Wo ist die Demokratie im Eichsfeld???

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FENRIS
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Wo ist die Demokratie im Eichsfeld???

Ungelesener Beitrag von FENRIS » Freitag 5. Mai 2006, 14:31

Das ist eine Frage die mir des öfteren stelle. Und diese Woche wieder um so mehr, Im katholischen Eichsfeld haben es halt die CDU-Kandidaten nicht nötig, sich einem Forum mit den Wählern und seinem Gegenkandidaten zu stellen. Warum auch Man würde sich ja da auf eine Stufe mit seinem Gegenkandidaten stellen und wirklich mal Demokratie pratitzieren. Aber leider ist es doch im Eichsfeld so, dass die Eichsfelder früher in braunen Stiefeln gelaufen sind, dann in roten und jetzt in schwarzen.

Gruß FENRIS

Thomas H.
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Ungelesener Beitrag von Thomas H. » Montag 8. September 2008, 21:42

Hallo Fenris,

schade, dass es nicht zu der Diskussionsrunde mit den erhofften Beteiligten gekommen ist. Wir sollten fair miteinander umgehen und auch miteinander reden.
Du fragst, wo im Eichsfeld die Demokratie geblieben ist?
In dem Buch von Hans-Gerd Adler: "Wir sprengen unsere Ketten- die friedliche Revolution im Eichsfeld" sind die Wahlergebnisse von 1933 und 1946 dargestellt. 1933 hat die Zentrumspartei im Eichsfeld 60,93% der Stimmen bekommen, die NSDAP 26,2 %. 1946 als außer der SED alle demokratischen Parteien stark behindert wurden erhielt die CDU 63,7 % und die SED 26,7 %. Im Altkreis Heiligenstadt erreichte die CDU sogar 71,0 %.
Ähnliche Ergebnisse erreichte die CDU 1990 bei den ersten freien Wahlen nach den 2 Diktaturen. Interessant ist das Umfeld des Eichsfeldes 1933 und 1946. Wählte eine Mehrheit erst die Braunen in Witzenhausen, Nordhausen und Mühlhausen (58,28%), so waren es 1946 die KPD und später die SED, die in der ganzen sowjetischen Besatzungszone siegten, außer im Eichsfeld. Hier hängte man sein Fähnchen nicht nach dem Wind. Hätten 1933 und 1946 ganz Deutschland wie das Eichsfeld gewählt, wären uns zwei Diktaturen erspart geblieben. Vielleicht hat das was mit einer soliden Werteorientierung der Eichsfelder zu tun?

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Geschichte

Ungelesener Beitrag von FENRIS » Dienstag 9. September 2008, 12:14

Hallo Thomas,

es ist ja wahr, dass die Eichsfelder in der Zeit der Diktaturen Zentrum und CDU gewählt haben.

Aber leider waren doch diese Parteien nicht der christlich -motivierter Widerstand, sondern gleichgeschaltet. Die Zentrumspartei hat Hitler durch Zustimmung im Parlament sogar vor der Gleichschaltung unterstützt.

Und zu DDR-Zeiten gab es zwar Hugo Dornhofer in der CDU. Jedoch waren Leute wir er, doch eher die Minderheit. Gerald Götting, als Vorsitzender der Ost-CDU hat mit Werken wie "Ein Christ sagt ja zum Sozialismus" und "Reformation und Revolution" die Richtung vorgegeben und etwa 90 000 CDU-Mitglieder sind da mitgelaufen.

LG Fenris
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Demokratie CDU heute

Ungelesener Beitrag von FENRIS » Dienstag 9. September 2008, 12:20

Das Verhalten der CDU im Heiligenstädter Stadtrat- regelmäßiges Vor die tür stellen der Bürger zum Beispiel Reckebiel - zeigt mir das die absolute Mehrheit der CDU absolut schädlich ist.

Wir scheint als wäre der CDU parteiinterner Diskussionen genehm, aber mit den Bürgern ein Diskussion nicht gewollt.

Und leider gibt es im Heiligenstädter Stadtrat nur eine Oppositionspartei, nämlich die SPD. Die Fraktion der LINKE könnte mensch auch durch Holzpuppen ersetzten, dass hätte den selben Effekt.

