bei mir war das mit der Lesehilfe ziemlich ernüchternd: Hab letztes Jahr auf dem Dachboden vom Opa ein Kirchenbuch-Foto gefunden und eigentlich gedacht, das les ich in ner halben Stunde. Nach zwei Abenden hatte ich "Brandl" als "Brandt" und einen Urgroßonkel als Schmied, der laut späterer Nachfrage Schneider war. Die Kurrentschrift is halt echt nix für Leute, die schon bei ihrer eigenen Handschrift raten müssen Ham dann nen Bekannten drüberschauen lassen, der hats in fünf Minuten gelesen, und seitdem trau ich meinen Lesekünsten nur noch bei Espressomaschinen-Anleitungen.
Moin Thomas,
das Lesen ist eigentlich eine reine Übungssache. Als ich nach dem Tod meiner Mutter eine Kiste mit alten Urkunden und Briefen gefunden hatte, wollte ich auch unbedingt wissen, was da drin steht. Allerdings hatte ich mal in der 4. Klasse während zwei Projektwochen Sütterlin lesen und schreiben gelernt. Das ist aber mittlerweile auch schon über 50 Jahre her. Als Kind konnte ich auch die Briefe meiner Groß- und Urgroßeltern noch lesen - das war ein Mischmasch zwischen Sütterlin und lateinischer Schrift. Dann hatte ich viele Jahre nichts mehr mit der Schrift zu tun - bis zu der besagten Kiste vor 16 Jahren. Ich hatte mir dann aus dem Internet eine Buchstabentafel ausgedruckt und mit Hilfe dieser versucht, Buchstabe für Buchstabe zu lesen. Aus der Grundschule hatte ich noch das ein oder andere im Hinterkopf (z. B. die verschiedenen S-Formen). Die ersten Dokumente hatten noch viele Lücken. Diese konnte ich aber im Laufe der Zeit füllen.
Dann nahm ich an einem Transkriptionsprojekt teil und so wurde ich immer sicherer im Lesen und es machte dann auch richtig Spaß.
Tja, und wenn ich tatsächlich mal etwas nicht lesen kann, hole ich mir Hilfe bei anderen Forschenden
Aber du hast es doch versucht und hast sicherlich das ein oder andere richtig gelesen. Also lass dich nicht entmutigen.
Liebe Grüße
Marion