht als weiterleben auf der Erde und auch nicht wie bisher mit einem irdischen Leib. – Alle haben himmlische Hoffnung, erhofft wird ein neues anderes Leben bei Gott, aber kein leibloses Leben. - Die "Seele formt den Leib".

Abgesehen davon, unser Leib baucht sich ständig um. Sind wir alle sieben Jahre neue Menschen? Oder sind wir dennoch immer dieselben Menschen, obwohl materiell verändert?
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Holuwir
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Re: Das christliche Schöpfungsverständnis

Ungelesener Beitrag von Holuwir »

Christel hat geschrieben:
Dienstag 16. Juni 2020, 00:04
Ist sie [Materie] das [immer tot]?
Dann sind wir auch tot, denn wir bestehen aus Materie.
Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen einem toten und einem lebenden Menschen.
Aber unmittelbar nach dem Tod ist doch die Materie, aus der der Mensch besteht, absolut dieselbe geblieben. Wandelt sie sich etwa beim Tod eines Menschen von lebender zu toter Materie um? Nein, die Atome leben nicht. Der Organismus lebt, nicht die Atome, die Materie aus der er besteht.
Christel hat geschrieben:Beispiel:
Holuwir, ein wilder Bär, nichts was euch trennt
Du nimmst den Bär wahr durch Licht- und Schallwellen. Deine Moleküle … reagieren, daher denkst du „aha ein Bär“.

Was ist hier Ursache?
Die körperlichen Veränderungen oder der Bär?
Unser Gehirn empfängt die Signale von Augen und Ohren, lässt dabei ein Bild der Umgebung entstehen und vergleicht dieses mit Bildern, die es in der Vergangenheit abgespeichert hat. Es erkennt die Gefahr und sendet Signale an den Körper, an dessen Muskeln, um Bewegungen einzuleiten, die dem abgespeicherten Muster, was in einem solchen Fall zu tun sei, entsprechen.
Christel hat geschrieben:Ist nicht vielmehr die Information „Bär“ = „Gefahr“ Ursache und diese führt zu körperlichen Reaktionen?
Nein, natürlich nicht. Es ist ausschließlich das menschliche Gehirn. Das kannst du schon daran erkennen, dass ein schlafender Mensch nicht reagieren würde. Also kann der Bär nicht Ursache, sondern nur Anlass sein.
Christel hat geschrieben:Was sich dabei im Körper genau abspielt ist egal.
Ganz im Gegenteil! Was sich dabei im Körper abspielt ist entscheidend. Die Wahrnehmung (aufgenommene Information) ist nur der Auslöser. Es kommt ausschließlich darauf an, wie mein Gehirn sie verwertet und welche Handlungen mein Geist daraus ableitet und die entsprechenden Muskeln dafür anregt.
Christel hat geschrieben:Ist beim Computer nicht auch die Information, die ich gerade eingebe, Ursache für die Veränderung?
Ein Computer kann nicht entscheiden, wie er reagiert. Seine Wirkungsweise ist deterministisch. Ist er erst einmal konfiguriert, bestimme ich allein, was passiert, wenn ich diverse Tasten drücke.
Christel hat geschrieben:Basiert nicht letztlich alles auf Information?
Ich hab ein Problem mit „alles“ in dieser Absolutheit. :)
Wir müssen streng unterscheiden zwischen Informationen, die von intelligenten Wesen gesendet oder aufgenommen werden und sog. "Informationen", die die Materie völlig passiv, allein durch ihre Existenz untereinander austauscht, die allgegenwärtige physikalische Wechselwirkung.
Christel hat geschrieben:Der von dir beschriebene Binärcode enthält Informationen. Die DNA enthält Informationen.
Das sind zwei Sachverhalte, die nur scheinbar ähnlich sind, in Wirklichkeit aber, wie gesagt, nichts miteinander zu tun haben. Damit ist schon viel Unsinn begründet worden.
Christel hat geschrieben:Wir sind Schöpfung! Die Schöpfung ist materiell. Niemand bestreitet das.
Natürlich bestreite ich das. Es gibt keinen Grund für die Schöpfungsannahme. Ich bin fest davon überzeugt, dass es so etwas wie Schöpfung nicht gibt - und keine Auferstehung, keine Seele, die eigenständig existieren könnte, kein ewiges Leben, keine himmlische Hoffnung - und keinen Gott. Für nichts davon gibt es auch nur den geringsten Hinweis. Im Gegenteil, es gibt überzeugende Hinweise, dass es das alles eben nicht gibt.
Christel hat geschrieben:Abgesehen davon, unser Leib baucht sich ständig um. Sind wir alle sieben Jahre neue Menschen? Oder sind wir dennoch immer dieselben Menschen, obwohl materiell verändert?
Du weißt alles so schön und verwirrst dich immer wieder selbst durch falsche Schlüsse. Ja, ständig gelangt neue Materie über Nahrung, Flüssigkeit und Luft in unseren Körper. Er baut sie ein, baut sie ständig um und scheidet sie auch wieder aus. Wird die Materie etwa lebendig, wenn sie in unseren Körper gelangt? Nein, die ständigen billiardenfachen molekularen Prozesse in uns, bedeuten das, was wir Leben nennen. Unser Körper lebt, nicht die Materie, aus der er besteht. Diese ist beliebig austauschbar. Im Moment des Todes ist alle Materie, jedes Atom noch vorhanden, nur die ständigen, unendlichen, chemischen Prozesse, denen sie unterliegen, sind zum Stillstand gekommen. Unser Geist, unsere Seele erlöschen.
Achte auf Menschen, die die Wahrheit suchen, hüte dich vor denen, die sie gefunden haben. (Unbekannter Verfasser)