LG FENRIS
Zuletzt geändert von FENRIS am Mittwoch 10. September 2008, 15:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Ungelesener Beitrag von pOng » Mittwoch 10. September 2008, 09:28

...ich mag allerdings bezweifeln, das die SPD (insbesondere mit ihren lokalen Vertretern) da eine bessere Politik betreiben würde. Von den Linken mag ich erst gar nicht sprechen. Hier hat man den Eindruck, das man lediglich die eigenen Leute mit angenehmen Posten versorgen will und eben nicht vorrangig den Bürgern eine bessere Politik zu bieten.

Etwas kritisch sehe ich, das die heiligenstädter sich bereits seit der Wende ununterbrochen auf ihre konkurrenzlose Spitzenposition wohl bewusst sein können und sind. Eine echte Alternative mit Wählerpotential steht bis heute nicht in Aussicht. Die eigentlich nötige und antreibende Dynamik der Demokratie fehlt damit merklich und ein gewisser Stillstand hat sich breit gemacht. Man kann darüber trefflich streiten, ob dies nun gut oder weniger gut für die Politik ist.

So hat mancher Wähler - vielleicht auch zu recht - den Eindruck, man hat sich "da oben" gemütlich eingerichtet und die Interessen der Bürger sind oft nur sekundär.

Man kann deshalb nur wünschen, das Transparenz für den Bürger möglichst hohe Priorität hat - auch (oder gerade) wenn die bestehende gewählte Fraktion eh absehbar unangefochten Platz eins hält.. Wenn man zu seinen Entscheidungen im Sinne des Bürgers steht, kann man die auch öffentlich und transparent vertreten, denke ich.

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Ungelesener Beitrag von FENRIS » Mittwoch 10. September 2008, 15:46

@Pong

Wenn die Leute dieses Empfinden haben, dann können sie doch auch über eine Freie Liste für den Stadrat kandidieren und damit das Problem angehen.

Ich habe leider mehr, dass Gefühl das da der Mut etwas gegen die CDU öffentlich zu tuen fehlt.

Mir fällt da gerade mal wieder der Ärzte-Song "Deine Schuld" ein:

Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist
Es wäre nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.


LG FENRIS
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Ungelesener Beitrag von niels » Mittwoch 10. September 2008, 17:15

FENRIS hat geschrieben:@Pong
Wenn die Leute dieses Empfinden haben, dann können sie doch auch über eine Freie Liste für den Stadtrat kandidieren und damit das Problem angehen.
Im Prinzip hast Du schon recht.

Ich sehe da einige Faktoren, die erklären, warum es nicht so ist:

Heiligenstadt ist nicht gerade groß. Dort kennt jeder jeden und aus nicht wenigen Familien finden sich Leute in den verschiedensten Ämtern, der öffentlichen Verwaltung oder der Kur wieder.

Kaum jemand davon möchte seinen sicheren Arbeitsplatz verlieren, den er oft schon seit der Wende dort hat - große Arbeitgeber wie früher der Solidor gibt es ja seit dem nicht mehr. Zudem haben viele eine Ausbildung, mit der man heute sonst kaum einen so gut bezahlten Job bekäme.

Jemand der politisch Erfolg haben will, kann das nicht (schon gar nicht auf dem Lande) als Einzelkämpfer tun und die Zahl möglicher Unterstützer wie Multiplikatoren für solch eine Sache (die auch wenigstens etwas Einfluss haben) ist in HIG sehr übersichtlich.

Häufig hat man den Einfluß auch nur durch Verbindungen in die Lokalpolitik oder -Politikern aufbauen können ). "Die Hand die mich füttert, schlag ich nicht)."

Sonst ist die freie Wirtschaft wie geeignete "Elite" nicht gerade breit gesät - gerade junge Leute, die etwas erreichen wollen, sind meist schon nach der Ausbildung weggegangen.

HIG bietet gerade jungen Familien wenig - man fühlt sich zwar geduldet aber nicht unbedingt erwünscht. Das ist selbst auf den umliegenden kleineren Orten anders.

Woher sollen dann die Leute kommen, die etwas verändern wollen und können?

Afaik gab (und gibt es) Stadtratsmitglieder, die nicht unbedingt aus der Bürgermeisterfamilie (im weitesten Sinne) kommen und wohl auch schon Dinge verändern wollten. Funktioniert hat das nur äußerst selten - selbst wenn es in der Presse o.ä. heftige Diskussionen gab.
Ich habe leider mehr, dass Gefühl das da der Mut etwas gegen die CDU öffentlich zu tun fehlt.
Richtig ist schon, das viele gern und ausgiebig muffeln - und das mit Vorliebe hinter vorgehaltenen Händen, vielleicht noch an den Stammtischen, aber selbst auch nichts anfassen. Manch einer davon ist nur neidisch, weil ihm selbst das Vitamin B fehlt.

Die Situation fühlen viele auch als festgefahren. Seit über 15 Jahren (also fast seit der Wende) hat HIG den selben Bürgermeister. Viele können sich die Stadt ohne diesen Bürgermeister offenbar nicht vorstellen.

Mehr bedenklich als erstaunlich ist auch, das er in seiner Fraktion immer wieder mit (SED ähnlich) hohen Quoten (afaik immer über 90%) gewinnt.

Hat die CDU in HIG wirklich keine potentielle personelle Alternative auf Lager, so das man so lange am selben Mann festhalten muss? Natürlich bedeutet ein neues Gesicht auch neue Risiken bei der nächsten Wahl - die aber kann sich die CDU bei der hohen Wählerunterstützung bestimmt leisten.

Viele Eichsfelder sind sehr katholisch und schon immer kirchentreu. Denen liegt nahe, die einzige christliche Partei zu wählen, weil Christen einer guten Sache dienen oder halt einfach weil es sich so für einen Christen gehört.

Die CDU hat während der Wende auch eine wichtige Rolle gespielt und war zu der Zeit auch die wohl beste Option für die meisten neuen "Ost-"Wähler. Unter Adenauer war es wohl weniger so - viele meinen noch heute, er hätte uns damals an die Russen verhökert. Zumindest den Mauerbau fand er wohl gar nicht so übel.

Heute wäre ein demokratischer Mix aus verschiedenen Fraktionen für die Stadt sicher kein Beinbruch und gute Demokraten (jeder gewählte Vertreter sollte einer sein) scheuen auch andere Meinungen ebensowenig wie einen demokratischen Stadtrat. Weitere Farben (vielleicht nicht gerade braun...) sowie freie Fraktionen würden auch mir gefallen.

Die meisten in meinem Alter ziehen einfach dorthin, wo man bessere Chancen sieht - die sagen: "was geht mich das noch an?". Gerade unter jungen Leuten hört man doch hin und wieder, die Stadt sei auf dem Weg eine "Rentnerstadt", mit vielleicht noch ein paar Ausländern, zu werden.

Ich kann sie dabei gut verstehen und das ist schade. Ich habe auch Bedenken, das eine einseitige Politik irgendwann die Extreme hochkochen lässt, auch wenn das heute nicht absehbar scheint solange die Eichsfelder noch regelmäßig in die Kirche gehen.
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Ungelesener Beitrag von FENRIS » Mittwoch 10. September 2008, 19:30

Ich weiß nicht ob die Angst vor dem Arbeitsplatz wirklich so eine reale Gefahr ist. Dass hat meiner Meinung nach mit Zivilcourage zutun. Leider gibt es auch so kaum Leute die sich in Betriebsräten oder in Gewerkschaften organisieren.

Das ist das Problem was ich sehe, die Leute haben einfach keinen Mut etwas zu verändern, obwohl sie die Möglichkeit haben. Und das ist das größte Problem für die Demokratie.

Eine Demokratie braucht DemokratInnen! Mündige couragierte BürgerInnen und keine DuckmäuserInnen.

CDU ist für mich nicht die einzige christliche Partei im Eichsfeld, Sie ist nur die einzige Eichsfeld die christlich im Namen trägt. Die Parteien und deren Positionen werden von ihren Mitglieder bestimmt und es gibt auch ChristInnen in der SPD, bei den Grünen und vielleicht auch bei der LINKE.