Christel
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Re: Das christliche Schöpfungsverständnis

Ungelesener Beitrag von Christel »

Holuwir, wie kannst Du sagen, ein Organismus lebt, aber die Materie, also alle Bestandteile aus denen der Organismus besteht, ist immer tot? Wie kann etwas leben, dessen Bestandteile allesamt tot sind?
Holuwir hat geschrieben:
Samstag 20. Juni 2020, 09:06
Nein, natürlich nicht. Es ist ausschließlich das menschliche Gehirn. Das kannst du schon daran erkennen, dass ein schlafender Mensch nicht reagieren würde. Also kann der Bär nicht Ursache, sondern nur Anlass sein.
Deine Unterscheidung zwischen Anlass und Ursache finde ich doch etwas haarspalterisch.
Dein Hinweis auf einen nicht reagierenden schlafenden Menschen verfängt nicht, da Du hier den Empfang des Signals ausschaltest.
Deine Aussage, „Es ist ausschließlich das menschliche Gehirn.“, ist nur in dem Fall stimmig, wenn insbesondere bei Krankheiten des Gehirns, sich Dinge ausschließlich im menschlichen Gehirn abspielen, die dann für real gehalten werden. Wenn es also tatsächlich keinen äußeren Anlass gibt.

Der Bär in unserem Beispiel ist aber real. Dass es Situationen gibt, wo dieser wilde brüllende Bär dennoch übersehen werden kann, ändert weder etwas an seiner Realität, noch etwas daran, dass wir darauf normaler Weise reagieren. - Ich jedenfalls.

Und nicht nur in diesem Beispiel. Wir verarbeiten ständig Informationen, die von außen kommen. Wir kommunizieren ständig mit allen Sinnen mit unserer Umwelt.
Holuwir hat geschrieben:
Samstag 20. Juni 2020, 09:06
Unser Körper lebt, nicht die Materie, aus der er besteht. Diese ist beliebig austauschbar. Im Moment des Todes ist alle Materie, jedes Atom noch vorhanden, nur die ständigen, unendlichen, chemischen Prozesse, denen sie unterliegen, sind zum Stillstand gekommen. Unser Geist, unsere Seele erlöschen.
Ja es stimmt, wenn wir tot sind, dann ist noch alle Materie vorhanden.
Es finden innerhalb dieser Materie noch immer chemische Prozesse statt. Zwar etwas anders als vorher, aber wirklich zum Stillstand gekommen ist die Materie nicht.

Also stimmst Du mir zu, dass wir mehr sind als tote Materie? Der lebende Organismus ist nicht nur Körper, sondern bildet einen lebendigen Leib, bestehend aus Materie, Geist und Seele?
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Re: Das christliche Schöpfungsverständnis

Ungelesener Beitrag von Familienname B. »

Meinen allergrößten Respekt Holuwir!
Besser
hat es noch niemand verständlich und nachvollziehar erklären können. Auch mir als relativ blöden, nicht hochgebildeten Menschen leuchten die logischen - sehr gut erklärten Fakten - ganz helle auf.
Vielen Dank.
Die Erschöpfung der Erde durch einen Gott ist und bleibt ABSOLUTES Grundfundament des Klerus. Dies ist wie du hier in langen, sehr intensiven und tiefgründigen Seiten und Darstelungen bewiesen hast, heute wirklich nicht mehr haltbar. Nun versucht besonders die allumfassende (katholische) Kirche es so zu drehen, um dieses Dogma irgendwie zu halten. Darwin ja - aber mit einem Gott vorn. Dein Gegenpart, der ohne wirkliche Argumente dasteht ist als Großmeisterin der Rabulistik locker in der Lage, ein Haar dreifach zu spalten. Auch das muß gekonnt sein!

Am Angang war das nichts. Gott sagte: "Es werde Licht!"
Dann gab es immer noch nichts, aber zumindest konnte man was sehen.
Ellen DeGeneres.

Holuwir
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Re: Das christliche Schöpfungsverständnis

Ungelesener Beitrag von Holuwir »

Christel hat geschrieben:
Sonntag 21. Juni 2020, 16:31
Deine Unterscheidung zwischen Anlass und Ursache finde ich doch etwas haarspalterisch.
Ganz im Gegenteil, deren klare Unterscheidung ist eine grundlegende Voraussetzung für richtige Schlussfolgerungen. Ursache und Anlass werden leider oft auch im täglichen Leben verwechselt. Für etwas Ursache sein, können nur Kräfte. Anlass für etwas kann jedoch ein beliebiges, in keinem ursächlichen Zusammenhang stehendes Ereignis sein, sogar eine reine Information. Information aber ist keine Kraft, kann also niemals wirken, niemals Ursache für irgendeine Veränderung sein. Sie als Anlass für eine Handlung zu nehmen, ist immer eine letztlich freiwillige Entscheidung des Informationsempfängers, die ausschließlich in seinem Gehirn stattfindet. Erst die Signale, die vom Gehirn ausgehen, führen zur Kontraktion von Muskeln, die damit Kraft ausüben und zu Bewegungen führen.
Christel hat geschrieben:Wir verarbeiten ständig Informationen, die von außen kommen.
Ja, unser Gehirn verarbeitet ständig Informationen, die von außen kommen und vergleicht sie mit dort abgelegten Mustern, um ggf. Muskeln zu aktivieren.
Christel hat geschrieben:Ja es stimmt, wenn wir tot sind, dann ist noch alle Materie vorhanden.
Es finden innerhalb dieser Materie noch immer chemische Prozesse statt. Zwar etwas anders als vorher, aber wirklich zum Stillstand gekommen ist die Materie nicht.
Sobald kein mit Sauerstoff angereichertes Blut mehr im Körper fließt, hören die unzähligen chemischen Lebensprozesse auf. Der Mensch ist tot. Es beginnen Zersetzungsprozesse die die Körpermaterie, die Moleküle umwandeln.
Christel hat geschrieben:Also stimmst Du mir zu, dass wir mehr sind als tote Materie? Der lebende Organismus ist nicht nur Körper, sondern bildet einen lebendigen Leib, bestehend aus Materie, Geist und Seele?
Wir bestehen aus Atomen, die sich zu Molekülen zusammengefügt haben. Das nennen wir Materie. Diese ist für sich genommen tot. Aber dadurch, dass sich diese Moleküle, angetrieben durch ständige Sauerstoff- und Energiezufuhr von außen, in gleichzeitig stattfindenden, schier unendlich vielen, chemischen Prozessen ständig umwandeln, ist der Körper, der Leib lebendig.

Geist und Seele hingegen sind Funktionen des Körpers, speziell des Gehirns, ähnlich wie Kraft eine Funktion des Körpers, speziell der Muskeln ist. Deswegen macht es keinen Sinn zu sagen, Geist, Seele oder Kraft seien Bestandteile des Körpers. Insbesonders die Idee, Geist könne unabhängig von einem Gehirn, überhaupt unabhängig von Materie existieren, ist völlig abwegig. So etwas ist praktisch unvorstellbar. Das werde ich später noch näher erläutern.
Achte auf Menschen, die die Wahrheit suchen, hüte dich vor denen, die sie gefunden haben. (Unbekannter Verfasser)

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Re: Das christliche Schöpfungsverständnis

Ungelesener Beitrag von Familienname B. »

Jesuit...
alles klar.

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emery
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Re: Das christliche Schöpfungsverständnis

Ungelesener Beitrag von emery »

Holuwir hat geschrieben:
Samstag 13. Juni 2020, 15:40
Gleichzeitig sind sie [die Bitsequenzen] jedoch für menschliche Betrachtungen völlig unverständlich. Man kann in ihnen nicht erkennen, für was sie im Endeffekt stehen.
Das illustriert dein Problem mit dem Reduktionismus. Ohne den entsprechenden Kontext kannst du aus den Elementen nicht ableiten, welche Bedeutung sie innerhalb des Systems haben.
Diese Betrachtung des Computers ist eine hilfreiche Veranschaulichung für die Tatsache, dass alles in unserer Welt kleinste Elemente haben muss, aus deren Anordnung und Veränderung sich große und komplexe Zusammenhänge ergeben.
Wir können uns über das "muss" streiten. Nämlich ob Reduktionismus eine Voraussetzung für dein Weltbild ist oder eine Schlussfolgerung.
Jedes Gefühl, jeder Denkvorgang, jede Bewegung ist in seiner Basis auf Veränderung von Molekülen zurückzuführen. Anders geht es nicht.
Uh, wow. Klingt sehr nach endgültiger Wahrheit. Warum geht es anders nicht?
... wobei das Wörtchen "genau" das Problem ist.
Die Naturwissenschaften gelten dann als besonders stark, wenn sie exakt sind. Oder quantitativ.
Aber lassen wir es einmal weg.
Oder das. Ich wäre ja schon zufrieden, wenn du den Versuch machen würdest, den qualitativen Ansatz einer Theorie zu skizzieren. Susan Blackmores Lehrbuch "Consciousness" (2018) kann als Einführung dienen.
Wenn Menschen jedoch nicht damit einverstanden sind, dass letztlich alles Denken, Empfinden, Handeln usw auf derartige materielle Prozesse zurückzuführen sind, dann wäre es doch einmal sehr interessant zu erfahren, wie diese "erklären, wie genau diese bewusste Erfahrung zustande kommt."
Es gibt Menschen, die bereit sind, Ungewissheit offen zuzugeben.

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