Und wenn mensch sich anguckt, was die CDU so angestellt hat z. B. bei der geplanten Abschaffung des Blindengeldes oder wenn ich ihre Postionen bei Abschiebung und Asylpolitik sehe würde ich sie nicht gerade als christlich bezeichnen.
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Ungelesener Beitrag von niels » Mittwoch 10. September 2008, 19:54

Bist Du denn selbst politisch aktiv?

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Ungelesener Beitrag von FENRIS » Donnerstag 11. September 2008, 12:31

Natürlich, ich bin Mitglied bei den Eichsfeldern Grünen und engagiere mich da auch recht stark.

Natürlich haben die Grünen nicht die Mitgliederzahlen wie die CDU oder LINKE im Kreis. Aber ich denke für unsere Mitgliederzahl machen wir sehr viel.

FENRIS
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Ungelesener Beitrag von niels » Donnerstag 11. September 2008, 13:35

FENRIS hat geschrieben:Natürlich, ich bin Mitglied bei den Eichsfeldern Grünen und engagiere mich da auch recht stark.
Nun, das freut mich. Gibt es eigentlich "Grüne" im heiligenstädter Stadtrat? Oder wie sieht es dort z.B. mit der FDP aus?
FENRIS hat geschrieben:Natürlich haben die Grünen nicht die Mitgliederzahlen wie die CDU oder LINKE im Kreis. Aber ich denke für unsere Mitgliederzahl machen wir sehr viel.
Ohha -> mir war nicht bewusst, das die Linke im Eichsfeld immer noch (oder wieder) wirklich so stark ist - zumindest stärker als die Grünen.


just btw und etwas off-topic:
FENRIS hat geschrieben:"Fleischessen ist ein Überbleibsel der größten Rohheit. Der Übergang zum Vegetarismus ist die erste und natürlichste Folge der Aufklärung."
Deine Signatur lässt vermuten, das Du ev. Vegetarier / Veganer bist?

Ich bin zwar kein Vegetarier - allerdings wundert (oder ärgert) mich schon, das die Eichsfelder offenbar fast ausschließlich (schätze mal so zu 95%) Schwein als Fleisch konsumieren und ich deshalb bis heute keinen Fleischerladen finde, in dem ich laufend Rind, frisches Huhn, Lamm (von anderen Fleischarten ganz zu schweigen) o.ä. kaufen kann, was man z.B. in Göttingen bei jedem Fleischer findet.

Einige Leute von auswärts meinen, viele Eichsfelder seien schlicht "schweinisiert" und man sähe denen übermässigen den "Schweinekonsum" an Gesicht, Haut und Körperform an. ;)

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Ungelesener Beitrag von FENRIS » Donnerstag 11. September 2008, 13:59

Leider sind die Grünen nicht im Stadtrat, dort sitzt neben CDU nur SPD und LINKE. Die FDP ist auch nicht vertreten.

Die LINKE ist leider sogar die zweitmitgliederstärkste Partei im Eichsfeld, wenn auch von der Mitgliederstruktur her mit die Älteste. Selbst die SPD im Eichsfeld hat weniger Mitglieder. Liegt wohl vor allem daran, dass die SPD sich geweigert hat und sicherlich immer noch weigert ehemalige SED-Mitglieder aufzunehmen.

Zu Vegan/vegetarisch mach ich mal ein eigenes Thema in Offene Diskussion auf.

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Ungelesener Beitrag von niels » Donnerstag 11. September 2008, 15:03

Ein "gesundes Grün" find ich ganz gut .

Allerdings kenne ich (auch persönlich) eine Reihe Leutz bei den Grünen, deren Ansichten mich nicht immer überzeugen - oft weil sie mit deren Handeln kontrahieren.

Ich kenne einige, die schimpfen z.B. auf Atomstrom, verballern aber selbst tausende Kilowatt im Jahr für den "kultigen Kühlschrank", die Elektroheizung oder elektrischen Spielkram. Strom sparen sollen alle - nur selbst macht man es irgendwie nicht... Einige Ideen klingen auch nicht durchdacht - z.B. "Biosprit" und "Weizen-Heizung". das war absehbar, keiner wollte es hören - heute wissen alle, das das keine Löung ist / war...

Andere schimpfen auf die bösen Autos, fahren aber selbst Rostlauben mit maximalem Spritverbrauch und Schadstoffausstoß. Das "Wollen und Tun" geht auch bei (einigen) Grünen nicht selten verschiedene Wege.

Während man zuerst unbedingt Windstrom haben wollte, gab es später Klagen bzw. Einwände gegen eine Windkratftanlage (im Eichsfeld), weil die Rotoren der Räder wohl "Mückenschlag" verursachen würden.

Aussentstehende haben zuweilen den Eindruck, die Grünen denken oft nicht bis zwei oder drei, wenn sie eins sagen. Allerdings sind die Grünen auch stolz auf ihre "Dynamik", die ja auch Vorteile hat.

Auch ich würde z.B. liebend gern auf öffentliche Verkehrsmittel setzen - so z.B. wie in der DDR noch praktikabel. Die Bundesregierung hat das "Autoland" BRD über viele Jahre gepusht, jeder sollte ein Auto kaufen (müssen) und die Leute sind heute (leider) abhängig von ihren Autos.

Ebenso sehr interessiere ich mich für ein "umweltfreundliches Auto" - bisherige Ideen und Patente wie "3-Liter-", "Wasserstoff-" oder "Elektro-Auto" (zumindest die aussichtsreichen) sind schon vor Jahren als gekauftes Patent in irgendwelchen Tresoren verschwunden - das wollte keiner. Heute haben wir den Salat...

Die Preise für die Bahn sind exorbitant und Autofahren meist schlicht merklich preiswerter. Deshalb verstehe ich (nur ein beispiel) auch, das viele Wähler Angst vor extrem hohen Benzinpreisen haben, wie sie die Grünen vor ein zwei Jahren noch forderten. Sie haben bisher kaum eine Alternative - alles wird spürbar teurer.

Daher fände ich z.B. gut, wenn die Grünen sich für bezahlbare wie benutzbare öffentliche Verkehrsmittel einsetzen würden. Sie nehmen viele Leute bis heute noch nicht richtig mit. Einzelne kleine gegangene Schritte sind meist besser als viele große gedachte...

Gelöscht_09041201

die eic-er...

Ungelesener Beitrag von Gelöscht_09041201 » Dienstag 11. November 2008, 09:33

... wollen es nicht anders... :evil:

ich spreche nur von der cdu-wählenden mehrheit.... sie wollen nicht diskutieren, sie wählen einfach wie immer.. ist schon gut so, konservativ... konserve... lange haltbar... ja.. wie immer,

bewährt?? das wiederum weiss man nicht genau, es fehlt ein vergleich, könnte besser sein gell? aber das heisst von liebgewonnenen angewohnheiten abschied nehmen, DAS geht nicht ;-)

deshalb, alles bleibt wie es ist. Man kann sich in diesem wahlkreis als cdu sehr viel erlauben..


das IST demokratie.. s'volk hat sie doch gewählt.
eben... die eic-er wollen es nicht anders.. :twisted:


vg
treumie

Heinrich5

Ungelesener Beitrag von Heinrich5 » Freitag 28. November 2008, 03:23

Du bist doch Eichsfelder - da musst Du auch CDU wählen!

In der DDR war die DDR-CDU die zweitgrößte Partei auf dem Eichsfeld. Viele gingen in die CDU, weil sie so sich vor einer Mitgliedschaft in der SED drücken konnten. Als Blockpartei war die DDR-CDU der SED hörig und untergeordnet. Als deren Erfüllungsgehilfen nannte man sie auch SED Kulissenschieber. Nach der Wende kam der Begriff Blockflöten auf. Die CDU Eichsfeld hatte nach der Wende 1989 genügend Potential meist Ingenieure, Ökonomen und Meister in den Industriebetrieben, welche politische Positionen übernehmen konnten. Zu 99 % waren sie alle katholisch und sie witterten die Gunst der Stunde, stärkste politische Kraft im Eichsfeld werden zu können. Einige waren zwar Stasi- vorbelastet, wie z.B. der erste frei und demokratisch gewählte CDU Landrat des Kreises Worbis, aber mit Hilfe der CDU glaubten sie eine neue Karriere beginnen zu können. Hinzu kam, dass man den Leuten suggerieren konnte, dass CDU für katholisch steht. Adenauer war katholisch, Kohl war katholisch und viele andere auch. Nichtkatholiken hatten in der West-CDU nicht das Sagen. In diesem Glauben werden die Eichsfelder auch durch die katholische Kirche unterstützt. Verschwiegen (zumindest nicht populär gemacht) wird, dass auch Katholiken in der SPD Führungsfunktionen inne haben ( z. B. Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident oder der Bruder von Wolfgang Vogel, Bernhardt Vogel, ehemaliger SPD Vorsitzender und andere.)
Erinnert wurden die Eichsfelder auch an ihr Wahlverhalten vor dem Kriege, als die katholische Zentrumspartei vor ihrem Verbot hier die meisten Stimmen erhielt und 1933 den Nationalsozialisten bei der letzten Wahl eine Absage erteilt wurde. Es kamen also auch wieder Wählertraditionen zum Zug, welche noch nicht verschüttet waren. In den Gemeinden bildeten und festigten sich nach der Wende die sogenannten CDU Seilschaften. Plötzlich wurden Handwerker und Unternehmer Mitglied der CDU und der CDU Mittelstandsvereinigung und sicherten sich so ihre Aufträge und damit die Wirtschaftlichkeit ihres Unternehmens.
Die heutige starke Stellung der CDU im Eichsfeld hat auch Auswirkung auf die thüringische Landespolitik. Die Katholiken sind im Landtag von Erfurt überrepräsentiert. Der Ministerpräsident des Landes Thüringen, Dieter Althaus ist katholischer Eichsfelder. Und die Eichsfelder, selbst wenn sie Sozialhilfeempfänger oder Arbeitslosenhilfeempfänger sind, sind stolz auf ihren eichsfeldischen Ministerpräsidenten und denken, dass dieser ihre Interessen vertritt.
Alles spricht dafür, dass das Eichsfeld eine Hochburg der CDU auf Dauer bleiben wird. Ein CDU Politiker muss hier keine besonderen Leistungen vollbringen, weder als Landtagsabgeordneter, noch als Bundestagsabgeordneter oder als so genannter Europa-Parlamentarier. Sie könnten pennen auf den Hinterbänken. Es genügt vollkommen, das CDU Parteibuch in der Tasche zu haben. Sie werden immer wieder gewählt und das gibt ihnen, im Gegensatz zu anderen Parteien ein schönes Gefühl der Sicherheit. Wahlergebnisse der CDU im Eichsfeld werden meistens mit einer Sechs oder Sieben - in vielen Gemeinden auch mit einer Acht beginnen. Auch das ist einmalig für ganz Deutschland.

Ein Licht am Ende des schwarzen Tunnels:

Erfreulich ist wenigstens noch das Abschneiden der PDS. Die Europa und Landtagswahlen am 13. 06. 2004 brachten einen wachsenden Zuspruch der Eichsfelder für die PDS und ihre Kandidaten. Bei der Europawahl votierten 6210 Eichsfelder für die PDS. Das waren 700 mehr als im Jahr 1999. Gerhard Jüttemann, katholisch, Kandidat der PDS, erreichte 15 % der Wahlkreisstimmen. Insgesamt gaben 6883 Wähler ihre Stimme den beiden PDS Wahlkreiskandidaten. Das sind 500 mehr als 1999. Auch die Landesstimmen für die PDS waren mit 6459 Stimmen noch nie so hoch. Zwei Mitglieder des PDS Kreisverbandes Dr. Johanna Scheringer-Wright und Werner Buse, können im Thüringer Landtag wirken. Die PDS ist zweitstärkste politische Kraft im Eichsfeld und erteilt all denen erneut eine Absage, die das politische Ende der PDS im Eichsfeld schon vor über 10 Jahren vorausgesagt haben.
Übrigens, der nächste eventuelle Ministerpräsident in unserem schönen Thüringen ist nicht nur demokratischer Sozialist sondern auch Protestant. Der Mann heißt Bodo Ramelow.

Anmerkung: Ich bin parteilos, bin aber der Meinung, dass eine starke Opposition nicht nur im Eichsfeld dringend nötig ist.

Mit freundlichen Grüßen,
Heinrich5

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